# taz.de -- +++ GenZ regelt +++: Und dann geht’s doch noch ab: Pyro, Barrikaden, Polizeigewalt
> Zehntausende demonstrieren für eine bessere Zukunft – mehrheitlich
> friedlich. Am Abend fliegen an einzelnen Orten Pyros und Flaschen, die
> Polizei greift an und verletzt einige Demonstrierende.
(IMG) Bild: Hamburger Kids haben kein Bock auf Krieg
## 18.25 Uhr: Der taz-Ticker schließt
Wir danken allen fürs Mitlesen und schließen den Ticker für heute. Morgen
geht's auf taz.de mit ausgeruhten Analysen zu GenZ regelt weiter. (lol)
18.00 Uhr: Polizei verletzt Demonstrierende in Frankfurt
In Frankfurt am Main ist die Stimmung hitzig. Die Polizei geht auf
Demonstrierende los, angeblich wegen Pyro. Dann fliegen Böller auf die
Polizei, diese setzt Gewalt ein. Es gibt mindestens zwei verletzte
Demonstrierende, darunter eine Kopfverletzung. (cay)
## 17.40 Uhr: Kleines Kesselchen
Nachdem die Polizei auch eine neu angemeldete Kundgebung aufgelöst hat,
will sie nun die Ludwigsstraße räumen. Dabei kesselt sie etwa 50
überwiegend sehr junge Demonstrant:innen ein. Kurz darauf werden dort
die letzten Rauchtöpfe gezündet. Drum herum stehen noch circa 200
Protestierende, die sich mit antifaschistischen Sprechchören
solidarisieren. Dem Kessel wird vom Polizeilautsprecher erneut angeboten,
sich zu entfernen. Doch erstmal passiert nichts. (tk)
17.30 Uhr: Rund 10.000 demonstrieren in Hamburg
In Hamburg verläuft es sich langsam. Auf dem Steindamm stehen noch
Demonstrierende mit Polizei. Vereinzelt knallen Böller. Die
Veranstalter*innen sprechen von mehr als 10.000 Teilnehmenden. Die
Sprecherin der Demo zeigt sich zufrieden: „Es wurde geschafft, der
generellen Unzufriedenheit eine Bühne zu bieten.“ Es habe mehrere
Festnahmen gegeben, darunter einige willkürliche, verletzt sei niemand.
(ak)
17.30 Uhr: In Berlin formiert sich eine neue Demo
In Berlin startet die zweite angemeldete Demonstration mit dem Namen „Gen Z
hat genug“ am Rosenthaler Platz. Hier soll es härter zur Sache gehen,
erwartet wird mehr „Aktionismus“. Die Polizei setzt schon die Helme auf.
Ursprünglich ging sie von 500 Teilnehmenden aus, aktuell schätzt sie deren
Zahl auf 300. Diese Demonstration hat nicht „Gen Z regelt“ organisiert.
Angemeldet hat sie eine Privatperson. Dazu aufgerufen hat das Offene Rote
Treffen Berlin (ORT) auf Instagram. Die Polizei ist mit ungefähr 1500
Beamten da und hat „alle zur Verfügung stehenden Gerätschaften in der
Nähe“, sagt der Pressesprecher der taz. Auch ein Wasserwerfer, der sei
bisher nicht genutzt worden. (mst)
## 17.24 Uhr: Polizei macht Stress
Dutzende Polizist:innen rennen am Theodor-Heuss-Ring in Köln mit
gezogenen Schlagstöcken auf Demonstrierende zu. Der Wasserwerfer rückt
weiter vor. Auch der Gehweg soll jetzt geräumt werden. Ein anderes Bild
gibt die Demo in der Innnenstadt ab: Sie ist jetzt in der Hohen Straße
angekommen. Ein Ei fliegt auf ein Polzeiauto am Eingang der Straße. Die
meisten Luxusgeschäfte sind verrammelt. Die Demonstrierenden sind laut, gut
gelaunt und friedlich. Es entwickelt sich ein Katz und Maus Spiel. Die
Polizei versucht die Wege zu blockieren aber ein großer Teil der Demo
schlängelt sich durch eine Seitengasse raus und zieht weiter. (wyp/lex)
## 17.05 Uhr: Die Knüppel sind gezückt
Die Demonstration in München ist aufgelöst, doch immer noch halten einige
Hundert Demonstrierende die Stellung auf der Ludwigstraße. Der Ton der
Polizeidurchsagen, dass sich die Demonstrierenden entfernen sollen, wird
ruppiger. Gelegentlich fliegt Klopapier aus der Demo hinter die
Polizeiketten. Kurz gibt es Geschrei, als rechte Streamer auftauchen. Doch
immer mehr Leute gehen nach Hause. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit,
wann die Polizei den Rest des Platzes räumt. (tk)
17.00 Uhr: Erste Festnahmen in Leipzig
Nach dem Ende der friedlichen Demo ziehen spontane Demozüge, teils mit
mehreren hundert Leuten, vor allem in Richtung Leipziger Süden – die
Innenstadt ist komplett abgeriegelt. Viele rennen, die Polizei hinterher.
