# taz.de -- Proteste gegen Mercosur: Macron, die Landwirte und die EU
> Beim Mercosur-Abkommen bekommt die französische Regierung Druck von zwei
> Seiten: Landwirte protestieren und die EU-Kommission verhandelt an
> Frankreich vorbei.
(IMG) Bild: Alle Brandstifter? Vor der National-versammlung schaut ein französischer Landwirt gebannt auf einen zündelnden Kollegen
„Ursula, du hältst uns für Dummköpfe!“ stand auf einem der Traktoren, die
es trotz zahlreicher Polizeisperren und behördlicher Verbote bis zum
Triumphbogen im Zentrum von Paris schafften. Mehrere hundert Landwirte
waren in der Nacht auf Donnerstag mit ihren Traktoren bis an den Stadtrand
oder gleich bis auf die Avenue des Champs Elysées gefahren. In
verschiedenen Landesteilen errichteten sie Straßensperren gegen die
französische Regierung und die Europäische Union.
Ihre Proteste gelten [1][wie die anderer europäischer Landwirte] dem
Mercosur-Freihandelsabkommen. Das Abkommen sei nichts weiter als ein
Todesurteil für die französische Landwirtschaft, so die Demonstrierenden.
Wegfallende Zölle auf Güter aus den Mercosur-Staaten Argentinien,
Brasilien, Paraguay und Uruguay [2][führen für sie zu mehr wirtschaftlicher
Konkurrenz].
Bei Abschluss des Abkommens werde der europäische Markt mit Agrarprodukten
überschwemmt, die den europäischen Normen nicht entsprächen, argumentieren
die an ihren gelben Mützen erkennbaren Mitglieder der rechten
Bauernvertretung Coordination rurale. Auch die geplanten Zugeständnisse der
EU würden daran nichts ändern.
Der Einfluss der Bauern in Frankreich ist nicht zu unterschätzen. Die
französische Landwirtschaft ist ein gewichtigerer Sektor als in
Deutschland. Auch genießen die Landwirte in der Bevölkerung starken
Rückhalt, selbst wenn sie mit radikalen Mitteln demonstrieren.
Bei vergangenen Protesten hatten sie Autobahnen blockiert, Straßensperren
errichtet und Mist und Müll vor staatliche Behörden gekippt. Gendarmerie
und Polizei schauten dem Protestgeschehen oft nur untätig zu. Festnahmen
und Repressionen, wie sie bei anderen Kundgebungen zu erwarten wären, sind
die seltene Ausnahme.
## Schneeballwürfe und Pfiffe
Als am Donnerstag die Vorsitzende der Nationalversammlung, Yaël
Braun-Pivet, mit den Demonstrierenden vor dem Parlamentsgebäude sprechen
wollte, wurde sie ausgepfiffen, mit Schneebällen beworfen und musste in
Sicherheit gebracht werden. Landwirtschaftsministerin Annie Genevard
betonte trotzdem vor der Presse, die Forderungen der Landwirte seien
durchaus „legitim“.
Nach [3][den letzten Zugeständnissen der Kommission scheint die Sache für
die protestierenden Landwirte allerdings gelaufen]. Italien signalisierte
am Mittwoch nach langen Verhandlungen seine Zustimmung. Damit scheint die
erforderliche qualifizierte Mehrheit von mindestens 15 EU-Staaten mit 65
Prozent der EU-Bevölkerung gesichert. Frankreich hat seine für ein Veto
erforderliche Sperrminorität gegen das Abkommen verloren.
Die Wut der Landwirte richtet sich nun ebenso sehr gegen die EU wie gegen
Macron. Die Regierung versichert zwar, mit oder ohne Mercosur-Abkommen die
Importkontrollen verschärfen zu wollen, um unlautere Konkurrenz und Umwelt-
und Sozialdumping aus dem außereuropäischen Ausland zu bekämpfen. Dass
angekündigte Schutzklauseln oder Qualitätskontrollen etwas bewirken können,
halten die Landwirte allerdings für leere Versprechen.
## Sympathie für Souveränität
Ihr Kampf gegen unlauteren internationalen Wettbewerb stößt in der
Gesellschaft auf viel Sympathie, weil auch andere Importe aus Ländern mit
viel lockereren Umwelt- und Sozialnormen als Problem erkannt wurden.
Im Zusammenhang mit dem [4][Skandal kindlich aussehender Sexpuppen auf der
Internetplattform Shein] hatten französische Behörden erst vor kurzem
entdeckt, dass ein sehr großer Teil der (weitgehend aus Asien) importierten
Produkte [5][nicht den europäischen Normen entspricht], namentlich
Spielzeug oder elektronische Geräte.
Diese Sympathie wissen die Bauern jetzt zu nutzen. Der größte Bauernverband
FNSEA, der gegen die RN-nahen Gelbmützen in der Bewegung sichtlich an
Einfluss verloren hat, eröffnet eine neue Front. Er verlangt, dass als
Antwort auf Mercosur in Frankreich Abgaben und Normen gesenkt oder gar bis
auf Weiteres ausgesetzt werden.
9 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Rudolf Balmer
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