# taz.de -- CSU-Klausurtagung in Kloster Seeon: Flüchtlinge aus dem Land, Kinder vor Gericht
> Die CSU-Landesgruppe hat 2026 viel vor. So sollen Syrer das Land
> verlassen, die Atomkraft ein Revival erleben und Kinder vor Gericht
> gestellt werden.
(IMG) Bild: Dobrindt und Söder in Seeon 2025: Auch dieses Jahr wird sich die CSU wieder in Seeon zum unchristlichen Gedankenaustausch treffen
Epiphanie heißt das Fest, die Erscheinung des Herrn. Die
CSU-Bundestagsabgeordneten werden es auch dieses Jahr wieder bei ihrer
Klausurtagung begehen, die an ebendiesem Tag in Kloster Seeon beginnt.
Gemeint ist dabei nicht Markus Söder, der ebenfalls erscheinen wird,
sondern Jesus Christus. Im Volksmund heißt der Tag, der in Bayern ein
Feiertag ist, oft Heilige Drei Könige.
Während die meisten Bayern den freien Tag genießen, arbeiten die
CSU-Abgeordneten in Kloster Seeon. Sie verabschieden Positionspapiere und
legen fest, was sich ihrer Ansicht nach in Deutschland ändern muss. Zudem
empfangen die 33 Parlamentarier und 11 Parlamentarierinnen zahlreiche
Gäste. Neben Parteichef Söder kommen unter anderem Autolobbyistin Hildegard
Müller, Litauens Präsident Gitanas Nausėda, die [1][Sprinterin und
Bobfahrerin Alexandra Burghardt] und [2][Bundeskanzler Friedrich Merz] in
das auf einer Halbinsel eines kleinen Nachbarsees des Chiemsees gelegene
Kloster.
Erstmals tritt Alexander Hoffmann als Gastgeber auf. Er hat den frühreren
Landesgruppenchef Alexander Dobrindt abgelöst, [3][der inzwischen
Innenminister ist]. Einige Themen der dreitägigen Tagung sind bereits
bekannt.
So wollen die Christsozialen [4][ihren harten Kurs in der Migrationspolitik
fortsetzen]. Im Fokus stehen Flüchtlinge aus Syrien und der Ukraine. Laut
Berichten des Münchner Merkurs und der Deutschen Presse-Agentur fordert die
Landesgruppe, die meisten syrischen Flüchtlinge in ihre Heimat
zurückzuschicken. Nach dem Ende des Bürgerkriegs sei der Schutzgrund
entfallen. „Für diejenigen, die nicht freiwillig ausreisen, müssen
Rückführungen schnellstmöglich eingeleitet werden.“
## CSU will Freizügigkeit in der EU einschränken
Mit einer „Abschiebeoffensive“ plant die CSU, Massenabschiebungen zu
organisieren. Auch nach Afghanistan sollen wieder Menschen im großen Stil
abgeschoben werden. Dafür fordert die Partei bundesweite Ausreisezentren
und ein Abschiebeterminal am Flughafen München.
Auch Ukrainer sollen das Land möglichst verlassen. Hier bleibt das Papier
allerdings unkonkret. Die gewählte Argumentation ist in diesem Fall
jedenfalls eine andere. Statt des Wegfalls des Schutzgrunds wird hier
angeführt, dass insbesondere wehrfähige ukrainische Männer in die Heimat
zurückkehren sollten, um ihr Land zu verteidigen.
Des Weiteren soll künftig automatisch abgeschoben werden, wer etwa zur
Abschaffung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung aufruft oder eine
antisemitische Straftat begangen hat. Doppelstaatler sollen in solchen
Fällen ihre deutsche Staatsbürgerschaft verlieren. Auch die Freizügigkeit
innerhalb der EU will die Partei einschränken, um Sozialmissbrauch zu
verhindern. „Arbeitsmigration nach Deutschland darf keine Armutsmigration
sein“, argumentiert Hoffmann im Münchner Merkur.
## Zwölfjährige aburteilen
In puncto Kinderkriminalität will die CSU ebenfalls harte Kante zeigen.
Kinder unter 14 Jahren sind bislang strafunmündig. Das will die
Landesgruppe ändern. Sie schlägt ein „Verantwortungsverfahren“ vor, in dem
Jugendgerichte Erziehungsmaßnahmen anordnen können. Zwölfjährige sollen
künftig nach dem Jugendstrafrecht verurteilt werden.
Die Abgeordneten begründen dies mit dem Anstieg der Gewaltkriminalität bei
Kindern. Zudem würden diese oft als Drogendealer eingesetzt. Das Thema
steht bereits im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bundesregierung, die
darin eine Studie zu Kinder- und Jugendgewalt angekündigt hat.
Im Kampf gegen Extremismus fordert die CSU strengere Regeln für staatliche
Fördermittel. Projekte, die Gelder aus dem Programm „Demokratie leben“
erhalten wollen, sollen sich klar zum Grundgesetz bekennen. „Man kann nicht
gleichzeitig auf der Liste des Verfassungsschutzes und auf der Payroll
desSteuerzahlers stehen.“
## CSU will „sichere“ AKWs
Ein anderer großer Tagesordnungspunkt wird die Atomkraft sein. Drei Jahre
nach der Abschaltung der letzten deutschen Kernkraftwerke fordert die
CSU-Landesgruppe ein Comeback. Eine Haltung, die auch Parteichef Söder seit
Längerem lautstark vertritt.
In einem entsprechenden Positionspapier werden der Bau von Mini-Kraftwerken
und der Aufbau einer Kreislaufwirtschaft gefordert. Die deutsche
Atomforschung müsse wieder Vorreiter werden. Man wolle aber nicht nur zur
Atomkraft der siebziger Jahre zurückkehren, so Hoffmann. Die neue
Generation von Atomkraftwerken werde sicher und „möglichst ohne radioaktive
Abfälle“ arbeiten, glaubt er.
„Wir setzen auf Forschung zu Kernenergie der vierten und fünften Generation
und auf den Bau von kleineren Atomreaktoren (Small Modular Reactors)“,
heißt es in dem Papier, das die kleinen Reaktoren als kostengünstig
bezeichnet. Sie könnten die Energiepreise senken, da sie Strom im Inland
produzieren und Importe und Subventionen überflüssig machen.
Bei dem Thema zeichnet sich jedoch bereits Streit mit dem Koalitionspartner
in Berlin ab. Die SPD hält wenig von den Atom-Träumereien. „Atomenergie ist
die teuerste Form der Energiegewinnung und wird dies angesichts der bereits
heute unschlagbar günstigen erneuerbaren Energien auch bleiben“, entgegnete
etwa SPD-Energiepolitikerin Nina Scheer. Pläne für einen Wiedereinstieg
bezeichnete sie als Realitätsverleugnung und vermutete in Wirklichkeit
„militärische Absichten“ dahinter.
2 Jan 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Dominik Baur
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