Es gibt erste Festnahmen. Barrikaden aus umgestoßenen Müllcontainern und
Leihfahrrädern werden errichtet. (epe)
16.49 Uhr: Hamburg drängt Polizei aus Demo
In Hamburg geht es jetzt ab. Am Endpunkt der Demo brennen Barrikaden aus
rot-weißen Absperrungen, vereinzelt fliegen Flaschen. Ein Polizist nutzt
Strobolicht, das Videos mit der Handykamera unbrauchbar macht. Die Polizei
wurde aus der Demo rausgedrängt. Dann stehen die Einsatzkräfte am Rand,
ihnen gegenüber sehr junge vermummte Menschen. Dicker Rauch zieht Richtung
Steindamm, Feuerwerk und Böller knallen. Dann rennt die Polizei in die Demo
und drängt die Leute von der Straße. (ak)
## 16.48 Uhr: Aggressive Polizei
Am Marienplatz in Stuttgart hat die Polizei die Versammlung zusammen mit
dem Versammlungsleiter aufgelöst. Daraufhin wird die Stimmung aggressiv.
Die Polizei zieht einzelne Leute aus der Masse, diese skandiert. „Wo wart
ihr in Hanau?“ (bst)
16.47 Uhr: Bielefeld bleibt friedlich
Die Demo ist laut Polizei „überwiegend friedlich“ verlaufen. Es habe keine
Festnahmen gegeben und bis auf den Einsatz der Pyrotechnik, der einen
„medizinischen Notfall“ ausgelöst habe, gab es keine Zwischenfälle. Hier
läuft die Anzeige gegen unbekannt. Eine offizielle Zahl zu
Teilnehmer:innen gibt die Polizei nicht heraus. (and)
16.30 Uhr: Polizeikessel in Köln
In Köln gab es mindestens eine Festnahme, sagte ein Polizeisprecher der
taz. Die Versammlungsleiterin hat die offizielle Demo am
Konrad-Adenauer-Ufer aufgelöst. Dies habe die Polizei der 18-Jährigen
Anmelderin nahegelegt, da sie sonst Verantwortung für Straftaten übernehmen
müsse. Buhrufe. Gruppen mit roten und Palästina, MLPD- und
Linkpartei-Fahnen demonstrieren weiter. Die Wasserwerfer der Polizei fahren
vor, die Polizei kesselt die Demonstrierenden ein. Die singen „Ganz Köln
hasst die Polzei“ und „Wo? Wo? Wo wart ihr in Hanau?“. Einzelne
Feuerwerkskörper fliegen auf die Polizisten. Um 16.30 fährt einer der
Wasserwerfer in die Menschenmenge und schießt mit Wasser auf die
Demonstrierenden. Von den Uniformierten geht eine aggressive Stimmung aus –
auch gegen unseren Reporter, auf den sie mit Schlagstöcken zurannten.
(wyp/lex)
16.30 Uhr: 10.000 demonstrieren in Frankfurt
In Frankfurt hat die Teilnehmerzahl wie von der Initiative erwartet 10.000
erreicht. „Siamo tutti antifascisti!“-Rufe erklingen im Bankenviertel.
(cay)
16.00 Uhr: Nazi nerven in Erfurt
Schon zu Beginn provozieren sechs Personen am Rande des Protests. Sie
grölen Unverständliches und packen zwei Deutschlandflaggen aus. Ganz
nüchtern wirken sie nicht. Laut Polizei handelte es sich um eine
Spontanversammlung von sechs Personen. Sie folgen dem GenZ-Protest durch
die Innenstadt. Nach dessen Ende löst sich auch die spontane Versammlung
auf. Danach nimmt die Polizei die Identität zweier Teilnehmer:innen
auf. Auf Anfrage der taz erklärte die Landesdirektion der Polizei, es sei
um eine Beleidigung gegangen. Außerdem hätten die beiden Personen Böller
mit sich geführt. Festnahmen gab es in Erfurt keine. Die Polizei schätzt,
dass in der Spitze bis zu 1.900 Personen an der GenZ-Demo teilgenommen
haben. (dmn)
15.50 Uhr: Unternehmer öffnen Läden
Im Gegensatz zur Frankfurter Innenstadt sind die Geschäfte am Mainkai nicht
verbarrikadiert. Das Café Sugar Mama hat heute geöffnet, stellt den
Demonstrierenden seine Toiletten zur Verfügung und bietet ihnen Chai an.
