# taz.de -- Erhöhung des Verteidigungsetats: Kurzschlüssiger Aufrüstungskurs
> Die europäischen Demokratien werden nicht nur von außen, sondern auch
> massiv von innen bedroht. Dagegen helfen immer höhere Militärausgaben
> nicht.
(IMG) Bild: Rekordverteidigungsetat: Friedrich Merz will die Bundeswehr zur „stärksten Armee Europas“ machen
Der Haushalt für 2026, den der Bundestag am Freitag beschließen will, ist
einer der Superlative: Seit Gründung der Bundesrepublik hat dieses Land
noch nie so viel Geld für sein Militär bereitgestellt. Und es soll noch
viel mehr werden. Die 108 Milliarden im kommenden Jahr sollen bis 2029 auf
mehr als 150 Milliarden Euro ansteigen. Die schwarz-rote Koalition scheint
fest entschlossen, [1][die Ankündigung von Kanzler Friedrich Merz], die
Bundeswehr zur stärksten Armee Europas zu machen, in die Tat umzusetzen.
Wer sich die [2][Debatte dazu am Mittwoch im Bundestag] angeschaut hat,
konnte schon überrascht sein, wie selbstverständlich geworden ist, was
angesichts der deutschen Geschichte alles andere als selbstverständlich
sein sollte. Bis auf die Linke waren sich alle Fraktionen einig, dass für
die Aufrüstung des deutschen Militärs kein Preis zu hoch ist. So verpuffte
auch der berechtigte Hinweis des Linken-Haushälters Dietmar Bartsch auf die
weitaus geringeren Verteidigungsausgaben der europäischen Atommächte
Frankreich und Großbritannien.
Frankreich will im kommenden Jahr seine Militärausgaben auf etwas mehr als
57 Milliarden Euro steigern, Großbritannien [3][auf rund 71 Milliarden
Euro]. Schon das ist sehr viel, aber weitaus weniger als Deutschland plant
– obwohl die nukleare Bewaffnung mit hohen Kosten verbunden ist. Den Preis
dafür muss jedoch in allen drei Ländern die jeweilige Bevölkerung tragen.
## Eine Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt
Damit aber destabilisieren die exorbitanten Ausgaben für das Militär den
gesellschaftlichen Zusammenhalt. Dabei haben jetzt bereits sowohl in
Frankreich und Großbritannien als auch in Deutschland extrem rechte
Parteien bedrohliche Zustimmungsraten. Bezahlen müssen das zudem übrigens
auch notleidende Menschen in ärmeren Regionen auf unserem Globus, denen die
humanitäre Hilfe gekürzt wird. Das befeuert die Krisen auf der Welt.
Der russische Überfall auf die Ukraine 2022 hat zu Recht für einen Schock
in Europa gesorgt. Aber in der [4][angstgetriebenen] und teilweise
irrationalen Debatte über das ohne Zweifel aggressive Agieren Putins geht
ein zentraler Aspekt offenkundig unter: Die Demokratien in Europa sind
nicht nur von außen, sondern auch von innen bedroht, und das sogar massiv.
Die europäischen Nato-Staaten haben schon jetzt das militärische Potenzial,
um selbst ohne die USA [5][ausreichend abschreckungsfähig gegenüber
Russland] zu sein. Aber was schützt sie vor den rechten antidemokratischen
Kremlfreunden im Inneren? Die immer aberwitzigere Steigerung der
Militärausgaben sicher nicht.
27 Nov 2025
## LINKS
(DIR) [1] /Bundeshaushalt/!6092954
(DIR) [2] /Verteidigungshaushalt/!6132766
(DIR) [3] https://commonslibrary.parliament.uk/research-briefings/cbp-8175/
(DIR) [4] /Nukleare-Drohungen/!6048044
(DIR) [5] /Greenpeace-Mitarbeiter-ueber-Aufruestung/!6048652
## AUTOREN
(DIR) Pascal Beucker
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