# taz.de -- Sozialproteste in Lissabon: Jugend zeltet
> In Lissabon wird, inspiriert von den Protesten in Spanien, gegen
> Wuchermieten protestiert. Die Jugend will einen „iberischen
> Generalstreik“.
(IMG) Bild: Am 17. Oktober zelteten Demonstrierende mitten in Lissabon – als Protest gegen überhöhte Mieten
Proteste stecken an, vor allem wenn sich die Probleme so ähnlich sind. Seit
Wochen schon gehen im benachbarten [1][Spanien die Menschen für bezahlbaren
Wohnraum auf die Straße] und Hunderte von jungen Menschen haben
Protest-Zeltcamps auf zentralen Plätzen errichtet. Nun macht sich der Unmut
auch in Portugal Luft. Zuerst campierten sie in Porto und seit vergangenem
Wochenende, parallel zu den [2][gewaltsamen Protesten gegen steigende
Lebenshaltungskosten in Frankreich], auch in Lissabon. Auch hier sind die
Mieten, vor allem in den Innenstädten beliebter Touristenziele, dermaßen
gestiegen, dass sich kaum noch jemand eine Wohnung leisten kann.
Hinzu kommt die Politik des konservativen Ministerpräsidenten Luís
Montenegro. Er hat den Mietmarkt liberalisiert. Angeblich, um
Wohnungsbesitzer zur Vermietung ihrer Wohnungen zu animieren. Das würde den
Markt entspannen, so die Überlegung, und der Mietsteigerung Einhalt
gebieten. Das Gegenteil ist eingetreten: Während die alte Regelung aus der
Zeit der Sozialisten jährlich maximal 2 Prozent Mieterhöhung zuließ, gilt
das nun mit der neuen Gesetzeslage nicht mehr. Die Mieten, kritisieren die
wütenden Protestierenden, stiegen inzwischen teils um mehrere Hundert Euro.
## Wohnraum wird zum Luxus
Längst kostet ein Zimmer oder kleines Appartement in Porto oder Lissabon
zwischen 400 und 800 Euro im Monat. Vor allem für junge Menschen und die
Bewohner von Lissabon – insgesamt ein Viertel der Bevölkerung des 11
Millionen Einwohner zählenden Landes – ist Wohnraum immer mehr ein
unerschwinglicher Luxus.
Die Wut nimmt zu. Nachdem am Mittwoch die Polizei das Camp in Porto
gewaltsam räumte und dabei Dutzende Demonstranten teilweise schwer verletzt
wurden, gingen am Wochenende Zehntausende im ganzen Land auf die Straße.
„Ihre Gier ist unsere Not!“ lautet eines der Mottos.
Gleichzeitig hatte die größte Gewerkschaft Portugals, die CGTP, in vielen
Städten des Landes zu Demonstrationen für Maßnahmen angesichts der
steigenden Lebenshaltungskosten gerufen. Von 2015 bis 2024 stiegen diese um
124 Prozent – das Doppelte des europäischen Schnitts. Und das in einem Land
mit einem der niedrigsten Lohnniveaus der Union.
## Mehr Ausgaben für Gesundheit und Bildung gefordert
Während die Wohnungsbewegung die Deckelung der Mieten und mehr öffentlichen
Wohnraum fordert, will die Gewerkschaft eine 15-prozentige Lohnerhöhung und
eine Anhebung des Mindestlohns von 920 auf 1.100 Euro. Die Regierung will
den Mindestlohn aber nur auf 970 Euro anheben. Dies sei allerdings nicht
genug angesichts der Inflation. Außerdem kritisiert die Gewerkschaft den
neuen Haushalt für 2027 und fordert mehr Ausgaben für das Gesundheits- und
Bildungssystem. Montenegro will davon nichts wissen. Er senkt stattdessen
lieber die Steuern.
Portugal steht vor einem heißen Herbst. Die CGTP hat bereits neue Proteste
für Ende des Monats angekündigt. Und die Wohnungsbewegung schaut einmal
mehr auf den Nachbarn Spanien. „Generalstreik, Generalstreik“, rufen die
jungen Menschen immer wieder auf den Demonstrationen. Sie wünschen sich
einen „iberischen Generalstreik“ und fordern von der CGTP einen Ausstand am
11. November, dem Tag, an dem in Spanien alle Räder stillstehen sollen. Die
Motive der dortigen Gewerkschaften: Wohnung und Lebenshaltungskosten.
19 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Reiner Wandler
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