„Ich habe Vertrauen, dass die Proteste friedlich bleiben“, sagt
Café-Besitzerin Kiki. „Wir unterstützen die Demo und haben uns entschieden,
heute zu öffnen.“ (yec)
## 15.45 Uhr: Geld für Bildung, statt für Waffen
In der Christophstrasse sagen die Studentin Afua und die Schülerin Adjora
der taz: „Wir finden es wichtig, dass Geld in die Schule investiert wird
und dass jedes Kind eine Chance auf eine gute Zukunft hat.“ Außerdem seien
sie für Frieden. „Wenn der Iran mit den USA Krieg führt, dann steigen die
Ölpreise, und alles wird teurer, dann ist auch kein Geld für die Bildung
da.“ Die Proteste nennen sie „ein bisschen chaotisch“, aber sie hätten in
keinem Moment Angst gehabt. „Alles verlief friedlich, anders als
vorhergesagt.“ (bst)
## 15.32 Uhr: Demo in Erfurt zu Ende
Die Demo in Erfurt kommt am Endpunkt, dem Hauptbahnhof, an. Die Innenstadt
steht noch. Laut Polizei haben etwa 1.500 Menschen am Protest teilgenommen.
Bis 16 Uhr folgen noch Redebeiträge gegen Merz und für Sozialismus. Eine
22-Jährige kritisiert, dass der Protest vorab kriminalisiert worden sei.
„Ihr habt Angst um eure Schaufensterscheiben, wir haben Angst um unsere
Zukunft!“, ruft sie. Sie habe verständnis für die Wut der jungen Menschen
in Frankreich. Es sei an der Zeit, über die Gründe zusprechen. Dabei nennt
sie unter anderem rassistische Gewalt. Ihre Familie sei aus Afghanistan
geflohen, als sie 7 Jahre alt war. „Ich kenne Rassismus.“ Auch ohne AfD
seien die Verhältnisse in Deutschland schon schlimm, Abschiebungen für
viele Menschen eine reale Bedrohung. Auch dagegen sei die GenZ heute auf
die Straße gegangen. (dmn)
15.30 Uhr: Weniger Teilnehmende als erwartet
Die Proteste sind am mit deutlich weniger Teilnehmenden als von den
Organisatoren erwartet gestartet. Dabei blieb es zunächst überall
friedlich, wie die Polizei mitteilte. In Köln sagte eine Polizeisprecherin,
die Teilnehmerzahl der dortigen Proteste liege „deutlich“ unter den
angemeldeten 15.000 Teilnehmern. In Berlin meldete die Polizei bisher 2700,
in München 1800, in Frankfurt am Main rund tausend Teilnehmende. Für diese
vier Städte hatten sich auf der Website von GenZ regelt mehr als 50.000
Menschen angemeldet.
In Berlin gibt sich Gen-Z regelt-Pressesprecherin Lina Friedrich zufrieden:
„Ich kann das kaum glauben, wie viele Menschen hier sind. Wir sehen kein
Zeichen von Gewalt. Das macht mich so glücklich.“ Weniger zufrieden ist
Juli, Pressesprecherin von Schulstreik gegen die Wehrpflicht: „Die Stimmung
ist nicht kämpferisch genug“, findet sie. (lol/afp/mst)
## 15.20 Uhr: Demonstrieren „macht keinen Sinn“
Am Rand der Münchener Demo hat man noch Schwierigkeiten, die Anliegen der
Demos zu verstehen. „Ich find's gut, dass die Jugend mal ihre Stimme
erhebt“, sagt eine ältere Frau der taz. Ihr Mann fällt ihr ins Wort. „Aber
wogegen sind die denn eigentlich?“, fragt er. „Gegen die Wehrpflicht zu
demonstrieren macht doch überhaupt keinen Sinn, die ist doch gut“, findet
der Rentner. Wenn Putin hier an der Macht sei, könne man schließlich gegen
gar nichts mehr demonstrieren. Und was habe das mit den Nazis zu tun, gegen
die es hier auch gehe? „Die wollen doch einfach nur gegen alles sein“,
murrt ein jüngerer Mann mit FC-Bayern-Schal. „Und der Kapitalismus ist
schlecht, ganz schlecht, oder?“ Er winkt genervt ab. (tk)
15.17 Uhr: Peinliche Gewaltdebatte
„Es läuft einfach vieles wirklich nicht gut und nicht in unserem
Interesse“, sagt in München ein Student aus dem fünften Semester der taz.
