# taz.de -- +++ GenZ regelt +++: Und dann geht’s doch noch ab: Pyro, Barrikaden, Polizeigewalt
       
       > Zehntausende demonstrieren für eine bessere Zukunft – mehrheitlich
       > friedlich. Am Abend fliegen an einzelnen Orten Pyros und Flaschen, die
       > Polizei greift an und verletzt einige Demonstrierende.
       
 (IMG) Bild: Hamburger Kids haben kein Bock auf Krieg
       
       ## 18.25 Uhr: Der taz-Ticker schließt
       
       Wir danken allen fürs Mitlesen und schließen den Ticker für heute. Morgen
       geht's auf taz.de mit ausgeruhten Analysen zu GenZ regelt weiter. (lol)
       
       18.00 Uhr: Polizei verletzt Demonstrierende in Frankfurt
       
       In Frankfurt am Main ist die Stimmung hitzig. Die Polizei geht auf
       Demonstrierende los, angeblich wegen Pyro. Dann fliegen Böller auf die
       Polizei, diese setzt Gewalt ein. Es gibt mindestens zwei verletzte
       Demonstrierende, darunter eine Kopfverletzung. (cay)
       
       ## 17.40 Uhr: Kleines Kesselchen
       
       Nachdem die Polizei auch eine neu angemeldete Kundgebung aufgelöst hat,
       will sie nun die Ludwigsstraße räumen. Dabei kesselt sie etwa 50
       überwiegend sehr junge Demonstrant:innen ein. Kurz darauf werden dort
       die letzten Rauchtöpfe gezündet. Drum herum stehen noch circa 200
       Protestierende, die sich mit antifaschistischen Sprechchören
       solidarisieren. Dem Kessel wird vom Polizeilautsprecher erneut angeboten,
       sich zu entfernen. Doch erstmal passiert nichts. (tk)
       
       17.30 Uhr: Rund 10.000 demonstrieren in Hamburg
       
       In Hamburg verläuft es sich langsam. Auf dem Steindamm stehen noch
       Demonstrierende mit Polizei. Vereinzelt knallen Böller. Die
       Veranstalter*innen sprechen von mehr als 10.000 Teilnehmenden. Die
       Sprecherin der Demo zeigt sich zufrieden: „Es wurde geschafft, der
       generellen Unzufriedenheit eine Bühne zu bieten.“ Es habe mehrere
       Festnahmen gegeben, darunter einige willkürliche, verletzt sei niemand.
       (ak)
       
       17.30 Uhr: In Berlin formiert sich eine neue Demo
       
       In Berlin startet die zweite angemeldete Demonstration mit dem Namen „Gen Z
       hat genug“ am Rosenthaler Platz. Hier soll es härter zur Sache gehen,
       erwartet wird mehr „Aktionismus“. Die Polizei setzt schon die Helme auf.
       Ursprünglich ging sie von 500 Teilnehmenden aus, aktuell schätzt sie deren
       Zahl auf 300. Diese Demonstration hat nicht „Gen Z regelt“ organisiert.
       Angemeldet hat sie eine Privatperson. Dazu aufgerufen hat das Offene Rote
       Treffen Berlin (ORT) auf Instagram. Die Polizei ist mit ungefähr 1500
       Beamten da und hat „alle zur Verfügung stehenden Gerätschaften in der
       Nähe“, sagt der Pressesprecher der taz. Auch ein Wasserwerfer, der sei
       bisher nicht genutzt worden. (mst)
       
       ## 17.24 Uhr: Polizei macht Stress
       
       Dutzende Polizist:innen rennen am Theodor-Heuss-Ring in Köln mit
       gezogenen Schlagstöcken auf Demonstrierende zu. Der Wasserwerfer rückt
       weiter vor. Auch der Gehweg soll jetzt geräumt werden. Ein anderes Bild
       gibt die Demo in der Innnenstadt ab: Sie ist jetzt in der Hohen Straße
       angekommen. Ein Ei fliegt auf ein Polzeiauto am Eingang der Straße. Die
       meisten Luxusgeschäfte sind verrammelt. Die Demonstrierenden sind laut, gut
       gelaunt und friedlich. Es entwickelt sich ein Katz und Maus Spiel. Die
       Polizei versucht die Wege zu blockieren aber ein großer Teil der Demo
       schlängelt sich durch eine Seitengasse raus und zieht weiter. (wyp/lex)
       
