# taz.de -- Grüne und Linke zu US-Interventionen: Opposition findet nichts komplex
> Die Bundesregierung laviert zum US-Angriff auf Venezuela herum. Die
> Opposition kritisiert das, fordert Schutz für Grönland und denkt über
> Sanktionen nach.
(IMG) Bild: Will Trump an seinen Golfplätzen packen: Linken-Chef Jan van Aken
Immer und immer wieder versuchen es die versammelten Journalist*innen. Ob
[1][die Gefangennahme von Nicolas Maduro], dem ehemaligen Machthaber
Venezuelas, aus Sicht der Bundesregierung rechtens sei? Was genau an der
völkerrechtlichen Lage [2][denn so „komplex“ sei, wie Bundeskanzler Merz am
Sonntag über eine Presseerklärung mitteilen ließ]? Ob die Bundesregierung
so zurückhaltend sei, um die USA nicht zu brüskieren?
Eine gute halbe Stunde geht das so. Vorne im Saal, vor der blauen Wand der
Bundespressekonferenz, haben der stellvertretende Regierungssprecher
Sebastian Hille und die Sprecher*innen der Ministerien Platz genommen.
Es ist die erste Regierungspressekonferenz im neuen Jahr.
Hille wiederholt die immer gleichen Formulierungen: Dass Maduros Wahl
gefälscht sei, und die Bundesrepublik seine Regierung nicht anerkenne. Dass
Maduro das Land diktatorisch geführt habe, skrupellos foltern ließ und in
den Drogenhandel verstrickt sei. „Dementsprechend ist der völkerrechtliche
Sachverhalt sehr komplex“, sagt Hille ganz ähnlich wie der Kanzler.
„Auch die USA“ müssten das Völkerrecht achten, sagt er noch. In Venezuela
dürfe es keine Instabilität geben, und der Weg zu Wahlen müsse gebahnt
werden. Eine klare Verurteilung der Militärintervention kommt aber auch
Hille nicht über die Lippen.
## Grüne finden es nicht so komplex
Aus den demokratischen Oppositionsparteien kommt daran heftige Kritik.
„Völkerrechtlich ist die Lage überhaupt nicht komplex“, sagt Grünen-Chef
Felix Banaszak am Nachmittag während einer Pressekonferenz in seiner
Parteizentrale. Für die entsprechenden Behauptungen der Bundesregierung
habe er kein Verständnis, er empfinde sie im Gegenteil als „gefährlich“: An
neuen Drohungen der US-Regierung gegen Kuba, Kolumbien und Dänemark sehe
man, dass „windelweiche Reaktionen“ Donald Trump ermutigt hätten, „jetzt
noch weitere Staaten ins Visier zu nehmen“.
Mit Blick auf [3][die Ansprüche, die Trump auf das zu Dänemark gehörende
Grönland erhebt,] sagt Banaszak weiter, er erwarte vom Kanzler ein Zeichen
der Unterstützung gegenüber den Dänen. Hinter den Kulissen müsse die
Bundesregierung den USA klarmachen, dass es auf „Spielchen mit möglichen
Angriffen auf die territoriale Souveränität Dänemarks“ eine klare Antwort
geben werde: „Da muss ein Preisschild dran.“
Auf der Plattform Blueksy [4][formulierte die
Grünen-Verteidigungspolitikerin Sara Nanni schon am Sonntag,] wie so ein
Preisschild aussehen könnte. „Konsequenzen müssen angedroht werden. Alles
muss auf den Tisch. Ramstein gehört ganz oben auf den Stapel.“ Eine
Anspielung auf die amerikanische Militärpräsenz in Deutschland, die auch
den USA selbst nützt.
## Grünen-Chef kritisiert auch Linke
Parteichef Banaszak selbst will sich am Montag so genau nicht festlegen.
„Das Preisschild ist ja dann am effektivsten, wenn es hinter den Kulissen
und dann aber in großer Klarheit platziert wird“, sagt er auf Nachfrage zum
Vorschlag seiner Parteifreundin.