Die Proteste in Frankreich hätten ihm Hoffnung gegeben. Dass eine ähnliche
Bewegung auch in Deutschland entsteht, glaube er kaum. „Du kennst doch das
Lenin-Zitat, dass die Deutschen die Revolution verpassen, weil sie erst
noch eine Fahrkarte kaufen müssen“, sagt er und lacht bitter. Die
Gewaltdebatte der letzten zwei Wochen habe er als „einfach peinlich“
empfunden – stattdessen hätte besser über die Ungerechtigkeit in
Deutschland geredet werden können.
Unterdessen läuft bei der Demo Musik von Ikkimel. Plötzlich prägen, anders
als auf der Auftaktkundgebung, linksradikale Gruppen das Bild. Es ist
durchgängig laut, die Sprechchore sind kämpferisch. „Mit 18 an die Front,
mit 70 noch ans Band? Gegen die Regierung und die AfD“ steht auf einem
Transparent, „Merz stirb doch selber Ostfront“ auf einem anderen. Wegen
diesem Spruch hatte die Polizei vor einiger Zeit Ermittlungen gegen eine
Aktivistin der Schulstreiks gegen die Wehrpflicht aufgenommen.
Als auf der Leopoldstraße erste Rauchtöpfe gezündet werden, stoppt die
Polizei den Zug sofort. Kurz darauf der nächste Rauchtopf. „Liebe Leute,
bitte keine Pyrotechnik heute“, sagt ein Redner, „wir wollen doch dass es
weitergeht“. Geht es dann auch, aber als der Redner die Demo dann auch noch
auffordert, sich „mit ein bisschen Lärm bei der Polizei zu bedanken“, wird
er vom Frontblock ausgebuht. „All Cops Are Bastards, ACAB.“ (tk)
## 15.10 Uhr: In Bielefeld knallts
Ein lauter Knall an der Unterführung der Mindener Straße. Und die Polizei
rennt los wie von der Tarantel gestochen. „Wir gehen davon aus, dass es
sich um Pyrotechnik gehandelt hat“, sagt ein Sprecher der Polizei der taz.
Kurz nach dem Knall kam es zu einem Notarzteinsatz, ob dieser im
Zusammenhang mit dem Knall steht, ist allerdings nicht unklar. (and)
## 15.08 Uhr: Ein kurzer Schreck
Pyros brennen in der Mönckebergstraße, dann zündet jemand einen Böller. Es
hallt sehr laut zwischen den Hausern. Mehrere Leute erschrecken sich und
rennen weg. Die Demo wird angehalten und die Polizei lässt darauf
hinweisen, dass Pyrotechnik verboten ist. Dann setzt sich der Zug wieder in
Bewegung, bis noch ein Böller knallt. Die Anlage am Lauti klingt
übersteuert, die Stimmung wirkt zunehmend angespannt, aber Demo läuft
weiter. (ak)
## 15.02 Uhr: Rund 4.000 demonstrieren in Hamburg
Mindestens 4000 Menschen laufen vom Jungfernstieg in die Mönckebergstraße.
„Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft“, rufen sie. Eine junge
Frau im rosa Onezie und mit Palifahne um die Schulten ist ganz aufgekratzt.
Warum sie heute hier ist? „Offensichtlich, wir haben Probleme!“ Geld sei
da, aber falsch verteilt. „Es muss mehr Geld in Bildung gesteckt werden, in
Hamburg haben gerade Schulbegleitungen ihre Jobs verloren“, kritisiert sie.
(ak)
14.53 Uhr: Die wahre Gefahr: 2,8 Grad Erderwärmung
„Die wahre Gewalt sind 2,8 Grad“, steht auf dem Schild von zwei Freundinnen
in Bielefeld. Eine Anspielung auf die Gewaltvorwürfe im Vorfeld der Demos.