       ## 17.05 Uhr: Die Knüppel sind gezückt
       
       Die Demonstration in München ist aufgelöst, doch immer noch halten einige
       Hundert Demonstrierende die Stellung auf der Ludwigstraße. Der Ton der
       Polizeidurchsagen, dass sich die Demonstrierenden entfernen sollen, wird
       ruppiger. Gelegentlich fliegt Klopapier aus der Demo hinter die
       Polizeiketten. Kurz gibt es Geschrei, als rechte Streamer auftauchen. Doch
       immer mehr Leute gehen nach Hause. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit,
       wann die Polizei den Rest des Platzes räumt. (tk)
       
       17.00 Uhr: Erste Festnahmen in Leipzig
       
       Nach dem Ende der friedlichen Demo ziehen spontane Demozüge, teils mit
       mehreren hundert Leuten, vor allem in Richtung Leipziger Süden – die
       Innenstadt ist komplett abgeriegelt. Viele rennen, die Polizei hinterher.
       Es gibt erste Festnahmen. Barrikaden aus umgestoßenen Müllcontainern und
       Leihfahrrädern werden errichtet. (epe)
       
       16.49 Uhr: Hamburg drängt Polizei aus Demo
       
       In Hamburg geht es jetzt ab. Am Endpunkt der Demo brennen Barrikaden aus
       rot-weißen Absperrungen, vereinzelt fliegen Flaschen. Ein Polizist nutzt
       Strobolicht, das Videos mit der Handykamera unbrauchbar macht. Die Polizei
       wurde aus der Demo rausgedrängt. Dann stehen die Einsatzkräfte am Rand,
       ihnen gegenüber sehr junge vermummte Menschen. Dicker Rauch zieht Richtung
       Steindamm, Feuerwerk und Böller knallen. Dann rennt die Polizei in die Demo
       und drängt die Leute von der Straße. (ak)
       
       ## 16.48 Uhr: Aggressive Polizei
       
       Am Marienplatz in Stuttgart hat die Polizei die Versammlung zusammen mit
       dem Versammlungsleiter aufgelöst. Daraufhin wird die Stimmung aggressiv.
       Die Polizei zieht einzelne Leute aus der Masse, diese skandiert. „Wo wart
       ihr in Hanau?“ (bst)
       
       16.47 Uhr: Bielefeld bleibt friedlich
       
       Die Demo ist laut Polizei „überwiegend friedlich“ verlaufen. Es habe keine
       Festnahmen gegeben und bis auf den Einsatz der Pyrotechnik, der einen
       „medizinischen Notfall“ ausgelöst habe, gab es keine Zwischenfälle. Hier
       läuft die Anzeige gegen unbekannt. Eine offizielle Zahl zu
       Teilnehmer:innen gibt die Polizei nicht heraus. (and)
       
       16.30 Uhr: Polizeikessel in Köln
       
       In Köln gab es mindestens eine Festnahme, sagte ein Polizeisprecher der
       taz. Die Versammlungsleiterin hat die offizielle Demo am
       Konrad-Adenauer-Ufer aufgelöst. Dies habe die Polizei der 18-Jährigen
       Anmelderin nahegelegt, da sie sonst Verantwortung für Straftaten übernehmen
       müsse. Buhrufe. Gruppen mit roten und Palästina, MLPD- und
       Linkpartei-Fahnen demonstrieren weiter. Die Wasserwerfer der Polizei fahren
       vor, die Polizei kesselt die Demonstrierenden ein. Die singen „Ganz Köln
       hasst die Polzei“ und „Wo? Wo? Wo wart ihr in Hanau?“. Einzelne
       Feuerwerkskörper fliegen auf die Polizisten. Um 16.30 fährt einer der
       Wasserwerfer in die Menschenmenge und schießt mit Wasser auf die
       Demonstrierenden. Von den Uniformierten geht eine aggressive Stimmung aus –
       auch gegen unseren Reporter, auf den sie mit Schlagstöcken zurannten.
       (wyp/lex)
       
       16.30 Uhr: 10.000 demonstrieren in Frankfurt
       
       In Frankfurt hat die Teilnehmerzahl wie von der Initiative erwartet 10.000
       erreicht. „Siamo tutti antifascisti!“-Rufe erklingen im Bankenviertel.
       (cay)
       
       16.00 Uhr: Nazi nerven in Erfurt
       
       Schon zu Beginn provozieren sechs Personen am Rande des Protests. Sie
       grölen Unverständliches und packen zwei Deutschlandflaggen aus. Ganz
       nüchtern wirken sie nicht. Laut Polizei handelte es sich um eine
       Spontanversammlung von sechs Personen. Sie folgen dem GenZ-Protest durch
       die Innenstadt. Nach dessen Ende löst sich auch die spontane Versammlung
       auf. Danach nimmt die Polizei die Identität zweier Teilnehmer:innen
       auf. Auf Anfrage der taz erklärte die Landesdirektion der Polizei, es sei
       um eine Beleidigung gegangen. Außerdem hätten die beiden Personen Böller
       mit sich geführt. Festnahmen gab es in Erfurt keine. Die Polizei schätzt,
       dass in der Spitze bis zu 1.900 Personen an der GenZ-Demo teilgenommen
       haben. (dmn)
       
