# taz.de -- USA greifen nach Grönland: Trump, völlig unverfroren
       
       > Dänemark und Grönland reagieren deutlich nach erneuten Trump-Äußerungen.
       > Vor allem das Timing kurz nach Venezuela-Coup sorgt für Unruhe.
       
 (IMG) Bild: Sie wollen doch nur spielen: US-Soldaten auf ihrem Stützpunkt in Kangerlussuaq, Grönland, im Januar 2025
       
       „Ich will nicht über Grönland reden“, sagt Donald Trump auf die Frage eines
       Journalisten – und schiebt dann mit einem Grinsen nach: „Über Grönland
       reden wir in zwei Monaten.“ Im nächsten Atemzug verkürzt er den Zeitraum
       auf „in 20 Tagen“, um dann doch noch seine ewige Behauptung zu wiederholen:
       Die USA bräuchten Grönland für ihre nationale Sicherheit.
       
       Ein Video von der Szene an Bord des Regierungsflugzeugs Air Force One läuft
       in dänischen Medien seit Montagmorgen – da war die Aufregung vom Sonntag um
       das Trump-Interview der Zeitschrift The Atlantic mit den gleichen Aussagen
       noch gar nicht abgeklungen.
       
       Gerade erst hat Trump in Venezuela gezeigt, wie unverfroren er und seine
       Regierung sich zum Erreichen ihrer Ziele über nationales und
       internationales Recht hinwegsetzen. Dass der US-Präsident genau dann erneut
       über Grönland schwadroniert, lässt nun dort und in Kopenhagen die
       Alarmglocken noch schriller schrillen als bisher.
       
       „Ich muss es den USA sehr direkt sagen: Es ist absolut sinnlos davon zu
       reden, dass es für die USA notwendig sei, Grönland zu übernehmen“, sagte
       Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am Sonntagabend in einer
       offiziellen Mitteilung.
       
       ## Grönlands Premier bleibt cool
       
       Die USA hätten kein Recht, ein Land der dänischen Reichsgemeinschaft zu
       annektieren. Das zu betonen, hielt Frederiksen nun also für ebenso nötig
       wie die Tatsache, dass Dänemark Nato-Mitglied ist und die
       Sicherheitsgarantie der Allianz entsprechend gelte. Sie forderte die USA
       „nachdrücklich“ auf, die Drohungen gegen einen historisch engen Verbündeten
       einzustellen.
       
       Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen hatte sich noch betont cool
       gegeben, als kurz nach dem Venezuela-Coup ein Post bei X auftauchte: eine
       Karte Grönlands, eingefärbt mit den Farben der US-Flagge. „Bald“, hatte
       Katie Miller, Ex-Trump-Mitarbeiterin und Frau seines Sicherheitsberaters
       Stephen Miller, darunter geschrieben. „Unsere Zukunft wird nicht von einem
       Social-Media-Post entschieden“, konterte Nielsen bei Facebook. Kein Grund
       zur Panik, nur zur Kritik.
       
       Einige Stunden später, in Reaktion auf Trump, änderte sich der Ton: „Es
       reicht“, schrieb Nielsen nun. Die Rhetorik der USA sei vollständig
       inakzeptabel. „Wenn der US-Präsident davon spricht, dass ‚wir Grönland
       haben müssen‘ und uns mit Venezuela und militärischem Eingreifen in
       Verbindung bringt, ist das nicht nur falsch. Es ist respektlos“, schrieb
       Nielsen. Er forderte: „Schluss mit dem Druck, Schluss mit den Andeutungen
       und Schluss mit den Annexionsfantasien.“
       
       Dass der US-Militäreinsatz in Venezuela in diesem Zusammenhang von
       Bedeutung ist, meint auch Sicherheitsexperte Jon Rahbek-Clemmensen. Dem
       dänischen Rundfunk DR sagte er: „Die Amerikaner zeigen, dass sie
       einigermaßen weit zu gehen bereit sind und ihnen andere Länder gleichgültig
       sind.“ Den amerikanischen Kontinent sähen die USA als ihren Hinterhof, aus
       dem sich andere Länder raushalten sollten. „Das ist eine schlechte
       Nachricht für Dänemark und Grönland“, meint Rahbek-Clemmensen, der am
       Institut für Arktische Sicherheitsstudien der Dänischen
       Verteidigungsakademie forscht.
       
       ## Fake News mit Hundeschlitten
       
       Grönland und Dänemark hätten alles getan, was sie tun könnten – vor allem
       einen engen Zusammenhalt demonstriert und eine gemeinsame Front gebildet.
       Auch dass Kopenhagen seinem Versprechen nachkommt, in die Verteidigung
       Grönlands zu investieren, sei zentral. Genau darüber verbreitete Trump nun
       erneut Unwahrheiten: Die Dänen hätten nur einen weiteren Hundeschlitten
       bestellt, höhnte er in dem Air-Force-One-Video. Dabei sei die Gegend voll
       von chinesischen und russischen Schiffen.
       
       Solidaritätserklärungen in Richtung Kopenhagen und Nuuk gab es am
       Sonntagabend zunächst von den nordischen Nachbarn: Nur Dänemark und
       Grönland entschieden über Fragen, die sie betreffen, betonten Schwedens
       Ministerpräsident Ulf Kristersson und Finnlands Präsident Alexander Stubb
       fast wort- und zeitgleich bei X. Norwegens Jonas Gahr Støre beließ es bei
       der Tatsachenfeststellung: „Grönland ist Teil des Königreichs Dänemark.“
       Alle drei sicherten Dänemark ihre volle Unterstützung zu.
       
       Im Laufe des Montags weitete sich der Kreis. Und jede Äußerung wurde in
       dänischen Medien sorgsam registriert, etwa die einer Sprecherin der
       EU-Kommission: Man stelle sich voll hinter Dänemark und Grönland, sagte sie
       laut DR. Nationale Souveränität, territoriale Integrität und die
       Unverletzbarkeit der Grenzen seien universelle Prinzipien, die zu
       verteidigen man nicht aufhören werde.
       
       Es sind gerade erst zwei Wochen vergangen seit der letzten Provokation –
       als Trump einen US-Sondergesandten für Grönland aus dem Hut zauberte, den
       republikanischen Gouverneur des Bundesstaates Louisiana, Jeff Landry. Der
       sagte, es sei eine Ehre, „Grönland zu einem Teil der USA zu machen“.
       Dänemark hatte empört reagiert und angekündigt, den US-Botschafter
       einzubestellen.
       
       Und auch da schon betonten Mette Frederiksen und Jens-Frederik Nielsen in
       einem gemeinsamen Statement: „Man darf kein anderes Land annektieren. Nicht
       einmal mit dem Argument der internationalen Sicherheit.“ Das war vor
       Venezuela.
       
       5 Jan 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anne Diekhoff
       
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