Der Jugend Gewalt nachzusagen, nur weil sie demonstrieren will, sei eine
„Frechheit“, findet Paula. „Das hier“, sie zeigt auf die Menge, „ist doch
keine Gefahr. Aber die 2,8 Grad Erwärmung, auf die die Erde zusteuert, das
ist eine Gefahr“. (and)
## 14.45 Uhr: Auch Kommunistische Gruppen am Start
In Leipzig laufen viele Jugendliche voran, deren rote Schlauchschals darauf
hindeuten, dass sie Mitglieder kommunistischer Jugendgruppen wie der
„Internationalen Jugend“ sind. Ein großes Transpi gegen die Fabrik des
US-Raketenbauers Covenant, die in Leipzig gebaut wird. Dabei ist aber auch
ein kleiner antiautoritärer Block mit Flaggen der anarchosyndikalistischen
Gewerkschaft FAU. Roter Rauch liegt in der Luft. Durch die Reihen wird ein
„Parolen-Zettel gereicht. Darauf finden sich Evergreens wie „Nie, nie, nie
wieder Wehrpflicht“, ebenso wie Neuschöpfungen „Von Leipzig bis Paris – das
regelt die Gen-Z!“ (epe)
## 14.38 Uhr: Der Lauti steckt fest
In Stuttgart steckt der Kampagnenwagen in der Fußgängerzone fest. Jetzt
muss der Protestzug durch die engen Straßen. Aber ein Ziel haben sie
erreicht. Sie sind mitten im Samstags-Getümmel und nicht zu übersehen.
(bst)
## 14.25 Uhr: In Frankfurt geht's los
Die Demonstration hat am Mainkai, in der Nähe der Europäischen Zentralbank,
begonnen. Bislang haben sich rund 2.500 Menschen versammelt.
„Veränderungen“ kämen nicht durch eine einzige Demonstration zustande,
sondern erforderten täglichen Einsatz, sagt eine Sprecherin bei der
Auftaktkundgebung. (cay)
14.15 Uhr: Bielefeld ist abgefuckt vom Kapitalismus
Das Orga-Team beginnt die Kundgebung auf dem Jahnplatz. Was die Jugend hier
umtreibt? Wehrpflicht, kaputte Schulen, hohe Mieten. „Unser Kampf fängt
gerade erst an. Solange nicht jeder Mensch frei ist, ist niemand frei“,
sagt der erste Redner. Man sei „abgefuckt“ vom Kapitalismus. „Angefangen in
Frankreich, weitergetragen nach italien und in andere Ländern: Die
internationale Jugend zeigt, dass sie keinen Bock mehr hat“, schwört er die
Versammelten ein. Auf der Website haben sich für Bielefeld etwa 6500
Menschen angemeldet, das Orga-Team rechnet eher mit 3000 Menschen. (and)
14.12 Uhr: Auch Hamburger Großeltern demonstrieren
„Wir sind hier, weil wir Kinder und Enkelkinder haben und wollen, dass die
jungen Leute 'ne ordentliche Bildung bekommen, dass sie ein lebenswertes
Leben haben und dass keine Kinder in den Krieg ziehen müssen“, sagt Silvia
Saß, 68 Jahre. Sie ist heute mit ihrem Mann zur Demo am Jungfernstieg
gekommen. Es sei ihre Verantwortung als Alte, die Anliegen der Jugend zu
unterstützen, findet sie. (ak)
## 14.10 Uhr: Berlin
Vor dem Brandenburger Tor wehen Flaggen mit dem Symbol der GenZ
regelt-Proteste, dem orangenem Eichhörnchen. Außerdem zu sehen sind hier
Fahnen der Antifa, für Palästina und mit Regenbogen sowie von der
Sozialistischen Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ).
Eine Mutter hält ein Schild hoch mit dem Spruch: „Meinem Sohn reichen die
Battles in Fortnite“ – einem Computerspiel. Sie erklärt, sie mache sich
Sorgen, dass ihr 13-jähriger Sohn in einen Krieg gezogen wird, mit dem er
nichts zu tun hat. „Darüber sollten sich Teenager keine Gedanken machen
müssen“, sagt sie der taz.
