# taz.de -- Iranische Diaspora: Sie lernen es einfach nicht!
       
       > Während Protestierende in Iran Zusammenhalt fordern, ist die Diaspora
       > heillos zerstritten. Dabei führt die Spaltung dazu, dass Aufstände
       > scheitern.
       
 (IMG) Bild: Verschiedene Lager und Demonstrationen: Hier eine Kundgebung vom Samstag in Berlin, mit Anhänger:innen Reza Pahlavis
       
       Wir stehen zusammen. Dieses Graffiti zeigte sich am vergangenen Donnerstag
       in Maschhad, einer Stadt im Nordosten Irans. Am Montag danach ging [1][das
       Video einer Iranerin viral], die gerade aus Iran nach Istanbul
       zurückgekehrt war. Unter Tränen beschreibt sie, was sie am meisten bewegt
       habe: „Die Menschen stehen zusammen. Sie sagen, sie kämpfen zusammen.“
       
       Zusammenhalt. Einig gegen das Regime. Darum geht es seit über zwei Wochen
       für die Protestierenden in Iran.
       
       Und die [2][iranische Diaspora]? Ist heillos zerstritten. [3][Verschiedene
       Demonstrationen,] verschiedene Lager. Wenn sie dabei alle „Nieder mit der
       islamischen Republik!“ rufen würden, wäre das ja in Ordnung. Aber bei
       diesem Slogan bleibt es nicht. Schon werden auf Social Media, werden bei
       den Demonstrationen die anderen angegriffen. Der eine soll eine linke Ratte
       sein, die andere eine faschistische Monarchin.
       
       Das sind nicht nur persönliche Beleidigungen, es sind ideologische
       Kampflinien, entlang derer ein anderer tiefliegender, ein verheerender
       Konflikt ausgetragen wird. Es ist geradezu so, als würden die Streitenden
       [4][den Kampf gegen die Mullahs in Iran] nun zum Anlass nehmen, endlich
       auch diesen auszutragen. Wohlgemerkt vom Sofa aus, während in Iran die
       Menschen trotz Internetsperre, trotz der Scharfschützen, die das Regime auf
       sie angelegt hat, auf die Straße gehen. Bereit, alles zu riskieren.
       
       ## Gemeinsam gegen das Regime
       
       [5][Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2024, die die Organisation Gamaan
       durchgeführt hat,] wünschen sich 90 Prozent der Iraner:innen in Iran
       eine Demokratie. Aber jetzt, im Januar 2026 wollen sie vor allem, dass
       dieses Regime stürzt. Auch in Iran gibt es die verschiedenen Strömungen.
       Aber offensichtlich gehen die Menschen dort gemeinsam gegen dieses Regime
       auf die Straße.
       
       Sie haben verschiedene politische Vorstellungen und Einstellungen.
       Menschen, die sich keine Monarchie wünschen, sind [6][Reza Pahlavis Aufruf]
       zu protestieren gefolgt – genauso wie jene, die schon immer für eine
       Rückkehr der Monarchie waren.
       
       Natürlich habe auch ich persönliche Vorstellungen und politische
       Einstellungen. Ich wünsche mir eine demokratische Zukunft für Iran. Aber
       als [7][Mitglied einer verfolgten Minderheit], die sowohl unter Schah
       Mohammad Reza Pahlavi entrechtet war, als auch in der islamischen Republik
       [8][laut unterschiedlicher Menschenrechtsorganisationen] zu den am
       schwersten verfolgten Minderheiten zählt, habe ich nicht den Luxus, mich
       jetzt in ideologische Kabbeleien zu begeben.
       
       ## Der gemeinsame Feind
       
       Und deshalb frage ich euch aus der iranischen Diaspora ganz direkt: Könnt
       ihr es mit eurem Gewissen ausmachen, eure eigenen politischen Interessen
       und persönlichen Kränkungen auf dem Rücken solcher Menschen auszutragen wie
       dem von [9][Bahá’i Mahvash Sabet], die bereits fast zwanzig Jahre im
       Gefängnis sitzt? Die dort bleiben wird, solange es dieses Regime gibt? Auf
       dem Rücken der vermutlich Tausenden Toten unter den Protestierenden? Auf
       dem der Frauen[10][, denen 2022 ein Auge ausgeschossen wurde]? Auf dem von
       [11][Erfan Soltani], der protestierte, zum Tode verurteilt wurde und am
       Mittwoch hingerichtet werden soll?
       
       Haben sie es nicht verdient, endlich in Freiheit zu leben? Die Spaltung hat
       immer wieder dazu geführt, dass politische Aufstände gescheitert sind.
       Mangels echter Alternative zu diesem Regime.
       
       Der iranischen Diaspora muss klar sein: Jetzt dürfen nicht die Konflikte in
       den eigenen Reihen ausgetragen werden. Es muss zuerst der gemeinsame Feind
       verschwinden. Dieses Regime zu Fall zu bringen, wird ein enormer Kraftakt
       sein. Das darf niemand unterschätzen.
       
       Und ebenso darf niemand verniedlichen, wenn die Iraner:innen selbst
       dafür werben, zu diesem Zeitpunkt einig zu sein. Ist es nicht gerade zu
       überheblich, dem aus dem Ausland heraus einen Zusatz zu geben oder eine
       andere Bedeutung? Einig zu sein, ist kein Wunschdenken. Es ist die einzige
       Strategie, die erfolgversprechend ist: zusammenzuhalten.
       
       13 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.instagram.com/reel/DTaSiIYjHzA/
 (DIR) [2] https://www.dw.com/de/bev%C3%B6lkerung-im-iran-die-kluft-zur-diaspora-vertieft-sich/a-73025199
 (DIR) [3] /Solidarisch-mit-den-Protesten-im-Iran/!6144610
 (DIR) [4] /Proteste-im-Iran/!6144636
 (DIR) [5] https://gamaan.org/wp-content/uploads/2025/08/Iranians-Political-Preferences-in-2024-GAMAAN-Report-English.pdf
 (DIR) [6] /Sohn-des-letzten-Schahs/!6092968
 (DIR) [7] /Die-falsche-Religion/!431506/
 (DIR) [8] https://www.hrw.org/de/news/2024/04/01/iran-verfolgung-der-bahai
 (DIR) [9] https://www.igfm.de/mahvash-sabet/
 (DIR) [10] https://www.zeit.de/kultur/2023-03/iran-protestbewegung-frauen-polizeigewalt-augenverletzungen
 (DIR) [11] https://iranhr.net/en/articles/8527/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Shila Behjat
       
       ## TAGS
       
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