       15.50 Uhr: Unternehmer öffnen Läden
       
       Im Gegensatz zur Frankfurter Innenstadt sind die Geschäfte am Mainkai nicht
       verbarrikadiert. Das Café Sugar Mama hat heute geöffnet, stellt den
       Demonstrierenden seine Toiletten zur Verfügung und bietet ihnen Chai an.
       „Ich habe Vertrauen, dass die Proteste friedlich bleiben“, sagt
       Café-Besitzerin Kiki. „Wir unterstützen die Demo und haben uns entschieden,
       heute zu öffnen.“ (yec)
       
       ## 15.45 Uhr: Geld für Bildung, statt für Waffen
       
       In der Christophstrasse sagen die Studentin Afua und die Schülerin Adjora
       der taz: „Wir finden es wichtig, dass Geld in die Schule investiert wird
       und dass jedes Kind eine Chance auf eine gute Zukunft hat.“ Außerdem seien
       sie für Frieden. „Wenn der Iran mit den USA Krieg führt, dann steigen die
       Ölpreise, und alles wird teurer, dann ist auch kein Geld für die Bildung
       da.“ Die Proteste nennen sie „ein bisschen chaotisch“, aber sie hätten in
       keinem Moment Angst gehabt. „Alles verlief friedlich, anders als
       vorhergesagt.“ (bst)
       
       ## 15.32 Uhr: Demo in Erfurt zu Ende
       
       Die Demo in Erfurt kommt am Endpunkt, dem Hauptbahnhof, an. Die Innenstadt
       steht noch. Laut Polizei haben etwa 1.500 Menschen am Protest teilgenommen.
       Bis 16 Uhr folgen noch Redebeiträge gegen Merz und für Sozialismus. Eine
       22-Jährige kritisiert, dass der Protest vorab kriminalisiert worden sei.
       „Ihr habt Angst um eure Schaufensterscheiben, wir haben Angst um unsere
       Zukunft!“, ruft sie. Sie habe verständnis für die Wut der jungen Menschen
       in Frankreich. Es sei an der Zeit, über die Gründe zusprechen. Dabei nennt
       sie unter anderem rassistische Gewalt. Ihre Familie sei aus Afghanistan
       geflohen, als sie 7 Jahre alt war. „Ich kenne Rassismus.“ Auch ohne AfD
       seien die Verhältnisse in Deutschland schon schlimm, Abschiebungen für
       viele Menschen eine reale Bedrohung. Auch dagegen sei die GenZ heute auf
       die Straße gegangen. (dmn)
       
       15.30 Uhr: Weniger Teilnehmende als erwartet
       
       Die Proteste sind am mit deutlich weniger Teilnehmenden als von den
       Organisatoren erwartet gestartet. Dabei blieb es zunächst überall
       friedlich, wie die Polizei mitteilte. In Köln sagte eine Polizeisprecherin,
       die Teilnehmerzahl der dortigen Proteste liege „deutlich“ unter den
       angemeldeten 15.000 Teilnehmern. In Berlin meldete die Polizei bisher 2700,
       in München 1800, in Frankfurt am Main rund tausend Teilnehmende. Für diese
       vier Städte hatten sich auf der Website von GenZ regelt mehr als 50.000
       Menschen angemeldet.
       
       In Berlin gibt sich Gen-Z regelt-Pressesprecherin Lina Friedrich zufrieden:
       „Ich kann das kaum glauben, wie viele Menschen hier sind. Wir sehen kein
       Zeichen von Gewalt. Das macht mich so glücklich.“ Weniger zufrieden ist
       Juli, Pressesprecherin von Schulstreik gegen die Wehrpflicht: „Die Stimmung
       ist nicht kämpferisch genug“, findet sie. (lol/afp/mst)
       
       ## 15.20 Uhr: Demonstrieren „macht keinen Sinn“
       
       Am Rand der Münchener Demo hat man noch Schwierigkeiten, die Anliegen der
       Demos zu verstehen. „Ich find's gut, dass die Jugend mal ihre Stimme
       erhebt“, sagt eine ältere Frau der taz. Ihr Mann fällt ihr ins Wort. „Aber
       wogegen sind die denn eigentlich?“, fragt er. „Gegen die Wehrpflicht zu
       demonstrieren macht doch überhaupt keinen Sinn, die ist doch gut“, findet
       der Rentner. Wenn Putin hier an der Macht sei, könne man schließlich gegen
       gar nichts mehr demonstrieren. Und was habe das mit den Nazis zu tun, gegen
       die es hier auch gehe? „Die wollen doch einfach nur gegen alles sein“,
       murrt ein jüngerer Mann mit FC-Bayern-Schal. „Und der Kapitalismus ist
       schlecht, ganz schlecht, oder?“ Er winkt genervt ab. (tk)
       