Auch eine Gruppe von Studierenden beschäftigt die Bundeswehr. „Die Unis und
Schulen fallen zusammen, während so viel Geld in die Bundeswehr fließt“,
sagt eine Studentin und erinnert daran: „Friedrich Merz ist nicht nur
Kanzler von seiner Wählergruppe“. (mst)
## 14.06 Uhr: Köln
Am Rheinufer wird es jetzt schnell voll. Mittlerweile sind sicher einige
tausend Menschen vor Ort. In Sprechchören rufen sie „Alerta, Alerta,
Antifascista“, „Tax the rich“ und „Merz leck Eier“. Auch die
„internationale Solidarität“ lassen die meist jungen Leute hochleben. (wyp)
## 14.00 Uhr: Leipzig
In der Leipziger Innenstadt wimmelt es vor Polizei, auch hier haben Läden
sich hinter Spanplatten verschanzt. Auf dem Augustusplatz stehen bislang
etwa 1.500 Menschen. Wo einst Legida mit „Merkel muss weg“-Rufen
demonstrierte, fordern nun Jugendliche „Merz muss weg“. Aus dem
Lautsprecher des kleinen Lautsprecherwagens ist der Song des Rappers
Disarstar „Siamo Tutti Antifa“ zu hören. (epe)
## 13.45 Uhr: Erfurt
In keiner anderen ostdeutschen Stadt haben sich so viele für den Gen Z
Protest angemeldet wie in Thüringens Landeshauptstadt. Mehr als 10.000 Mal
wurde laut der Website auf „Ich bin dabei“ geklickt. 15 Minuten vor Beginn
ist davon wenig zu sehen. Ein Banner gegen Krieg, eine Pali-Fahne, ein
Dutzend junger Menschen, die etwas unschlüssig auf dem Domplatz
herumstehen. Aber: Während die Website für diesen Ort geworben hat, beginnt
die Demo tatsächlich ein paar hundert Meter entfernt am Anger, einem
anderen zentralen Platz in der Stadt. Als die kleine Gruppe den Post dazu
auf Insta entdeckt, zieht sie um, der Pali-Fahne hinterher. (dmn)
## 13.40 Uhr: Hamburg
Am Jungfernstieg füllt sich der Platz. Antifafahnen, Palästinafahnen, und
die „One Piece“-Fahne, die international zum Zeichen der Gen Z Proteste
geworden ist, sind zu sehen. Eine 24-Jährige sagt der taz, sie habe das
Gefühl, dass die Situation für junge Leute sich immer weiter
verschlechtere. „Also ich in der Schule war, hatten wir ein Loch in der
Decke“, nennt sie ein Beispiel für die schlechte Infrastruktur. Mit den
neusten Sozialkürzungen und der Wehrpflicht sei die Kluft aus dem Anspruch
an junge Menschen und dem, was für sie getan werde, endgültig zu groß
geworden. Es sei wichtig, dagegen zu protestieren, findet die Studentin.
Tobias, 18 Jahre, und Nikita, 19 Jahre, haben sich für ihre erste Demo als
Dragonball-Charaktere verkleidet. Sie hätten die Proteste in Frankreich
gesehen, sich die Forderungen von Gen Z regelt durchgelesen und diese gut
gefunden. Sie hofften auf Demos wie in Frankreich, nur friedlicher. Denn
dort sehe man ja, dass das zu Ausgangssperren und Polizeigewalt führe. (ak)
## 13.20 Uhr: Die Spannung steigt
Noch zwanzig Minuten bis zum offiziellen Start: Von französischen
Verhältnissen kann bislang nicht die Rede sein. Am Kölner
Konrad-Adenauer-Ufer sind erst wenige hundert Leute. „Bessere Bildung,
keine Waffen“ und „Faschismus stoppen“ steht auf ihren Plakate. Auch die
Polizei hält sich hier personell noch zurück. Auch an der Planie, dem
Platz, auf dem die Demo in Stuttgart beginnen soll, hält sich der Ansturm
in Grenzen (wyp/bst)
13:05 Stuttgart
Am Neuen Schloss steht schon viel Polizei. Die Demo startet ein paar
hundert Meter weiter, am zentralen Platz Planie. In Stuttgart war die
Aufregung letzte Woche groß. Hier hatte sich Innenminister Manuel Hagel mit
seiner Äußerung über den „gewaltbereiten Mob“ kraftmeierisch gegeben.
Die Organisatoren der Demonstration sind im Umfeld des Kommunistischen
Aufbruchs (KA) zu verorten. Eine Vertreterin der Gruppe Internationalen
Jugend hatte gegenüber der Südwestpresse erklärt, sie hätten mit den
Betreibern der bundesweiten Website Generations-Z-Regelt nichts zu tun.
