# taz.de -- Schmähgedicht im Außenministerium: Die niedrige Kunst des Nachtretens oder: „internAA“
       
       > Ein feiner Umgangston herrscht im Bundesaußenministerium gerade nicht.
       > Für den Chefdiplomaten dürfte das Schmähgedicht ernüchternd gewesen sein.
       
 (IMG) Bild: Außenminister Johann Wadephul von der CDU
       
       Kaum waren 60 Jahre seit der Niederwerfung Nazideutschlands vergangen, da
       begann im Auswärtigen Amt bereits die Aufarbeitung des eigenen Beitrags zu
       Holocaust und Vernichtungskrieg. 2005 wurde eine „Unabhängige
       Historikerkommission“ eingesetzt. Dem dann schon fünf Jahre später
       vorgelegten [1][Bericht bescheinigte] die Fachkritik den Nachweis einer
       „hohen personellen Kontinuität zum Dritten Reich“ im Amt.
       
       Vielleicht war es dieses Tempo und die Verpflichtung zur Aufarbeitung der
       eigenen schmutzigen Geschichte, die den derzeitigen Außenminister Johann
       Wadephul anlässlich der Amtsübernahme im Mai vorigen Jahres [2][sagen
       ließen]: „Ich weiß, was mich hier erwartet. Ein absolut exzellentes, hoch
       motiviertes und unbedingt loyales Personal.“
       
       Nun – da lag Joe Wadephul nicht ganz richtig. Denn ein Mitarbeiter seiner
       Behörde hat bereits im April 2025 Verse verfasst und zu Jahresbeginn in der
       Mitarbeiterzeitung des AA untergebracht (ob dieses etwas unappetitlich
       internAA betitelte Organ die von Wadephul ebenfalls angekündigte
       „grundnüchterne Prioritätensetzung“ wohl überleben wird?), denen man hoch
       motiviertes (im Sinne von tief verwurzeltes) Nachtreten bescheinigen kann:
       unbedingt unloyal gegenüber Wadephuls Vorgängerin Annalena Baerbock und
       formal absolut unexzellent. Aber, immerhin – die Aufarbeitung der Ära
       Baerbock gelang im AA deutlich schneller als die der Nazizeit: von wegen
       „Prioritätensetzung“!
       
       Nun wird man, da im „Ken & Barbie“ betitelten Werk eines inzwischen als
       Vizekonsul in Rumänien identifizierten Mitarbeiters mit dem Pseudonym
       SIGGIG, auch Robert Habeck besungen wird („Heizung aus / Pullover an,
       selbst gestrickt, / von Mann zu Mann“), fragen müssen: Hat Habeck nicht
       auch schon mal nachgetreten? Damit etwa: [3][„Dieses fetischhafte
       Wurstgefresse von Markus Söder ist ja keine Politik.“] Oder, in der Diktion
       von SIGGIG: „Wurst hinein / kommt nichts bei raus / politisch, Markus, /
       Ist dein Ofen aus“ – das war jetzt auch nicht nett! Und Söder ist noch in
       der Politik, Habeck nicht.
       
       Schwierig, alles – aber auch banal. Die Historikerkommission hingegen hat
       damals Außenminister Joschka Fischer initiiert. Dem wurde auch noch mit Ei
       und Farbbeutel nachgetreten beziehungsweise -geworfen – von Mann zu Mann
       eben.
       
       16 Jan 2026
       
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