       15.17 Uhr: Peinliche Gewaltdebatte
       
       „Es läuft einfach vieles wirklich nicht gut und nicht in unserem
       Interesse“, sagt in München ein Student aus dem fünften Semester der taz.
       Die Proteste in Frankreich hätten ihm Hoffnung gegeben. Dass eine ähnliche
       Bewegung auch in Deutschland entsteht, glaube er kaum. „Du kennst doch das
       Lenin-Zitat, dass die Deutschen die Revolution verpassen, weil sie erst
       noch eine Fahrkarte kaufen müssen“, sagt er und lacht bitter. Die
       Gewaltdebatte der letzten zwei Wochen habe er als „einfach peinlich“
       empfunden – stattdessen hätte besser über die Ungerechtigkeit in
       Deutschland geredet werden können. 
       
       Unterdessen läuft bei der Demo Musik von Ikkimel. Plötzlich prägen, anders
       als auf der Auftaktkundgebung, linksradikale Gruppen das Bild. Es ist
       durchgängig laut, die Sprechchore sind kämpferisch. „Mit 18 an die Front,
       mit 70 noch ans Band? Gegen die Regierung und die AfD“ steht auf einem
       Transparent, „Merz stirb doch selber Ostfront“ auf einem anderen. Wegen
       diesem Spruch hatte die Polizei vor einiger Zeit Ermittlungen gegen eine
       Aktivistin der Schulstreiks gegen die Wehrpflicht aufgenommen.
       
       Als auf der Leopoldstraße erste Rauchtöpfe gezündet werden, stoppt die
       Polizei den Zug sofort. Kurz darauf der nächste Rauchtopf. „Liebe Leute,
       bitte keine Pyrotechnik heute“, sagt ein Redner, „wir wollen doch dass es
       weitergeht“. Geht es dann auch, aber als der Redner die Demo dann auch noch
       auffordert, sich „mit ein bisschen Lärm bei der Polizei zu bedanken“, wird
       er vom Frontblock ausgebuht. „All Cops Are Bastards, ACAB.“ (tk)
       
       ## 15.10 Uhr: In Bielefeld knallts
       
       Ein lauter Knall an der Unterführung der Mindener Straße. Und die Polizei
       rennt los wie von der Tarantel gestochen. „Wir gehen davon aus, dass es
       sich um Pyrotechnik gehandelt hat“, sagt ein Sprecher der Polizei der taz.
       Kurz nach dem Knall kam es zu einem Notarzteinsatz, ob dieser im
       Zusammenhang mit dem Knall steht, ist allerdings nicht unklar. (and)
       
       ## 15.08 Uhr: Ein kurzer Schreck
       
       Pyros brennen in der Mönckebergstraße, dann zündet jemand einen Böller. Es
       hallt sehr laut zwischen den Hausern. Mehrere Leute erschrecken sich und
       rennen weg. Die Demo wird angehalten und die Polizei lässt darauf
       hinweisen, dass Pyrotechnik verboten ist. Dann setzt sich der Zug wieder in
       Bewegung, bis noch ein Böller knallt. Die Anlage am Lauti klingt
       übersteuert, die Stimmung wirkt zunehmend angespannt, aber Demo läuft
       weiter. (ak)
       
       ## 15.02 Uhr: Rund 4.000 demonstrieren in Hamburg
       
       Mindestens 4000 Menschen laufen vom Jungfernstieg in die Mönckebergstraße.
       „Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft“, rufen sie. Eine junge
       Frau im rosa Onezie und mit Palifahne um die Schulten ist ganz aufgekratzt.
       Warum sie heute hier ist? „Offensichtlich, wir haben Probleme!“ Geld sei
       da, aber falsch verteilt. „Es muss mehr Geld in Bildung gesteckt werden, in
       Hamburg haben gerade Schulbegleitungen ihre Jobs verloren“, kritisiert sie.
       (ak)
       