Letztere hatten die Stuttgarter für deren Sturmmaskenlogo kritisiert. Die
Vertreterin kritisierte: „Die versuchen für uns zu sprechen. Wir nehmen sie
als externes Element wahr.“ Man lasse sich aber nicht „an der Gewaltfrage
spalten.“ Der Landesschülerbeirat hat hier hingegen nicht zur Demo
aufgerufen, weil man laut seinem Vorsitzenden nicht abschätzen könne, ob es
zu Gewalt kommt.
Im einem offenen Brief an die Stadt hatten Ladenbesitzer in Stuttgart ihre
Befürchtungen formuliert, dass sich Krawalle wie im Juni 2020 wiederholen
könnten. Nun haben Stadt und Polizei die Demonstrationsroute verlegt. Der
Zug wird jetzt nicht mehr vom Neuen Schloß durch die Innenstadt geführt,
sondern an der Von der Planie über die Hauptatätterstraße zum Marienplatz.
Damit an den Einkaufsstrassen der Fußgängerzone vorbei. (bst)
Nicht die Polizei empfiehlt Verbarrikadierung von Läden
Angesichts verbarrikadierter Schaufenster von Luxusboutiquen sagt ein
Polizeisprecher aus München, dies geschehe jedenfalls nicht auf Empfehlung
der Polizei. Es gebe keinerlei Hinweise auf Randale am Abend. Manche seien
eben „sehr, sehr vorsichtig“. Es habe sich eine „gewisse Dynamik“
entwickelt, vermutet der Sprecher. Seit gestern Abend werden wie hier in
der Maximilianstraße in vielen deutschen Innenstädten auf Hochtouren
Spanplatten vor Schaufenster genagelt. Auch das Online-Shopping könnte
eingeschränkt laufen, Kunden erhalten von Zustellern wie DPD Hinweise, dass
ihre Pakete aufgrund der Proteste womöglich nicht ausgeliefert werden
können. (tk/lol)
## GenZ regelt distanziert sich vorab von Gewalt
Veronika Dinter, die Pressesprecherin von Gen-Z regelt in Berlin,
distanziert sich bereits im Voraus von einer anderen Demonstration, die in
der Hauptstadt für den späteren Nachmittag angemeldet ist: „Wir übernehmen
nur Verantwortung für das, was wir angemeldet haben.“ Zu der Demonstration
mit dem Namen „Gen Z hat genug“, um 17:30 Uhr am Rosenthaler Platz, ruft
unter anderem das Offene Rote Treffen Berlin (ORT) auf. Die Polizei
erwartet zwar, dass auch diese Demonstration friedlich verläuft. Insider
erwarten dort jedoch durchaus Protestierende mit Interesse an
„Aktionismus“. (mst)
## Die taz ist für Euch vor Ort
Unsere Reporterinnen und Reporter schwirren aus und covern die heutigen
Proteste in Hamburg, Berlin, Leipzig, Erfurt, Köln, Bielefeld, Frankfurt,
Stuttgart und München.
Teilnehmen wollen laut der Website von GenZ aktuell die meisten Menschen in
Köln, wo sich mehr als 16.000 Personen angemeldet haben. In Frankfurt sind
es mehr als 14.000, in Berlin mehr als 12.000 und in München mehr als 9000
Zusagen. Ob tatsächlich alle, die sich angemeldet haben, auch auf die
Straße gehen, wird sich zeigen. (taz)
## Wuff, wuff!
In Städten wie Hamburg, Berlin und Frankfurt sollen jeweils mehr als 1000
Polizeikräfte eingesetzt werden. Stefan Müller, seines Zeichens
Polizeipräsident von Frankfurt am Main, scheint sich aber eher wie ein
Hundeherrchen zu fühlen. „Ich freue mich über den friedlichen Protest und
dann kriegen sie von mir maximalsten Leine“, sagte er vorab bei einer
Pressekonferenz – ganz so, als wären die Demonstrierende Hunde. Wenn es
„kippe“ seien seine Leute da, um zu „beschränken“. (lol/cay)
Ein erster Erfolg
Etwas haben die „Gen Z regelt“-Proteste bereits erreicht, bevor sie
überhaupt losgegangen sind: Zu zeigen, welche Ängste allein die Ankündigung
eines Jugendprotestes nach [1][französischem Vorbild] in Deutschland
auslöst. Gegen einen angeblich „gewaltbereiten Mob“ müsse man „mit aller
Härte des Rechtsstaates zurückschlagen“, beschwor etwa der Innenminister
von Baden-Württemberg, [2][Manuel Hagel]. Die Jungen Union wollte gar
Soldaten gegen die Jugendlichen einsetzen. Ein Polizeigewerkschafter
schürte ein rassistisches Bild, in dem er von „Krawallmigranten“ sprach,
die „keine Gnade“ zu erwarten hätten, wochenlang wurde über eine
Unterwanderung der Bewegung durch Linksextreme oder sogar Islamisten
fantasiert.
