# taz.de -- Handelsabkommen mit Südamerika-Staaten: Mercosur-Abkommen würde EU-Landwirtschaft kaum belasten
       
       > Wissenschaftler erwarten nur geringe Produktionseinbußen bei Fleisch und
       > Milch. Der Schutz durch Zölle und Standards bleibe erhalten.
       
 (IMG) Bild: Das Mercosur-Abkommen wird die Rindfleischproduktion in Deutschland kaum belasten
       
       Die Landwirtschaft der Europäischen Union würde unter dem Handelsabkommen
       mit vier Staaten der südamerikanischen Mercosur-Gruppe einer Prognose
       zufolge kaum leiden. Die EU würde nach Inkrafttreten der Zollsenkungen nur
       1,5 Prozent weniger Geflügelfleisch produzieren, zeigt eine
       [1][Modellrechnung des bundeseigenen Thünen-Agrarforschungsinstituts].
       
       Die Erzeugung des für die deutsche Landwirtschaft wichtigeren Rindfleischs
       würde demnach lediglich um 1 Prozent zurückgehen. Die ebenfalls relevante
       Produktion von Schweinefleisch bliebe ungefähr stabil, genauso wie die des
       umsatzstärksten Milchsektors. Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss,
       dass das Handelsabkommen „nicht zu einer ‚Überschwemmung‘ der Agrar- und
       Ernährungsmärkte in der EU führen wird“.
       
       Die Europäer dürften ihre „sensible“ Agrarproduktion auch nach
       Inkrafttreten des Abkommens durch Zölle schützen, so die Thünen-Forscher.
       Das Abkommen würde den Mercosur-Staaten zum Beispiel erlauben, bis zu
       99.000 Tonnen Rindfleisch jährlich mit 7,5 Prozent Importzoll in die EU zu
       verkaufen. Was über diese Importquote hinausgeht, müsste immer noch zu den
       alten, höheren Sätzen verzollt werden. Das sind laut EU-Kommission
       [2][lediglich 1,5 Prozent der hiesigen Rindfleischproduktion] im Jahr 2024
       und weniger als die Hälfte der Einfuhren aus dem Mercosur. Deshalb würden
       die Rindfleischpreise nur um 2 Prozent sinken, zitieren Wissenschaftler
       eine aktuelle Berechnung.
       
       „Auch die Befürchtung, das Abkommen gefährde europäische
       Lebensmittelstandards, lässt sich anhand verschiedener Quellen
       weitestgehend entkräften“, ergänzen die Experten. Denn die
       Gesundheitsvorschriften der EU würden weiter gelten – einschließlich des
       Verbots des Fleischs von Tieren, denen künstliche Hormone oder
       hormonähnliche Stoffe verabreicht wurden, um das Wachstum zu beschleunigen.
       
       ## Weniger Zölle auf EU-Käse
       
       Für die EU-Land- und Ernährungswirtschaft bringt das Abkommen auch
       Vorteile: Sie dürfte künftig zum Beispiel 30.000 Tonnen Käse pro Jahr
       zollfrei in die Mercosur-Staaten exportieren. Die Südamerikaner müssten
       rund 350 geografische Herkunftsangaben wie „Bayerisches Bier“ oder
       „Nürnberger Bratwürste“ vor Nachahmungen schützen. Außerdem würden die
       Exportsteuern beispielsweise auf Soja aus Argentinien fallen. Das würde
       Futtermittel in Deutschland verbilligen.
       
       Die Mercosur-Staaten würden der Prognose zufolge fast 4 Prozent mehr
       Geflügelfleisch produzieren. Bei Rindfleisch aber ist nur ein Plus von rund
       1 Prozent zu erwarten. Diese Fleischart steht vor allem in Brasilien im
       Fokus, weil ihre Produktion laut Umweltschützern dazu beiträgt, [3][dass
       Regenwald abgeholzt wird.] Das gilt ebenso für den Anbau beispielsweise von
       Soja, aber auch der würde wegen des Abkommens nur um weniger als 1 Prozent
       zulegen.
       
       8 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn069862.pdf
 (DIR) [2] https://policy.trade.ec.europa.eu/eu-trade-relationships-country-and-region/countries-and-regions/mercosur/eu-mercosur-agreement/factsheet-eu-mercosur-partnership-agreement-opening-opportunities-european-farmers_de?prefLang=de
 (DIR) [3] /EU-Mercosur-Abkommen/!6055140
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jost Maurin
       
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