# taz.de -- Neuer CSU-Landesgruppenchef: Neuer Chef, bewährte Linie
       
       > Alexander Hoffmann führt erstmals als neuer Landesgruppenchef durch die
       > Winterklausur in Seeon – innen gilt er als Stabilitätsfaktor der
       > Koalition.
       
 (IMG) Bild: Alexander Hoffmann, Vorsitzender der CSU-Landesgruppe in der Unionsfraktion, am 22.12.2025
       
       Am zweiten Tag ihrer Winterklausur meint es der Himmel nicht ganz so gut
       mit der CSU, statt weiß-blau steht er anfangs grau über Kloster Seeon in
       Oberbayern. Sonst aber kann sich Alexander Hoffmann, der Chef der
       Landesgruppe der CSU im Bundestag, über den bisherigen Verlauf nicht
       beklagen.
       
       „Du hast die Erwartungen mehr als erfüllt“, attestiert ihm CSU-Chef
       [1][Markus Söder] zum Auftakt vollmundig – und nicht nur das: Der
       bayerische Ministerpräsident verzichtet auch auf jene Frotzeleien, die
       Hoffmanns Vorgänger Alexander Dobrindt hier stets über sich ergehen lassen
       musste. Das aber hat wohl viel mit Söders Versuch zu tun, sich als seriöser
       Staatsmann neu zu inszenieren.
       
       Der 50-jährige Hoffmann ist seit vergangenem Mai Landesgruppenchef, die 44
       CSU-Abgeordneten wählten ihn einstimmig. Damit ist der Jurist mit der
       Glatze und dem fein ausrasierten Kinnbart erster Stellvertreter von
       Fraktionschef Jens Spahn (CDU) und einer der wichtigsten Männer der CSU.
       Neben Söder und Innenminister Dobrindt ist er für die CSU im
       Koalitionsausschuss dabei.
       
       Es ist Hoffmanns erste Winterklausur als Landesgruppenchef, mit der sich
       die CSU zu Jahresbeginn regelmäßig in Szene setzt und Schlagzeilen
       produziert. Das hat auch in diesem Jahr prächtig geklappt. Häppchenweise
       wurden schon vor Beginn Forderungen durchgestochen, die in Seeon
       beschlossen werden sollen, vom Wiedereinstieg in die Atomkraft bis zur
       Abschiebeoffensive nach Syrien und Afghanistan. Umsetzungschancen? Völlig
       egal. Seeon sei eben „CSU pur“, so nennt das Hoffmann.
       
       ## Vertragstreue und Verlässlichkeit
       
       In der Koalition dagegen hat Hoffmann sich den Ruf erarbeitet, eher ein
       Stabilitätsfaktor zu sein. Bei den Weißwurstfrühstücken, zu denen er in den
       Bundestagssitzungswochen die Presse einlädt, äußert er auffällig häufig
       Verständnis für die Sozialdemokraten und betont die Bedeutung von
       Vertragstreue und Verlässlichkeit. Vor der gescheiterten Wahl von Frauke
       Brosius-Gersdorf zur Verfassungsrichterin warb Hoffmann noch für die
       Juristin, als unter den CDU-Abgeordneten der Widerstand bereits groß war.
       Beim Streit um das Rentenpaket gab es aus der CDU Gegenstimmen, aus der CSU
       nicht.
       
       Inwieweit dies auf Hoffmanns Konto geht oder doch Dobrindt zu verdanken
       ist, der auch in der Fraktion weiter mitmischt, ist schwer zu sagen. Für
       Hoffmann aber dürfte eine erfolgreiche [2][Winterklausur] ein Schritt sein,
       aus Dobrindts Schatten herauszutreten. Ende August stellte er sich mit
       Spahn und SPD-Fraktionschef Matthias Miersch auf die alte Mainbrücke in
       Würzburg und strapazierte die Metapher des Brückenbaus. Aber das Treffen
       der Fraktionsspitzen von Union und SPD sorgte für eine Wiederannäherung der
       Partner nach dem Koalitionsstreit im Sommer.
       
       Hoffmann trat erst mit 31 Jahren in die CSU ein. Mit Söder aber telefoniert
       er inzwischen angeblich fast täglich; seit 2013 sitzt der Innenpolitiker im
       Bundestag. Verheiratet ist er in zweiter Ehe mit einer Muslima mit
       türkischer Familiengeschichte, gemeinsam feiert man Weihnachten und das
       Zuckerfest. Fest steht Hoffmann, wie die CSU überhaupt, an der Seite
       Israels, die vorübergehenden Einschränkungen der Waffenlieferungen lehnte
       er ab. Bei der AfD ist er glasklar: Diese sei der „Erzfeind“, sagt er und
       legt damit rhetorisch noch ein Schüppchen drauf. „Erzfeinde muss ⁠man
       bekämpfen, weil sie einen zerstören wollen.“
       
       7 Jan 2026
       
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