# taz.de -- Trumps Angriff in Venezuela: Im Schlaf von US-Raketen getroffen
       
       > Mindestens 80 Menschen starben bei der Entführung des venezolanischen
       > Präsidenten Nicolás Maduro. Zivilisten wurden durch US-Luftschläge
       > überrascht.
       
 (IMG) Bild: Trauernde bei der Beerdigung von Rosa Gonzalez, getötet durch einen US-amerikanischen Luftangriff in La Guaira, Venezuela
       
       Bei dem nächtlichen Militärangriff auf Caracas, bei der US-Spezialkräfte am
       Samstag den venezolanischen [1][Präsidenten Nicolás Maduro] und seine Frau
       Cilia Flores [2][gefangen nahmen], ist kein US-Soldat gestorben. So
       verkündete es US-Präsident Donald Trump stolz. Doch er kostete
       Menschenleben.
       
       Die [3][New York Times berichtete] unter Berufung auf einen ranghohen
       venezolanischen Beamten von 80 Toten – zivile Opfer und Sicherheitskräfte
       zusammengezählt. Die venezolanische Regierung hat bis heute keine
       offiziellen Zahlen genannt. Kubas Regierung hatte bereits am Sonntag
       gemeldet, 32 kubanische Sicherheitskräfte seien bei dem Angriff getötet
       worden. Maduros Leibwächter und engster Sicherheitszirkel stammten aus
       Kuba. Am Montag herrschte Staatstrauer auf der Insel.
       
       Was darüber hinaus bekannt ist, ist hartnäckigen Recherchen von Medien zu
       verdanken, die gegen die venezolanische Zensur arbeiten – und sie sind
       immer noch bruchstückhaft. Das [4][Onlinemedium Efecto Cocuyo] hat die
       Namen von 18 Toten in Caracas recherchiert. Die meisten gehörten zum 6.
       Bataillon der Präsidentengarde. Es handelte sich um junge Männer unter 25
       Jahren mit verschiedenen militärischen Rängen – darunter sogar Kadetten,
       die die Militärakademie noch nicht abgeschlossen hatten.
       
       Die Ärzteorganisation Red de Médicos en Venezuela schätzte die Zahl der
       verletzten Militärs auf 90. Einige davon besuchte die kommissarische
       Präsidentin Delcy Rodríguez am Montag im Krankenhaus. Das [5][Onlinemedium
       TalCual] berichtet von einem Mantel des Schweigens: Beim Ortsbesuch habe
       das Krankenhauspersonal erklärt, es sei angewiesen worden, keine
       Informationen über Patient:innen herauszugeben, die möglicherweise
       wegen der Attacken eingeliefert worden seien.
       
       ## Raketen trafen Zivilisten
       
       Unter den Toten ist die [6][Kolumbianerin Yohana Rodríguez Sierra], was in
       dem Nachbarland für großes Medienecho sorgt. Sie und ihre Tochter schliefen
       in ihrem Haus in El Hatillo, im an die Hauptstadt Caracas grenzenden
       venezolanischen Bundesstaat Miranda, als der Beschuss sie weckte. Sie
       versuchten, zu fliehen. Im Hof wurde die Mutter von einer Rakete der
       US-Spezialkräfte getroffen. Die 45-Jährige, die von der kolumbianischen
       Karibikküste stammte, war sofort tot.
       
       Seit über zehn Jahren arbeitete sie als selbstständige Händlerin in
       Venezuela und hatte laut Medienberichten nichts mit dem chavistischen
       Regime zu tun. Ihre Tochter Ana Corina Morales (22) konnte während der
       Attacke telefonisch Verwandte in Kolumbien verständigen und berichtete
       ihnen vom Tod ihrer Mutter. Sie liegt mit einer Verletzung am Bein im
       Krankenhaus.
       
       Vermutlich galt der Angriff den Sendemasten in der Umgebung. Doch Raketen
       trafen wohl mehrere Privathäuser. „Sie wussten bereits, wo Maduro sich
       befand, daher verstehen wir nicht, warum sie Ziele angegriffen haben, die
       von Zivilisten umgeben waren, während diese schliefen, obwohl sie ihr Ziel
       bereits ausgemacht hatten“, sagte eine Cousine der Getöteten dem Sender
       Radio Nacional de Colombia.
       
       Der linke kolumbianische Präsident Gustavo Petro verurteilte die Tat und
       kritisierte dabei diejenigen seiner Landsleute, die das Bombardement
       unterstützten. Petro ist in Lateinamerika einer der schärfsten Kritiker von
       Trump und dessen Militärintervention – und erklärtes nächstes Ziel des
       US-Präsidenten.
       
       Die Raketenangriffe beschädigten auch Wohngebäude und Infrastruktur wie
       Wassertanks. Rosa Elena Gonzalez (80) wurde im Schlaf von den Raketen
       überrascht und starb im Krankenhaus an „Lungenkontusion, verursacht durch
       die Detonation“, wie laut AP-Fotojournalist Matias Delacroix auf dem
       Totenschein steht. Eine Kontusion ist eine Quetschung der Lunge nach einem
       Trauma. Sie lebte mit Neffen und anderen Angehörigen in einem Wohngebäude
       in der Stadt La Guaira, nahe Caracas.
       
       In Catia La Mar, im gleichnamigen Bundesstaat La Guaira, sind ganze
       Fassaden von mehrstöckigen Wohnhäusern verschwunden, Gitter und Bauelemente
       verdreht wie nach einem Erdbeben. Familien wurden obdachlos.
       Bewohner:innen versuchen, in den Trümmern noch Brauchbares zu finden.
       Das Viertel Romulo Gallegos liegt in der Nähe einer Marineakademie und
       wurde besonders arg verwüstet. „Wir haben nicht die Schuld daran, was in
       der Welt passiert“, sagt Motortaxi-Fahrer Jonatan Mallora [7][in einem
       Reuters-Video]. Er fordert schnelle Hilfe von der Regierung für seine
       Kinder und sich.
       
       6 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Prozess-in-New-York-nach-US-Angriff/!6143111
 (DIR) [2] /Gefangennahme-des-Praesidenten-Venezuelas/!6142587
 (DIR) [3] https://www.nytimes.com/live/2026/01/04/world/trump-us-venezuela-maduro?smid=url-share#f23300d5-82c7-5d11-882c-5b1c4d49c3ca
 (DIR) [4] https://efectococuyo.com/la-humanidad/estos-son-los-nombres-de-18-victimas-que-dejaron-los-bombardeos-en-venezuela/
 (DIR) [5] https://talcualdigital.com/heridos-bombardeo-caracas/
 (DIR) [6] https://www.elheraldo.co/bolivar/2026/01/05/ella-era-yohana-rodriguez-sierra-la-cartagenera-que-murio-en-bombardeo-de-ee-uu-en-venezuela-para-detener-a-maduro/
 (DIR) [7] https://www.instagram.com/p/DTIoCrlCAw
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Katharina Wojczenko
       
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