# taz.de -- Stellenabbau und neue Abteilungen: Wadephul baut das Außenministerium um
       
       > Anpassung an die neue Lage: Im Auswärtigen Amt sollen Sicherheits- und
       > Wirtschaftspolitik künftig Vorrang haben. Außerdem muss gespart werden.
       
 (IMG) Bild: Johann Wadephul (CDU), Außenminister, während der Generaldebatte im Bundestag zum Haushalt, Berlin, am 26.11.2025
       
       So einfach wollen die Grünen Außenminister Johann Wadephul nicht
       davonkommen lassen. Der CDU-Politiker hat im Bundestag gerade zum Haushalt
       des Auswärtigen Amtes gesprochen und die geringeren Mittel, die für
       humanitäre Hilfe zur Verfügung stehen, einen „beklagenswerten Zustand“
       genannt. „Ein Bundeshaushalt, der 180 Milliarden neue Schulden macht, muss
       auch berücksichtigen, dass im humanitären Bereich größte Aufgaben für uns
       warten“, sagte Wadephul.
       
       Im Vergleich zu 2024 wurden die Gelder für die humanitäre Hilfe um mehr als
       die Hälfte auf 1,05 Milliarden Euro gekürzt. Wenn die humanitäre Hilfe ihm
       so am Herzen liege, will Deborah Düring, die außenpolitische Sprecherin der
       Grünen, jetzt wissen, warum werde diese in seinem Ministerium künftig
       „nicht mehr gebündelt, sondern zerschlagen“?
       
       Wadephul hatte in seiner Rede eine Umstrukturierung des Auswärtigen Amtes
       angekündigt, die bereits seit Dienstag in der Fachöffentlichkeit für
       Aufregung sorgt. Da hatte sich zunächst [1][der Minister mit einer
       Videobotschaft], dann hatten sich die Staatssekretäre [2][Géza Andreas von
       Geyr und Bernhard Kotsch] schriftlich mit näheren Details an die
       Beschäftigten gewandt. Das Schreiben, das auch der taz vorliegt, fand
       schnell den Weg in die Öffentlichkeit.
       
       Demnach soll künftig die Sicherheits- und Wirtschaftspolitik im Auswärtigen
       Amt Vorrang haben. Es soll eine eigene Abteilung für Sicherheitspolitik und
       eine für EU-Politik und Geoökonomie geben. Die Abteilung für
       Stabilisierung, aus der bislang das Geld für die humanitäre Hilfe verteilt
       wird, soll aufgelöst werden. Diese Mittel –und auch die für Stabilisierung
       und Krisenprävention – sollen künftig von den sogenannten Länderreferaten
       vergeben werden. Davon soll es vier geben: Europa, Amerika, Asien und
       Pazifik sowie Naher/Mittlerer Osten und Afrika. Sie sollen insgesamt mehr
       Verantwortung bekommen, um die bilaterale Diplomatie zu stärken.
       
       ## Schlagkraft
       
       Oberste Leitlinie bei der Umstrukturierung sei es, „unsere Wirksamkeit in
       den Bereichen der Sicherheitspolitik, der Internationalen Ordnung und der
       Wirtschaftsförderung und -sicherheit zu erhöhen“, heißt es in dem Schreiben
       der beiden Staatssekretäre. Die Schlagkraft des Amtes solle erhöht und die
       Außenpolitik stringenter werden. Und „noch stärker interessensgeleitet“.
       
       Außerdem müssen, so hat es die Bundesregierung vorgegeben, 8 Prozent der
       Stellen eingespart werden. Wadephul will dies vor allem in der Zentrale
       umsetzen. Das sei „schmerzlich, aber notwendig“, sagte er im Bundestag. Das
       Auswärtige Amt hat knapp 3.100 Mitarbeiter in der Zentrale sowie gut 3.200
       in den rund 230 deutschen Auslandsvertretungen. Hinzu kommen fast 5.600
       lokal Beschäftigte. Von rund 570 Stellen, die bis zum Ende der
       Legislaturperiode im Jahr 2029 vor allem in der Zentrale in Berlin
       gestrichen werden sollen, ist die Rede.
       
       Hilfsorganisationen schauen kritisch auf die geplante Umstrukturierung.
       „Über Jahre hat diese Struktur verlässliche, schnelle und
       prinzipienorientierte humanitäre Hilfe ermöglicht. Dass sie nun zerschlagen
       werden soll, birgt das Risiko von Kompetenzverlust und Verzögerungen – in
       einer Zeit, in der Menschen in Krisen genau das nicht verkraften können“,
       sagt etwa Thorsten Klose-Zuber, der Generalsekretär der [3][Organisation
       Help]. Nach den massiven Kürzungen sende dies ein weiteres fatales Signal
       aus: „Humanitäre Hilfe könnte stärker an strategischen Interessen
       ausgerichtet werden.“
       
       Wadephul kündigte unterdessen im Bundestag an, bei der humanitären Hilfe
       über den Haushaltstitel hinausgehen zu wollen. Das sei in „entsprechenden
       dringenden Fällen“ möglich, antwortete er auf die Frage der
       Grünen-Abgeordneten Düring.
       
       26 Nov 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/johann-wadephul-der-aussenminister-baut-das-auswaertige-amt-grundlegend-um-a-7653bb89-2d1e-4778-9cb5-2b823893ec71
 (DIR) [2] https://www.auswaertiges-amt.de/de/aamt/leitung
 (DIR) [3] https://www.help-ev.de/?donation_custom_field_2115=22goad0101&gad_source=1&gad_campaignid=1526203896&gbraid=0AAAAAD9qzvyt24y0DFDA5rpMPnqiD2_Cp&gclid=CjwKCAiA55rJBhByEiwAFkY1QNrlqTCxIrH2ZqEIR7OT9_7NlF1wBAlMxG5Px31dID50dVhP_8FlBhoC_vIQAvD_BwE
       
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