# taz.de -- CSU-Klausur in Kloster Seeon: Der Merz-Söder-„Komplex“
       
       > In Seeon stärkt Markus Söder dem Kanzler den Rücken. Der sei ein Trumpf
       > bei Trump und habe für die Lage in Venezuela das richtige Wort gefunden.
       
 (IMG) Bild: Markus Söder lässt sich durch nichts von seiner Teilnahme an der CSU-Klausur in Seeon aufhalten – in Krücken nach einer Hüft-OP
       
       Die Pause, die sich Markus Söder über die Feiertage gegönnt hat, war kurz.
       Und dann musste sich der CSU-Chef auch noch einer Hüftoperation
       unterziehen. Doch wenn die CSU-Landesgruppe in Kloster Seeon das politische
       Jahr einläutet, ist Söder natürlich mit dabei. An Krücken kommt er am
       Dienstagmittag aus dem Gebäude des ehemaligen Klosters, stellt sich im
       Torbogen gemeinsam mit Landesgruppenchef Alexander Hoffmann vor die
       versammelte Presse und sagt, [1][die Angelegenheit sei komplex].
       
       Dies ließe sich natürlich auf vieles beziehen, worüber die beiden nun eine
       knappe halbe Stunde lang bei minus 6 Grad sprechen. Was ist schon nicht
       komplex in der Politik? Doch Söder will in diesem Fall ganz konkret seinem
       Freund und Kanzler Friedrich Merz den Rücken stärken. Er teile dessen
       Wortwahl und könne die Hysterie darum nicht nachvollziehen.
       
       Mit [2][Hysterie meint Söder wohl die Kritik an Merz’ Unwillen], sich
       klarer zum amerikanischen Angriff auf Venezuela zu positionieren. So
       monierte etwa Irene Mihalic, die parlamentarische Geschäftsführerin der
       Bundestagsfraktion der Grünen: „Die Passivität und Sprachlosigkeit der
       Bundesregierung angesichts des völkerrechtswidrigen Angriffs der USA auf
       Venezuela istinakzeptabel.“ Schließlich bestehe die Gefahr, dass andere
       Länder das Eingreifen der USA als Rechtfertigung und Blaupause für weitere
       Regelbrüche nutzten. Selbst SPD-Chef und Vizekanzler Lars Klingbeil sagte,
       Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro habe zwar ein autoritäres Regime
       angeführt, dies dürfe aber keine Rechtfertigung dafür sein, internationales
       Recht zu missachten.
       
       Er sei kein Völkerrechtsexperte, meint nun Söder. Aber es sei doch „gut,
       dass Maduro weg ist“. Man müsse die Sache vom Ende her denken. Das
       Völkerrecht könne nicht das alleinige Kriterium zur Bewertung des Vorgehens
       von US-Präsident Donald Trump sein, argumentiert Söder und führt ein ganz
       anderes Beispiel an: „Der Schutz der Ukraine hat was mit Völkerrecht zu
       tun, aber es geht auch um die Verteidigung unserer Freiheit.“
       
       Auch Hoffmann – es ist seine erste Klausur als Landesgruppenvorsitzender –
       sieht die Sache erwartungsgemäß nicht anders als sein Chef: „Es ist
       zunächst ein Diktator weg.“ Ihn störe, dass Maduro von den Medien als
       Präsident bezeichnet werde. „Der war ein Diktator.“
       
       Und überhaupt: Europa sei weiterhin auf den Schutz der USA angewiesen, sagt
       Söder. Und da habe man mit Merz einen echten „Trumpf bei Trump“. Der
       Kanzler sei doch der einzige europäische Politiker, der in den USA ernst
       genommen werde – und die einzige Hoffnung, wenn man sich „vom Zaungast zum
       Player“ entwickeln wolle.
       
       ## „Die AfD ist nichts weniger als der Erzfeind“
       
       Das Thema Venezuela steht natürlich nicht im Zentrum der Gespräche in
       Kloster Seeon, zu denen außer Söder auch andere prominente Gäste wie
       EU-Kommissar Magnus Brunner und der CDU-Spitzenkandidat bei der
       baden-württembergischen Landtagswahl, Manuel Hagel, erwartet werden.
       
       Noch am Dienstagnachmittag kommt Josef Schuster, der Präsident des
       Zentralrats der Juden in Deutschland, zum Austausch mit der Landesgruppe
       ins Kloster. Er und Hoffmann erinnern an seinen Besuch hier vor zwei Jahren
       – kurz nach dem Hamas-Überfall vom 7. Oktober. Seither, so Schuster, sei
       die Situation der Juden in Deutschland eher noch problematischer geworden.
       
       Juden seien mit Antisemitismus von drei Seiten konfrontiert, der
       islamistischen, der linksextremistischen und der rechtsextremistischen.
       Sorge bereite ihm vor allem auch mit Blick auf die kommenden Landtagswahlen
       der Aufstieg der rechtsextremen AfD. Schuster warnt eindringlich vor einer
       Regierungsbeteiligung dieser Partei.
       
       Sollte es einmal gar zu einer Regierungsbeteiligung der AfD auf Bundesebene
       kommen, rechne er mit einer Auswanderungswelle unter der jüdischen
       Bevölkerung. Hoffmann indes sagt, er könne für die Union eine
       Zusammenarbeit mit der AfD ausschließen. „Die AfD ist nichts weniger als
       der Erzfeind.“
       
       ## „Blaumachen reduzieren“
       
       Die thematischen Schwerpunkte auf der Klausur werden allerdings andere
       sein: die Wirtschaftspolitik, Sozialreformen und das Leib- und Magenthema
       der CSU, die Migration.
       
       So will die CSU die Reform der Unternehmenssteuer vorziehen, also die
       Absenkung der Körperschaftssteuer, die nach den bisherigen Plänen der
       Bundesregierung eigentlich erst ab dem Jahr 2028 schrittweise einsetzen
       soll. Die Reform müsse rückwirkend zum 1. Januar 2026 gelten, so Söder.
       „Das wäre ein Signal für die Wirtschaft, sehr stark.“
       
       Wegen der [3][schlechten wirtschaftlichen Lage] müsse sich nun alles der
       Frage unterordnen: Was nützt der Wirtschaft? Dazu gehört nach Ansicht der
       CSU auch die Senkung der Stromsteuer und eine „Generalüberholung“ des
       Sozialstaats. Es bedürfe einer „Agenda 30 oder 3.0“. Das deutsche
       Gesundheitssystem sei beispielsweise nicht effizient. So gibt es nach
       Söders Meinung zu viele Krankenkassen. Die CSU will vor allem auch das
       „Blaumachen reduzieren“ – etwa durch die Abschaffung telefonischer
       Krankschreibungen und die Einführung von Teilkrankschreibungen. Auch bei
       der Rente müsse es einschneidende Reformen geben. Eine zweite Debatte wie
       im vergangenen Jahr könne man sich nicht mehr leisten. Die Deutschen
       müssten künftig mehr und länger arbeiten, findet Söder.
       
       6 Jan 2026
       
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