# taz.de -- Weitere Abschiebungen per Linienflug: Flüge nach Afghanistan
> Trotz Taliban-Herrschaft schiebt die Bundesregierung weiter nach
> Afghanistan ab. Zwei Straftäter wurden an die De-facto-Machthaber
> übergeben.
(IMG) Bild: Rückführung trotz Taliban: Die Bundesregierung führt Mechanismus der Einzelabschiebung fort
dpa | Zu Beginn des neuen Jahres hat die [1][Bundesregierung ihre
Abschiebungen von Deutschland nach Afghanistan,] das von den islamistischen
Taliban kontrolliert wird, fortgesetzt. Bei den beiden Afghanen handelte es
sich nach Angaben des Bundesinnenministeriums um Straftäter.
Eine Sprecherin bestätigte in Berlin einen Bericht der „Bild“ über die
Rückführung eines in Bayern wegen schwerer Körperverletzung und
Drogendelikten mehrfach verurteilten Mannes. „Bundespolizisten übergaben
den Mann und konsularische Papiere auf dem Flughafen an
Taliban-Offizielle“, hatte das Blatt berichtet. Angewendet worden sei ein
neu etablierter Mechanismus der Einzelabschiebung. Wie die Sprecherin
weiter mitteilte, wurde am Freitag zudem ein weiterer afghanischer
Straftäter per Linienflug nach Afghanistan gebracht.
## Dritte Abschiebung nach neuem Mechanismus
„Dies war bereits der dritte Straftäter, der innerhalb kürzester Zeit mit
dem neu etablierten Mechanismus abgeschoben werden konnte“, so die
Sprecherin. „Im Jahr 2025 wurden 83 Straftäter nach Afghanistan
zurückgeführt.“
[2][Kurz vor Weihnachten war bereits ein mehrfach verurteilter Straftäter
aus Bayern nach Afghanistan abgeschoben worden.] Bayerns Innenminister
Joachim Herrmann (CSU) hatte damals gesagt: „Wir machen mit den
regelmäßigen Abschiebungen nach Afghanistan ernst.“
## Verständigung mit Taliban
Die frühere Bundesregierung von SPD, FDP und Grünen hatte solche
Abschiebungen wegen der [3][Machtübernahme der Taliban] zunächst
ausgesetzt. Erst unter Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) wurden
direkte Abschiebungen in das Land wieder aufgenommen. Das
Bundesinnenministerium hatte sich darüber laut einem Sprecher mit
„Vertretern der afghanischen De-facto-Regierung“ verständigt.
Dobrindt hatte dem „Focus“ gesagt: [4][„Abschiebungen nach Afghanistan
sollen regelmäßig und regulär umgesetzt werden.“] Die Gesellschaft habe ein
Interesse daran, dass Straftäter das Land verlassen müssten.
Insgesamt hatten die Behörden die Zahl der Abschiebungen laut
Innenministerium im vergangenen Jahr deutlich gesteigert. Bis
einschließlich November wurden demnach 21.311 Personen zurückgeführt. „Wir
gehen für das Jahr 2025 von einer Steigerung von Abschiebungen gegenüber
dem Vorjahr von 20 Prozent aus“, sagte die Sprecherin.
Am Vortag hatte die CSU-Landesgruppe mit einem Positionspapier insbesondere
zu Syrerinnen und Syrern für Aufsehen gesorgt. Das Papier war vor der
traditionellen CSU-Winterklausur bekanntgeworden. Demnach gehen den
CSU-Abgeordneten die Verschärfungen in der Migrationspolitik durch die
schwarz-rote Bundesregierung noch nicht weit genug. Sie fordern unter
anderem eine Abschiebeoffensive, nicht nur nach Afghanistan, sondern auch
nach Syrien.
Vor Weihnachten hatte es die erste Abschiebung nach Syrien seit Beginn des
syrischen Bürgerkriegs gegeben. Im Flugzeug nach Damaskus saß ein
verurteilter Straftäter. Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD
angekündigt: „Nach Afghanistan und Syrien werden wir abschieben – beginnend
mit Straftätern und Gefährdern.“
3 Jan 2026
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