       14.53 Uhr: Die wahre Gefahr: 2,8 Grad Erderwärmung
       
       „Die wahre Gewalt sind 2,8 Grad“, steht auf dem Schild von zwei Freundinnen
       in Bielefeld. Eine Anspielung auf die Gewaltvorwürfe im Vorfeld der Demos.
       Der Jugend Gewalt nachzusagen, nur weil sie demonstrieren will, sei eine
       „Frechheit“, findet Paula. „Das hier“, sie zeigt auf die Menge, „ist doch
       keine Gefahr. Aber die 2,8 Grad Erwärmung, auf die die Erde zusteuert, das
       ist eine Gefahr“. (and)
       
       ## 14.45 Uhr: Auch Kommunistische Gruppen am Start
       
       In Leipzig laufen viele Jugendliche voran, deren rote Schlauchschals darauf
       hindeuten, dass sie Mitglieder kommunistischer Jugendgruppen wie der
       „Internationalen Jugend“ sind. Ein großes Transpi gegen die Fabrik des
       US-Raketenbauers Covenant, die in Leipzig gebaut wird. Dabei ist aber auch
       ein kleiner antiautoritärer Block mit Flaggen der anarchosyndikalistischen
       Gewerkschaft FAU. Roter Rauch liegt in der Luft. Durch die Reihen wird ein
       „Parolen-Zettel gereicht. Darauf finden sich Evergreens wie „Nie, nie, nie
       wieder Wehrpflicht“, ebenso wie Neuschöpfungen „Von Leipzig bis Paris – das
       regelt die Gen-Z!“ (epe)
       
       ## 14.38 Uhr: Der Lauti steckt fest
       
       In Stuttgart steckt der Kampagnenwagen in der Fußgängerzone fest. Jetzt
       muss der Protestzug durch die engen Straßen. Aber ein Ziel haben sie
       erreicht. Sie sind mitten im Samstags-Getümmel und nicht zu übersehen.
       (bst)
       
       ## 14.25 Uhr: In Frankfurt geht's los
       
       Die Demonstration hat am Mainkai, in der Nähe der Europäischen Zentralbank,
       begonnen. Bislang haben sich rund 2.500 Menschen versammelt.
       „Veränderungen“ kämen nicht durch eine einzige Demonstration zustande,
       sondern erforderten täglichen Einsatz, sagt eine Sprecherin bei der
       Auftaktkundgebung. (cay)
       
       14.15 Uhr: Bielefeld ist abgefuckt vom Kapitalismus
       
       Das Orga-Team beginnt die Kundgebung auf dem Jahnplatz. Was die Jugend hier
       umtreibt? Wehrpflicht, kaputte Schulen, hohe Mieten. „Unser Kampf fängt
       gerade erst an. Solange nicht jeder Mensch frei ist, ist niemand frei“,
       sagt der erste Redner. Man sei „abgefuckt“ vom Kapitalismus. „Angefangen in
       Frankreich, weitergetragen nach italien und in andere Ländern: Die
       internationale Jugend zeigt, dass sie keinen Bock mehr hat“, schwört er die
       Versammelten ein. Auf der Website haben sich für Bielefeld etwa 6500
       Menschen angemeldet, das Orga-Team rechnet eher mit 3000 Menschen. (and)
       
       14.12 Uhr: Auch Hamburger Großeltern demonstrieren
       
       „Wir sind hier, weil wir Kinder und Enkelkinder haben und wollen, dass die
       jungen Leute 'ne ordentliche Bildung bekommen, dass sie ein lebenswertes
       Leben haben und dass keine Kinder in den Krieg ziehen müssen“, sagt Silvia
       Saß, 68 Jahre. Sie ist heute mit ihrem Mann zur Demo am Jungfernstieg
       gekommen. Es sei ihre Verantwortung als Alte, die Anliegen der Jugend zu
       unterstützen, findet sie. (ak)
       
       ## 14.10 Uhr: Berlin
       
       Vor dem Brandenburger Tor wehen Flaggen mit dem Symbol der GenZ
       regelt-Proteste, dem orangenem Eichhörnchen. Außerdem zu sehen sind hier
       Fahnen der Antifa, für Palästina und mit Regenbogen sowie von der
       Sozialistischen Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ).
       
       Eine Mutter hält ein Schild hoch mit dem Spruch: „Meinem Sohn reichen die
       Battles in Fortnite“ – einem Computerspiel. Sie erklärt, sie mache sich
       Sorgen, dass ihr 13-jähriger Sohn in einen Krieg gezogen wird, mit dem er
       nichts zu tun hat. „Darüber sollten sich Teenager keine Gedanken machen
       müssen“, sagt sie der taz.
       
