# taz.de -- EU-Reaktion auf US-Angriff in Venezuela: Sanfte Worte für Washington
> In Brüssel wird das US-Vorgehen in Venezuela als Chance für einen
> „demokratischen Übergang“ bewertet. Klare Kritik bleibt aus.
(IMG) Bild: Ursula von der Leyen auf einer Pressekonferenz in Brüssel: Die EU setzt auf Zurückhaltung
Die EU-Kommission hat die US-Militärintervention in Venezuela als Chance
für einen „demokratischen Übergang“ bezeichnet. Die Entwicklung schaffe die
Gelegenheit für einen von der venezolanischen Bevölkerung geführten
demokratischen Prozess, sagte eine Sprecherin von Kommissionspräsidentin
Ursula von der Leyen am Montag in Brüssel.
[1][Ein Wort der Kritik] kam der Sprecherin nicht über die Lippen. „Es ist
noch zu früh, um alle Auswirkungen juristisch zu prüfen und zu bewerten“,
wiegelte sie ab. Dem von den USA gestürzten venezolanischen Staatschef
Nicolás Maduro habe die Legitimität gefehlt. Maduros Absetzung biete nun
die Chance auf einen Neubeginn.
Bemerkenswert ist, dass die EU-Kommission weder von einer
Militärintervention noch von einem Verstoß gegen das Völkerrecht spricht.
Die Brüsseler Behörde wagt es nicht einmal, in ihren Stellungnahmen die USA
oder US-Präsident Donald Trump zu erwähnen. Dasselbe gilt für die meisten
EU-Staaten – auch sie haben sehr viel Kreide gefressen.
In einer am Sonntagabend veröffentlichten gemeinsamen Erklärung, die auch
von Deutschland getragen wird, fordern 26 EU-Länder (nur Ungarn fehlt)
„Ruhe und Zurückhaltung von allen Akteuren“, um eine „friedliche Lösung der
Krise“ zu ermöglichen. Den wichtigsten Akteur, US-Präsident Trump, erwähnen
sie mit keinem Wort.
## Keine Rede von Sanktionen
Diese Zurückhaltung steht in krassem Gegensatz zu der sonst in Brüssel
üblichen direkten Sprache. So ist mit Blick auf die Ukraine und Russland
stets von einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg die Rede. Als Russland
seine Invasion vor vier Jahren begann, erließ die EU sofort Sanktionen und
setzte Krisensitzungen an.
Für die USA – und für Israel – gelten offenbar andere Maßstäbe. Zwar haben
die EU-Staaten in ihrer gemeinsamen Erklärung betont, daß das Völkerrecht
und die UN-Charta „unter allen Umständen“ eingehalten werden müssten. Doch
die völkerrechtswidrigen Umstände, unter denen die USA in Venezuela
interveniert haben, werden nicht erwähnt.
Von Sanktionen ist auch keine Rede. Zwar heißt es in der Erklärung, daß die
Mitglieder des UN-Sicherheitsrats – darunter die USA – „eine besondere
Verantwortung“ hätten. Die EU-Staaten gehen jedoch mit keinem Wort darauf
ein, was passiert, wenn Trump diese Verantwortung mißachtet. Im Falle von
Venezuela heißt dies offenbar: nichts.
Auch auf Trumps neue Drohungen gegenüber Grönland reagiert Europa
zurückhaltend. „Wir werden uns in rund zwei Monaten um Grönland kümmern“,
sagte Trump an Bord der Air Force One und verwies auf Gründe der nationalen
Sicherheit. Auf Nachfrage erklärte die EU-Kommission, Grönland sei Teil
Dänemarks und unterliege den Grundsätzen von Souveränität und territorialer
Integrität.
Frankreich, Schweden, Norwegen und Finnland stellten sich demonstrativ
hinter Dänemark und Grönland. Doch was die EU unternehmen würde, wenn Trump
Ernst macht, ist völlig offen. Die windelweichen Erklärungen aus Brüssel
zum Präzedenzfall in Venezuela lassen nichts Gutes ahnen.
5 Jan 2026
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(DIR) Eric Bonse
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