# taz.de -- US-Angriff auf Venezuela: Südafrika denkt über Atomwaffen nach
> Ein Diplomat in Südafrika begrüßt eine Wiederbeschaffung von Atomwaffen
> und sorgt für Empörung. Südafrikas atomare Abrüstung war einst
> vorbildlich.
(IMG) Bild: Caracas, Venezuela, 3. Januar: Straßenszene nach dem US-Militäreinsatz
In Südafrika steht zum Jahresbeginn das Außenministerium unter Beschuss.
Die an der Regierungskoalition beteiligte liberale DA (Democratic Alliance)
[1][verlangt] eine öffentliche Entschuldigung und ein dringendes
Disziplinarverfahren gegen Clayson Monyela, einer der Spitzendiplomaten des
ANC-geführten Ministeriums.
Monyela, als Head of Public Diplomacy der Sprecher sowie
Image-Verantwortlicher des Außenministeriums, hatte am Samstag auf X die
Anregung begrüßt, dass Südafrika wieder Atomwaffen bräuchte, als einzige
effektive Abschreckung gegen die USA. Man möge die atomare Widerbewaffnung
dem Präsidenten empfehlen, [2][hatte ein Kommentator als Antwort auf einen
X-Post Monyelas zum US-Angriff auf Venezuela vorgeschlagen]. „Ich kann an
Ihrem Vorschlag nichts Falsches finden“, hatte Monyela geantwortet. Die
Antwort wurde mittlerweile gelöscht.
Die explosive Atomwaffendebatte kommt nach dem US-Militärschlag gegen
Venezuela. Südafrika bezeichnet diesen als unilaterale und unprovozierte
Verletzung der UN-Charta und hat eine Dringlichkeitssitzung des
UN-Sicherheitsrats beantragt.
Das Völkerrecht hochzuhalten und zugleich einen Austritt aus dem
Atomwaffensperrvertrag erwägen – das ist eine Steilvorlage für ANC-Kritiker
in Südafrika. Ein Sprecher des Außenministeriums erklärte, Monyelas
Antwort-Tweet sei „schlecht ausgedrückt“ und Monyela sei sich der
Verpflichtung der südafrikanischen Regierung zu einer atomwaffenfreien Welt
im Einklang mit ihren vertraglichen Verpflichtungen bewusst. Zu spät:
DA-Sprecher Jan de Villiers nannte die Episode „außergewöhnlich und
zutiefst unverantwortlich“. Ein Diplomat, der für Südafrikas Image in der
Welt zuständig sei, düŕfe nicht mit solcher Rhetorik flirten.
## Geheimes Atomwaffenprogramm des Apartheidregimes
Südafrika hatte während der weißen Apartheid-Herrschaft [3][ein geheimes
Atomwaffenprogramm]. Das Land hatte 1965 einen Atomreaktor von den USA
erworben und startete dann mit Hilfe aus Pakistan sowie in Zusammenarbeit
mit Frankreich und [4][insbesondere Israel] eine eigene Urananreicherung,
die in den 1980er Jahren im Bau von sechs Atomraketen gipfelte, die der
Abschreckung dienen sollten. Nach Ende der Apartheid wurden die Atomwaffen
zerstört und im August 1994 bestätigte die Internationale
Atemenergiebehörde IAEA, Südafrika sei nun atomwaffenfrei.
Im Jahr 2021 hatte Südafrikas Außenministerium noch erklärt: „Südafrikas
Denuklearisierung ist untrennbar mit unserer Demokratisierung verbunden.“
Südafrikas freiwillige atomare Abrüstung, so die DA jetzt, sei einer der
wichtigsten Beiträge des Landes zum globalen Frieden sowie zu seiner
eigenen moralischen Autorität. Sie gebe Südafrika Glaubwürdigkeit im
Eintreten für Völkerrecht, verantwortungsvolle Diplomatie und Souveränität.
„Beamte wie Monyela können nicht eigenmächtig folgenreiche politische
Erklärungen im Namen der Regierung der Nationalen Einheit abgeben“, sagte
der DA-Sprecher. „Nukleare Proliferation zu billigen steht im direkten
Widerspruch zu Südafrikas Verpflichtungen unter dem Atomwaffensperrvertrag
und untergräbt unsere Glaubwürdigkeit.“ Man könne nicht einerseits im Namen
des Völkerrechts die USA kritisieren und zugleich Atomwaffen in Erwägung
ziehen.
5 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.da.org.za/2026/01/da-demands-disciplinary-action-and-public-apology-following-reckless-nuclear-threat-by-senior-dirco-official
(DIR) [2] https://x.com/eunicetsha41/status/2007395994804306398
(DIR) [3] https://en.wikipedia.org/wiki/South_Africa_and_weapons_of_mass_destruction
(DIR) [4] /Vorwuerfe-gegen-Israel/!5142186
## AUTOREN
(DIR) Akani Chauke
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