       Auch eine Gruppe von Studierenden beschäftigt die Bundeswehr. „Die Unis und
       Schulen fallen zusammen, während so viel Geld in die Bundeswehr fließt“,
       sagt eine Studentin und erinnert daran: „Friedrich Merz ist nicht nur
       Kanzler von seiner Wählergruppe“. (mst)
       
       ## 14.06 Uhr: Köln
       
       Am Rheinufer wird es jetzt schnell voll. Mittlerweile sind sicher einige
       tausend Menschen vor Ort. In Sprechchören rufen sie „Alerta, Alerta,
       Antifascista“, „Tax the rich“ und „Merz leck Eier“. Auch die
       „internationale Solidarität“ lassen die meist jungen Leute hochleben. (wyp)
       
       ## 14.00 Uhr: Leipzig
       
       In der Leipziger Innenstadt wimmelt es vor Polizei, auch hier haben Läden
       sich hinter Spanplatten verschanzt. Auf dem Augustusplatz stehen bislang
       etwa 1.500 Menschen. Wo einst Legida mit „Merkel muss weg“-Rufen
       demonstrierte, fordern nun Jugendliche „Merz muss weg“. Aus dem
       Lautsprecher des kleinen Lautsprecherwagens ist der Song des Rappers
       Disarstar „Siamo Tutti Antifa“ zu hören. (epe)
       
       ## 13.45 Uhr: Erfurt
       
       In keiner anderen ostdeutschen Stadt haben sich so viele für den Gen Z
       Protest angemeldet wie in Thüringens Landeshauptstadt. Mehr als 10.000 Mal
       wurde laut der Website auf „Ich bin dabei“ geklickt. 15 Minuten vor Beginn
       ist davon wenig zu sehen. Ein Banner gegen Krieg, eine Pali-Fahne, ein
       Dutzend junger Menschen, die etwas unschlüssig auf dem Domplatz
       herumstehen. Aber: Während die Website für diesen Ort geworben hat, beginnt
       die Demo tatsächlich ein paar hundert Meter entfernt am Anger, einem
       anderen zentralen Platz in der Stadt. Als die kleine Gruppe den Post dazu
       auf Insta entdeckt, zieht sie um, der Pali-Fahne hinterher. (dmn)
       
       ## 13.40 Uhr: Hamburg
       
       Am Jungfernstieg füllt sich der Platz. Antifafahnen, Palästinafahnen, und
       die „One Piece“-Fahne, die international zum Zeichen der Gen Z Proteste
       geworden ist, sind zu sehen. Eine 24-Jährige sagt der taz, sie habe das
       Gefühl, dass die Situation für junge Leute sich immer weiter
       verschlechtere. „Also ich in der Schule war, hatten wir ein Loch in der
       Decke“, nennt sie ein Beispiel für die schlechte Infrastruktur. Mit den
       neusten Sozialkürzungen und der Wehrpflicht sei die Kluft aus dem Anspruch
       an junge Menschen und dem, was für sie getan werde, endgültig zu groß
       geworden. Es sei wichtig, dagegen zu protestieren, findet die Studentin.
       
       Tobias, 18 Jahre, und Nikita, 19 Jahre, haben sich für ihre erste Demo als
       Dragonball-Charaktere verkleidet. Sie hätten die Proteste in Frankreich
       gesehen, sich die Forderungen von Gen Z regelt durchgelesen und diese gut
       gefunden. Sie hofften auf Demos wie in Frankreich, nur friedlicher. Denn
       dort sehe man ja, dass das zu Ausgangssperren und Polizeigewalt führe. (ak)
       
       ## 13.20 Uhr: Die Spannung steigt
       
       Noch zwanzig Minuten bis zum offiziellen Start: Von französischen
       Verhältnissen kann bislang nicht die Rede sein. Am Kölner
       Konrad-Adenauer-Ufer sind erst wenige hundert Leute. „Bessere Bildung,
       keine Waffen“ und „Faschismus stoppen“ steht auf ihren Plakate. Auch die
       Polizei hält sich hier personell noch zurück. Auch an der Planie, dem
       Platz, auf dem die Demo in Stuttgart beginnen soll, hält sich der Ansturm
       in Grenzen (wyp/bst)
       
       13:05 Stuttgart
       
       Am Neuen Schloss steht schon viel Polizei. Die Demo startet ein paar
       hundert Meter weiter, am zentralen Platz Planie. In Stuttgart war die
       Aufregung letzte Woche groß. Hier hatte sich Innenminister Manuel Hagel mit
       seiner Äußerung über den „gewaltbereiten Mob“ kraftmeierisch gegeben.
       
