# taz.de -- Proteste gegen Mercosur-Abkommen: Bauern gehen in Frankreich und Irland auf die Straße
       
       > Am Freitag einigten sich die EU-Staaten auf das Freihandelsabkommen mit
       > den südamerikanischen Mercosur-Staaten. Doch der Protest dagegen geht
       > weiter.
       
 (IMG) Bild: Auch irische Bauern protestierten am Samstag mit Traktoren gegen das Mercosur-Abkommen
       
       afp | Nach der Einigung der EU auf ein [1][Handelsabkommen mit den
       südamerikanischen Mercosur-Staaten] haben am Wochenende Landwirte in
       mehreren europäischen Ländern protestiert. Im Westen Frankreichs
       blockierten in der Nacht zum Sonntag rund hundert Landwirte den Zugang zum
       Hafen von Le Havre, im irischen Athlone versammelten sich Bauern mit
       Traktoren. Europäische Landwirte fürchten wegen des Handelsabkommens
       Konkurrenz durch günstigere südamerikanische Produkte.
       
       Die 27 EU-Mitgliedstaaten hatten sich am Freitag nach mehr als 25 Jahren
       Verhandlungen auf das Freihandelsabkommen geeinigt, unter anderem
       Frankreich und Irland stimmten dagegen. Das Abkommen soll am 17. Januar in
       Paraguay unterzeichnet werden und eine der weltweit größten
       Freihandelszonen schaffen. Das EU-Parlament muss dem Handelsvertrag noch
       zustimmen.
       
       Die französischen Landwirte errichteten eine Sperre an der Zufahrtsstraße
       zum Hafen von Le Havre. „Wir haben ein kleines Basislager am Eingang des
       Hafens errichtet und wollen die Ein- und Ausfuhr so vieler Lebensmittel wie
       möglich kontrollieren“, sagte der Sprecher der Bauerngewerkschaft Jeunes
       Agriculteurs, Justin Lemaître, der Nachrichtenagentur AFP.
       
       ## Zwei Autobahnen gesperrt
       
       Am Samstag hatte die Polizei nahe Bordeaux im Südwesten Frankreichs einen
       [2][Protest von Landwirten] aufgelöst, die dort seit Tagen mit Maschinen
       und Lastwagen ein Öldepot blockiert hatten. Zwei Autobahnen im Südwesten
       des Landes bleiben am Samstag gesperrt, wie die Bauernverbände mitteilten.
       Am Freitag hatten auch in Polen und Belgien Bauern gegen Mercosur
       demonstriert.
       
       In Athlone im Zentrum von Irland fuhren am Samstag Bauern mit einem
       Trecker-Konvoi durch die Stadt. Auf Protestplakaten waren Parolen wie „Nein
       zu Mercosur“ und „Unterstützung für die irische Landwirtschaft“ zu lesen.
       
       Irische Landwirte lehnen das Abkommen mehrheitlich ab, weil sie die Einfuhr
       von preiswertem Rindfleisch aus Südamerika fürchten. „Wir haben hier
       irisches Rindfleisch hoher Qualität und gute Standards, aber in
       südamerikanischen Ländern gelten nicht dieselben Vorschriften“, sagte die
       50-jährige Landwirtin Trisha Chatterton. Der Bauernverbands-Vorsitzende
       Francie Gorman erklärte, die irischen Europaabgeordneten müssten das
       Mercosur-Abkommen ablehnen.
       
       ## Kommission hofft auf mehr Exporte
       
       Im Kern sieht das Abkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten
       Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay den Wegfall der meisten Zölle
       vor. Die Kommission verspricht sich davon eine Steigerung der EU-Exporte in
       die südamerikanischen Länder um bis zu 39 Prozent. Während die Europäer
       unter anderem Autos und chemische Produkte über den Atlantik exportieren,
       liefern die Mercosur-Länder hauptsächlich landwirtschaftliche Produkte und
       Rohstoffe nach Europa.
       
       Trotz zahlreicher Zugeständnisse durch die EU-Kommission sehen [3][viele
       Landwirte] das Abkommen nach wie vor sehr kritisch. Sie fürchten die
       Konkurrenz durch günstigere südamerikanische Produkte, die möglicherweise
       nicht den europäischen Produktionsstandards entsprechen.
       
       11 Jan 2026
       
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