Heute ist nun der Tag der Wahrheit. Gelingt es der neuen Bewegung, dieses
Momentum nach Deutschland zu tragen? Oder bleibt es bei einem von vielen
Versuchen linker Aktivist:innen, in Deutschland Sozialproteste auf die
Beine zu stellen? Werden am Abend Bilder von bunten Schildern oder doch von
brennenden Mülltonnen die Nachrichten beherrschen – obwohl „Gen Z regelt“
mehrfach friedliche Absichten betont hat? (tk)
Soziologe sieht Potenzial für größere Bewegung
Der Berliner Sozialwissenschaftler Christian Volk sieht in den geplanten
„GenZ“-Demonstrationen das Potenzial für eine größere Protestbewegung. „Es
ist enorm viel Druck im Kessel“, sagte der Professor der
Humboldt-Universität der Nachrichtenagentur AFP. „Wohnungsnot, Kürzungen im
Bildungsbereich, Wehrpflichtdebatte und gesellschaftlicher Rechtsruck – da
kommt vieles zusammen.“ Die jungen Menschen forderten ein, „dass ihre
politischen Erfahrungen und Zukunftserwartungen auch gehört werden“ (afp).
Worum geht's bei den Demos?
Unter dem Motto „Mehr Geld für Klima, Schulen, bezahlbares Leben für alle“
wollen am Samstag in 34 Städten junge Menschen auf die Straße gehen.
Angemeldet haben sich [3][auf der Website GenZ-regelt] rund 180.000 Leute.
„Alle sind willkommen, egal wie alt“, steht dort.
Die Initiative „Gen Z regelt“ besteht aus Einzelpersonen, die in Köln,
Frankfurt, Berlin und München Versammlungen angemeldet hat. Weitere
Proteste, die sich dem Aufruf angeschlossen haben finden zum Beispiel in
Dresden, Aachen, Kiel und Freiburg statt. In den meisten Städten sind
Proteste ab 14 Uhr angekündigt.
Unterstützt haben den Aufruf auch linke Polit-Gruppen, etwa durch Posts,
die wiederum von Gen Z regelt verbreitet wurden. Daraufhin haben CDU und
Polizeigewerkschaft mit einer [4][Polizei ohne Gnade] gedroht. Der
[5][Verfassungsschutz] schwadronierte von einem linksextremistischem
Einfluss. „Belastbare Erkenntnisse über gezielte extremistische
Einflussnahme oder Steuerung der Gruppierung“ lagen der Polizei aber nicht
vor. Andere Beobachter fürchten eher, dass die Bewegung so brav wird wie
Fridays For Future es waren. Eine erste Blockade hatte es bereits am 12.
Oktober im Französischen Gymnasium in Berlin-Tiergarten gegeben. Mehr über
die Entstehung der Bewegung [6][lesen Sie hier].
In Frankreich, aber auch [7][Spanien], [8][Italien], [9][Albanien] oder
[10][Portugal] entlädt sich bereits seit mehreren Wochen die Wut der Jugend
über kaputtgesparte Bildungs- und Sozialsysteme, das Totalversagen von
Regierungen in der Klimakrise, über Aufrüstung und Krieg. (tk/lol)
31 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Proteste-in-Frankreich/!6226011
(DIR) [2] /Sexistische-Aussagen-von-Hagel/!6157841
(DIR) [3] https://genz-regelt.de/
(DIR) [4] /Polizei-ohne-Gnade-bei-den-Gen-Z-Protesten-Was-richten-solche-Drohungen-der-Politik-an/!6225351
(DIR) [5] /Verfassungsschutz/!6225645
(DIR) [6] /Gen-Z-regelt-Berlin/!6225297
(DIR) [7] /Mietproteste-in-Spanien/!6217659
(DIR) [8] /Proteste-in-Italien/!6226264
(DIR) [9] /Studentenproteste-in-Albanien/!6221920
(DIR) [10] /Sozialproteste-in-Lissabon/!6222613
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Wehrpflicht auf die Straße. Auch Krawalle ändern nichts daran, dass das
legitim ist.
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Strukturen.