       Die Organisatoren der Demonstration sind im Umfeld des Kommunistischen
       Aufbruchs (KA) zu verorten. Eine Vertreterin der Gruppe Internationalen
       Jugend hatte gegenüber der Südwestpresse erklärt, sie hätten mit den
       Betreibern der bundesweiten Website Generations-Z-Regelt nichts zu tun.
       Letztere hatten die Stuttgarter für deren Sturmmaskenlogo kritisiert. Die
       Vertreterin kritisierte: „Die versuchen für uns zu sprechen. Wir nehmen sie
       als externes Element wahr.“ Man lasse sich aber nicht „an der Gewaltfrage
       spalten.“ Der Landesschülerbeirat hat hier hingegen nicht zur Demo
       aufgerufen, weil man laut seinem Vorsitzenden nicht abschätzen könne, ob es
       zu Gewalt kommt.
       
       Im einem offenen Brief an die Stadt hatten Ladenbesitzer in Stuttgart ihre
       Befürchtungen formuliert, dass sich Krawalle wie im Juni 2020 wiederholen
       könnten. Nun haben Stadt und Polizei die Demonstrationsroute verlegt. Der
       Zug wird jetzt nicht mehr vom Neuen Schloß durch die Innenstadt geführt,
       sondern an der Von der Planie über die Hauptatätterstraße zum Marienplatz.
       Damit an den Einkaufsstrassen der Fußgängerzone vorbei. (bst)
       
       Nicht die Polizei empfiehlt Verbarrikadierung von Läden
       
       Angesichts verbarrikadierter Schaufenster von Luxusboutiquen sagt ein
       Polizeisprecher aus München, dies geschehe jedenfalls nicht auf Empfehlung
       der Polizei. Es gebe keinerlei Hinweise auf Randale am Abend. Manche seien
       eben „sehr, sehr vorsichtig“. Es habe sich eine „gewisse Dynamik“
       entwickelt, vermutet der Sprecher. Seit gestern Abend werden wie hier in
       der Maximilianstraße in vielen deutschen Innenstädten auf Hochtouren
       Spanplatten vor Schaufenster genagelt. Auch das Online-Shopping könnte
       eingeschränkt laufen, Kunden erhalten von Zustellern wie DPD Hinweise, dass
       ihre Pakete aufgrund der Proteste womöglich nicht ausgeliefert werden
       können. (tk/lol)
       
       ## GenZ regelt distanziert sich vorab von Gewalt
       
       Veronika Dinter, die Pressesprecherin von Gen-Z regelt in Berlin,
       distanziert sich bereits im Voraus von einer anderen Demonstration, die in
       der Hauptstadt für den späteren Nachmittag angemeldet ist: „Wir übernehmen
       nur Verantwortung für das, was wir angemeldet haben.“ Zu der Demonstration
       mit dem Namen „Gen Z hat genug“, um 17:30 Uhr am Rosenthaler Platz, ruft
       unter anderem das Offene Rote Treffen Berlin (ORT) auf. Die Polizei
       erwartet zwar, dass auch diese Demonstration friedlich verläuft. Insider
       erwarten dort jedoch durchaus Protestierende mit Interesse an
       „Aktionismus“. (mst)
       
       ## Die taz ist für Euch vor Ort
       
       Unsere Reporterinnen und Reporter schwirren aus und covern die heutigen
       Proteste in Hamburg, Berlin, Leipzig, Erfurt, Köln, Bielefeld, Frankfurt,
       Stuttgart und München.
       
       Teilnehmen wollen laut der Website von GenZ aktuell die meisten Menschen in
       Köln, wo sich mehr als 16.000 Personen angemeldet haben. In Frankfurt sind
       es mehr als 14.000, in Berlin mehr als 12.000 und in München mehr als 9000
       Zusagen. Ob tatsächlich alle, die sich angemeldet haben, auch auf die
       Straße gehen, wird sich zeigen. (taz)
       
       ## Wuff, wuff!
       
       In Städten wie Hamburg, Berlin und Frankfurt sollen jeweils mehr als 1000
       Polizeikräfte eingesetzt werden. Stefan Müller, seines Zeichens
       Polizeipräsident von Frankfurt am Main, scheint sich aber eher wie ein
       Hundeherrchen zu fühlen. „Ich freue mich über den friedlichen Protest und
       dann kriegen sie von mir maximalsten Leine“, sagte er vorab bei einer
       Pressekonferenz – ganz so, als wären die Demonstrierende Hunde. Wenn es
       „kippe“ seien seine Leute da, um zu „beschränken“. (lol/cay)
       
       Ein erster Erfolg
       
       Etwas haben die „Gen Z regelt“-Proteste bereits erreicht, bevor sie
       überhaupt losgegangen sind: Zu zeigen, welche Ängste allein die Ankündigung
       eines Jugendprotestes nach [1][französischem Vorbild] in Deutschland
       auslöst. Gegen einen angeblich „gewaltbereiten Mob“ müsse man „mit aller
       Härte des Rechtsstaates zurückschlagen“, beschwor etwa der Innenminister
       von Baden-Württemberg, [2][Manuel Hagel]. Die Jungen Union wollte gar
       Soldaten gegen die Jugendlichen einsetzen. Ein Polizeigewerkschafter
       schürte ein rassistisches Bild, in dem er von „Krawallmigranten“ sprach,
       die „keine Gnade“ zu erwarten hätten, wochenlang wurde über eine
       Unterwanderung der Bewegung durch Linksextreme oder sogar Islamisten
       fantasiert.
       
