# taz.de -- Handelsvertrag mit Südamerika: EU-Kommission will Mercosur-Abkommen trotzdem anwenden
       
       > Brüssel will den Vertrag in Kürze anwenden, obwohl es der EuGH noch
       > prüfen muss. Zuvor hatten Uruguay und Argentinien das Abkommen
       > ratifiziert.
       
 (IMG) Bild: Unterzeichnung des Mercosur-Abkommens im Januar: Die Zustimmung der übrigen zwei Mercosur-Staaten Brasilien und Paraguay steht noch aus
       
       Die Europäische Union will das Handelsabkommen mit den südamerikanischen
       Mercosur-Staaten noch während einer laufenden juristischen Prüfung durch
       den Europäischen Gerichtshof (EuGH) vorläufig anwenden. Nach Gesprächen mit
       Mitgliedsländern und EU-Abgeordneten „wird die Kommission nun die
       vorläufige Anwendung vornehmen“, kündigte EU-Kommissionspräsidentin Ursula
       von der Leyen am Freitag an.
       
       Zuvor hatte Uruguay als erstes Land das [1][Handelsabkommen] ratifiziert.
       Nahezu einstimmig votierte das Abgeordnetenhaus des südamerikanischen
       Landes am Donnerstag für den Vertrag. Tags zuvor hatte bereits der Senat
       mit den Stimmen der Regierung und der Opposition zugestimmt.
       
       Nur wenige Stunden später ratifizierte auch Argentinien das Abkommen. Mit
       69 Stimmen votierte der Senat in Buenos Aires am Donnerstag dafür, 3
       stimmten dagegen. Das Abgeordnetenhaus hatte bereits Mitte Februar mit
       großer Mehrheit zugestimmt.
       
       „Nach 25 Jahren bekommt das Abkommen heute Gesetzeskraft. Es ebnet den Weg
       für die endgültige Entwicklung unserer Republik, insbesondere für das
       historisch vernachlässigte Landesinnere. Auch für die Erdöl- und
       Erdgasindustrie sowie den Bergbausektor bietet es Chancen“, begrüßte für
       die Regierungsfraktion der argentinische Senator Francisco Paoltroni die
       Zustimmung.
       
       ## Erster Ratifizierungsschritt in Brasilien
       
       Das Abkommen war am 17. Januar nach über 25 Jahren Verhandlungen von den
       Außenministern der Mercosur-Staaten und dem Vertreter der Europäischen
       Union in der paraguayischen Hauptstadt Asunción unterzeichnet worden. Es
       sieht die Bildung eines gemeinsamen Marktes mit 780 Millionen Menschen vor,
       der 25 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung umfasst.
       
       Durch das Abkommen zwischen den Mercosur-Gründerstaaten Argentinien,
       Brasilien, Paraguay und Uruguay und der EU soll der Großteil der Zölle nach
       und nach beseitigt werden. Die EU-Kommission verspricht sich davon eine
       Steigerung der EU-Exporte in die Mercosur-Staaten von bis zu 39 Prozent.
       „Wir schaffen die größte Freihandelszone der Welt“, hatte
       Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei der Unterzeichnung in
       Asunción erklärt. Es sei ein regelbasiertes Abkommen, das die beiden
       Kontinente verbinden werde, fügte sie hinzu.
       
       Während die EU vor allem Industrieprodukte wie Fahrzeuge und chemische
       Produkte in die südamerikanische Wirtschaftsgemeinschaft exportiert,
       liefern die Mercosur-Staaten hauptsächlich landwirtschaftliche Produkte und
       Rohstoffe in die EU.
       
       ## EU-Parlament bremst
       
       Die Zustimmung der übrigen zwei Mercosur-Staaten Brasilien und Paraguay
       steht noch aus, ist aber auch auf einem guten Weg. In Brasilien stimmte am
       Mittwoch das Abgeordnetenhaus mit großer Mehrheit ebenfalls für das
       Abkommen. Schlusslicht ist Paraguay, wo noch keine Zustimmung der beiden
       Kongresskammern vorliegt.
       
       Die Ratifizierung im Europaparlament dürfte sich mehrere Monate hinziehen,
       weil die Abgeordneten den Europäischen Gerichtshof (EuGH) mit einer Prüfung
       beauftragt haben. (mit afp)
       
       27 Feb 2026
       
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