# taz.de -- Jahresauftakt der Linkspartei: Welt am Abgrund, aber Hoffnung für die Linke
> Trotz geopolitischer Abgründe ist die Linke optimistisch. Mit Forderungen
> wie einem „bezahlbaren Leben für alle“ will sie bei Landtagswahlen
> punkten.
(IMG) Bild: Hoffnung mit Jan und Heidi
Eigentlich wollte die Linkspartei drei Tage im brandenburgischen Bad Saarow
darüber diskutieren, welche inhaltlichen Schwerpunkte sie im Jahr 2026
setzen will. Doch die Klausur hat die Partei am Freitagmorgen frühzeitig
beendet, aufgrund des angekündigten Sturmtiefs „Elli“. Die Ergebnisse
verkündeten die Fraktionsvorsitzenden Heidi Reichinnek und Sören Pellmann
zusammen mit Parteichef Jan van Aken am Freitagmittag dann in Berlin.
Und zwar unbeeindruckt von Wind und Glätte. Das Jahr 2026 solle zum
„Hoffnungsjahr“ werden, so Reichinnek. Sie kündigte einen
„Gerechtigkeits-Gipfel“ ihrer Partei an. Zu diesem will man unter anderem
Rentner:innen, Arbeiter:innen und soziale Bewegungen einladen, und so
„Straße und Partei zusammen denken“.
Inhaltlich will die Linkspartei in diesem Jahr Verteilungsfragen in den
Mittelpunkt rücken. Dabei bezog sich Reichinnek auch auf New York als
positives Beispiel, wo der neue linke Bürgermeister Zohran Mamdani die
Wahlen mit den Themen bezahlbares Wohnen, kostenlose Kitaplätze und
Gratisnutzung der Stadtbusse gewonnen hat.
Daran will die Linke anknüpfen und „ein bezahlbares Leben für alle“
ermöglichen. Das heißt, laut Co-Fraktionschef Sören Pellmann, dass
Lebensmittelpreise sinken, Rente und Löhne „gerecht“ sind und die
Bürger:innen sich Krankenkassen- und Pflegebeiträge leisten können.
## Gute Aussichten für die Landtagswahlen
Die Linke fordert außerdem, das Neun-Euro-Ticket wieder einzuführen und
kostenloses Mittagessen in allen Schulen und Kindergärten. Auf die
Nachfrage, wie das alles bezahlt werden solle, antwortete Pellmann
lediglich, es sei „finanzierbar“.
Als selbsternannte „Partei der Mieter“ will [1][die Linke zudem
Zwangsräumungen verhindern], ein soziales Mietrecht und bezahlbare Mieten.
Die Linke rechnet sich mit diesen Themen Chancen bei den Landtagswahlen im
März in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg aus. Insbesondere bei der
Wahl in Baden-Württemberg hat die Linke zum ersten Mal eine Chance, in den
Landtag einzuziehen, in Umfragen lag sie in der zweiten Hälfte des
vergangenen Jahres konstant über fünf Prozent.
Im September stehen dann Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und in
Sachsen-Anhalt an. Dort sei das zentrale Ziel, „die Politik der AfD zu
verhindern“ und die Menschen zu erreichen, die gerade überlegten, AfD zu
wählen, so Parteichef Jan van Aken. Über mögliche Koalitionen wolle man
aber noch nicht sprechen.
Van Aken gab sich jedoch optimistisch, dass die Linke [2][mit ihrer
Spitzenkandidatin Elif Eralp] bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus in
Berlin, die ebenfalls im September stattfinden, stärkste Partei werden
könne.
Außenpolitisch ist die Stimmung bei den Linken dagegen eher von
Hoffnungslosigkeit geprägt. „Die Welt steht mehr am Abgrund als in den
letzten Jahren“, so van Aken düster. Die alte Weltordnung funktioniere
nicht mehr. Es sei klar: „Trump ist hungrig nach Öl“. Die USA seien kein
verlässlicher Partner mehr. Das müsse Merz verstehen, nur dann könne man
„den Menschen die Angst nehmen“.
In Bezug auf die Bombardierungen in Venezuela und die Entführung des
venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro [3][forderte Pellmann von der
Bundesregierung, diesen Bruch des Völkerrechts klar zu verurteilen]. Bisher
habe sie sich nur zurückhaltend geäußert. Eigentlich hatte die Linkspartei
einen Protest vor dem US-Konsulat angekündigt, diesen aber wegen Sturmtief
Elli abgesagt.
9 Jan 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Jana Laborenz
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