       Heute ist nun der Tag der Wahrheit. Gelingt es der neuen Bewegung, dieses
       Momentum nach Deutschland zu tragen? Oder bleibt es bei einem von vielen
       Versuchen linker Aktivist:innen, in Deutschland Sozialproteste auf die
       Beine zu stellen? Werden am Abend Bilder von bunten Schildern oder doch von
       brennenden Mülltonnen die Nachrichten beherrschen – obwohl „Gen Z regelt“
       mehrfach friedliche Absichten betont hat? (tk)
       
       Soziologe sieht Potenzial für größere Bewegung
       
       Der Berliner Sozialwissenschaftler Christian Volk sieht in den geplanten
       „GenZ“-Demonstrationen das Potenzial für eine größere Protestbewegung. „Es
       ist enorm viel Druck im Kessel“, sagte der Professor der
       Humboldt-Universität der Nachrichtenagentur AFP. „Wohnungsnot, Kürzungen im
       Bildungsbereich, Wehrpflichtdebatte und gesellschaftlicher Rechtsruck – da
       kommt vieles zusammen.“ Die jungen Menschen forderten ein, „dass ihre
       politischen Erfahrungen und Zukunftserwartungen auch gehört werden“ (afp).
       
       Worum geht's bei den Demos?
       
       Unter dem Motto „Mehr Geld für Klima, Schulen, bezahlbares Leben für alle“
       wollen am Samstag in 34 Städten junge Menschen auf die Straße gehen.
       Angemeldet haben sich [3][auf der Website GenZ-regelt] rund 180.000 Leute.
       „Alle sind willkommen, egal wie alt“, steht dort.
       
       Die Initiative „Gen Z regelt“ besteht aus Einzelpersonen, die in Köln,
       Frankfurt, Berlin und München Versammlungen angemeldet hat. Weitere
       Proteste, die sich dem Aufruf angeschlossen haben finden zum Beispiel in
       Dresden, Aachen, Kiel und Freiburg statt. In den meisten Städten sind
       Proteste ab 14 Uhr angekündigt.
       
       Unterstützt haben den Aufruf auch linke Polit-Gruppen, etwa durch Posts,
       die wiederum von Gen Z regelt verbreitet wurden. Daraufhin haben CDU und
       Polizeigewerkschaft mit einer [4][Polizei ohne Gnade] gedroht. Der
       [5][Verfassungsschutz] schwadronierte von einem linksextremistischem
       Einfluss. „Belastbare Erkenntnisse über gezielte extremistische
       Einflussnahme oder Steuerung der Gruppierung“ lagen der Polizei aber nicht
       vor. Andere Beobachter fürchten eher, dass die Bewegung so brav wird wie
       Fridays For Future es waren. Eine erste Blockade hatte es bereits am 12.
       Oktober im Französischen Gymnasium in Berlin-Tiergarten gegeben. Mehr über
       die Entstehung der Bewegung [6][lesen Sie hier].
       
       In Frankreich, aber auch [7][Spanien], [8][Italien], [9][Albanien] oder
       [10][Portugal] entlädt sich bereits seit mehreren Wochen die Wut der Jugend
       über kaputtgesparte Bildungs- und Sozialsysteme, das Totalversagen von
       Regierungen in der Klimakrise, über Aufrüstung und Krieg. (tk/lol)
       
       31 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Proteste-in-Frankreich/!6226011
 (DIR) [2] /Sexistische-Aussagen-von-Hagel/!6157841
 (DIR) [3] https://genz-regelt.de/
 (DIR) [4] /Polizei-ohne-Gnade-bei-den-Gen-Z-Protesten-Was-richten-solche-Drohungen-der-Politik-an/!6225351
 (DIR) [5] /Verfassungsschutz/!6225645
 (DIR) [6] /Gen-Z-regelt-Berlin/!6225297
 (DIR) [7] /Mietproteste-in-Spanien/!6217659
 (DIR) [8] /Proteste-in-Italien/!6226264
 (DIR) [9] /Studentenproteste-in-Albanien/!6221920
 (DIR) [10] /Sozialproteste-in-Lissabon/!6222613
       
       ## AUTOREN
       
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