# taz.de -- EU-Mercosur-Abkommen: EU-Staaten stimmen Handelsvertrag zu
> Deutschland freut sich, Frankreich ist sauer, Italien schwenkte um: Bei
> einer Sitzung der Ständigen Vertreter kam die qualifizierte Mehrheit
> zustande.
(IMG) Bild: Keine Freude über Mercosur bei den französischen Bauern, die ihre Zukunft düster erahnen
Geopolitik schlägt Landwirtschaft: Ungeachtet anhaltender Bauernproteste
haben die EU-Staaten am Freitag in Brüssel grünes Licht für das
Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen [1][Mercosur-Staaten]
gegeben. Bei einer Sitzung der Ständigen Vertreter (EU-Botschafter) kam die
nötige qualifizierte Mehrheit der 27 EU-Staaten zusammen.
Den Ausschlag gab Italien, [2][das seine Ablehnung kurz vor dem finalen
Votum aufgegeben hatte]. Deutschland hatte seit Monaten für das Abkommen
geworben und sieht sich nun auf der Gewinnerseite. [3][Der größte Verlierer
ist dagegen Frankreich, das mit Rücksicht auf seinen wichtigen Agrarsektor
und die Landwirte gegen den Deal stimmte].
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach von einem Meilenstein. „Mit dem
Abkommen stärken wir unsere Wirtschaft und die Handelsbeziehungen mit
unseren Partnern in Südamerika“, erklärte Merz am Freitag in Berlin. Die
Einigung sei „ein wichtiges Signal unserer strategischen Souveränität und
Handlungsfähigkeit“.
Die EU hatte bereits 1999 Verhandlungen mit den Mercosur-Staaten
aufgenommen. Die späte Einigung gilt auch als Antwort auf [4][US-Präsident
Donald Trump] und seine aggressive Zoll- und Handelspolitik. Durch den
Deal, der am kommenden Montag in Paraguay abgesegnet werden soll, entsteht
die größte Freihandelszone der Welt – und das im neuen Zeitalter des
Protektionismus.
## Deutsche Autos, Maschinen, Pharma
Die EU-Kommission schätzt, dass das Abkommen die jährlichen Exporte nach
Südamerika um bis zu 39 Prozent (49 Milliarden Euro) steigern kann und
damit mehr als 440.000 Arbeitsplätze in ganz Europa unterstützt. Besonders
große Chancen werden für die deutsche Autoindustrie, den Maschinenbau und
die Pharmabranche gesehen.
[5][Demgegenüber fürchten viele Landwirte, dass das Abkommen unfaire
Konkurrenz zu Dumpingpreisen ermöglicht und die hohen europäischen
Umweltstandards unterläuft]. Um diesen Bedenken entgegenzutreten, hat die
EU-Kommissionen diverse Schutzklauseln vorgesehen und bis zuletzt wichtige
Konzessionen gemacht. Dennoch gingen die Bauernproteste in Frankreich und
Deutschland weiter.
Nach den EU-Staaten muss nun auch noch das Europaparlament zustimmen.
Konservative und Sozialdemokraten haben bereits ihr Ja angekündigt. Der
US-Militärcoup in Venezuela habe gezeigt, wie dringlich ein europäisches
Abkommen mit den Mercosur-Staaten sei, sagte der Chef des
Handelsausschusses, Bernd Lange (SPD).
Demgegenüber bleiben die Grünen bei ihrer Ablehnung. Die EU-Kommission habe
den Deal „mit Ach und Krach und weiteren Zugeständnissen durchgepeitscht“,
sagte die handelspolitische Sprecherin der Grünen, Anna Cavazzini. Die
Kommission habe ein sehr schwaches Mandat, eine Mehrheit im Parlament sei
nicht sicher.
Mit einer Abstimmung wird nicht vor Februar gerechnet. Allerdings könnte
Brüssel das Mercosur-Abkommen schon vorher in Kraft setzen – durch
„vorläufige Anwendung“. So wird das Ceta-Abkommen mit Kanada bereits seit
2017 vorläufig umgesetzt. Frankreich, aber auch Belgien und andere
EU-Staaten haben es immer noch nicht ratifiziert.
9 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Eric Bonse
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