Nachdenklich reagiert er auf die Frage, ob die US-Stützpunkte in
Deutschland potenziell zum Sicherheitsrisiko werden könnten. Noch unter Joe
Biden als US-Präsident sei [5][die Stationierung neuer
US-Mittelstreckenraketen in Deutschland] vereinbart worden. „Diese Debatte
diente auch dem Schutz Deutschlands vor einem imperialen Russland. Aber wie
reagiert man darauf, wenn es nicht nur ein imperiales Russland, sondern
auch eine offensichtlich imperiale USA gibt?“, so Banaszak.
Kritik übt er nebenbei an der Linkspartei. Es reiche nicht aus, wie die
Linke von US-amerikanischem „Staatsterrorismus“ zu sprechen, aber nicht zu
beantworten, was „Deutschland und die Europäische Union eigentlich tun
wollen, um in einer veränderten Weltordnung zu bestehen“. Es brauche
„europäische Souveränität, europäische Resilienz, europäische Stärke“. Dazu
gehöre auch mehr Verteidigungsfähigkeit.
## Linken-Chef warnt vor Weltmacht-Fantasien
Jan van Aken, Vorsitzender der so gescholtenen Linken, fordert derweil
ebenfalls, dass sich Europa sicherheitspolitisch auf sich selbst
konzentriert. „Aber das nicht im Sinne einer vierten Weltmacht, die genauso
brutal Nachbarländer überfällt, wie das Russland und die USA tun“, betont
er am Mittag im Karl-Liebknecht-Haus. Es gehe vielmehr um Europa als
Friedensmacht „im Sinne eines Willy Brandt“. In dessen Tradition solle für
eine friedliche Weltordnung und für das Völkerrecht eingestanden werden.
Die für dieses Jahr geplante Stationierung von US-Mittelstreckenwaffen in
Deutschland bezeichnet van Aken klarer als Banaszak als „großen Fehler“.
Um Grönland sorgt sich auch der Linken-Vorsitzende. „Nach Venezuela könnte
Grönland kommen“, warnt er. Allein schon deswegen brauche es eine klare
Antwort der EU auf die US-Intervention in Venezuela. Ansonsten, so auch van
Akens Befürchtung, würde sich die US-Regierung „ermuntert fühlen, genauso
weiterzumachen“. Zudem brauche es schnell einen Plan der EU für die zu
Dänemark gehörige Nordatlantikinsel, „damit Trump sich das nicht wirklich
einfach so unter den Nagel reißt, wie er es jetzt angekündigt hat“.
## „Dann ist das gelogen“
Noch schärfer als die Grünen kritisieren die Linken, deren
Bundestagsfraktion inzwischen eine Sondersitzung des Auswärtigen
Ausschusses beantragt hat, den Kanzler. Wenn Merz behaupte, das sei alles
so „komplex“ und ließe sich nicht so schnell bewerten, „dann ist das
gelogen“, sagt van Aken. „Der Mann ist Jurist, der weiß genau, dass es
einen Völkerrechtsbruch gibt“, empört sich der Linken-Chef. Bei aller
berechtigten Kritik an der Regierung Maduro, sei völlig klar, dass niemand
ein anderes Land überfallen dürfe, um einen Präsidenten und dessen Ehefrau
zu entführen.
Die Herangehensweise, hier feige zu reagieren und sich wegzuducken, sei
„sehr gefährlich“. Deutschland solle vielmehr gemeinsam mit seinen
europäischen Partnern die Generalversammlung der Vereinten Nationen
anrufen.
Darüber hinaus spricht sich van Aken für gezielte Sanktionen aus. Zum
Beispiel habe Trump Golfplätze in Europa. „Die könnte man dichtmachen“,
schlug van Aken vor. Auch Trumps Kryptowährung ließe sich von der EU ins
Visier nehmen.
5 Jan 2026
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