# taz.de -- „Gen Z regelt“-Proteste: Keiner muss an Halloween auf die Straße gehen
       
       > Nach den Unruhen von Paris und Mailand fragte die Presse unablässig nach
       > hiesigen Protesten. Niemand muss diese Erwartungshaltung erfüllen.
       
 (IMG) Bild: Erste Proteste gab es schon, wie hier eine Blockade in Berlin: Die angekündigten Demos erhalten ungewöhnlich viel Gegenwind
       
       Der Slogan klingt arg lässig. Mit den Worten [1][„Gen Z regelt“]
       mobilisiert eine Gruppe gerade für Demonstrationen an Halloween, die in
       Hamburg, Bremen und Hannover und 29 weiteren Städten stattfinden sollen.
       Der Aufruf ist nach den [2][Krawallen von Paris] und, wie der [3][Stern
       berichtete], auch ein bisschen mithilfe von künstlicher Intelligenz
       formuliert worden. Auf der Website der Gruppe können sich junge Menschen
       ein Ticket für die Demo in ihrer Stadt ziehen. Ein Klick, ein Ticket und
       eine Rangliste, die anzeigt, welche Stadt „am lautesten“ sein wird: „Hol
       dir dein Ticket und bring deine Stadt auf Platz 1!“.
       
       „Gen Z regelt“, das könnte übersetzt heißen: Die mit dem Buchstaben Z
       bezeichnete Generation der zwischen 1995 und 2010 Geborenen nimmt sich vor,
       die anstehenden Probleme zu lösen. Und sie beginnt mit einer Demo an
       Halloween, aber ohne Halloween-Masken, weil auf Demos ein Vermummungsverbot
       gilt.
       
       Auch wenn [4][ihre Demo-Hitliste] es schon auf fast 146.000 Klicks bringt
       und eine gewisse Faszination ausüben mag, wirken die Forderungen zu
       Bildung, Alltag, Gerechtigkeit, Wehrpflicht, Grundrechte und Klima etwas
       glatt formuliert und allgemein.
       
       Mehr „Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie“ zum Beispiel
       leuchtet erstmal ein, nur ist Bildung in Deutschland Ländersache. In
       Hamburg zum Beispiel wurde viel Geld in den Schulbau investiert, gleichwohl
       wird hier aktuell an Gymnasien und Oberstufen gespart. Aber gut, so konkret
       kann so ein bundesweiter Aufruf natürlich nicht werden.
       
       Die angekündigten Demos erhalten ungewöhnlich viel Gegenwind. Sogar die
       Bundesschülerkonferenz (BSK) hat sich distanziert. „Wir wollen nicht
       weniger laut werden – wir wollen gezielter gehört werden“, schreibt sie und
       kündigt ein Engagement für „ausreichend Personal und gute Lernbedingungen“
       an. Gleichwohl warnt sie vor der Gefahr, bei den Halloween-Demos könnten
       junge Menschen „Spielball politischer Instrumentalisierung“ werden.
       
       Diese Distanzierung mag auch mit dem [5][heißen Eisen Wehrpflicht]
       zusammenhängen. „Gen Z regelt“ lehnt die Wehrpflicht ab und schreibt: „Wir
       sollen für Kriege ausgebildet werden, für die wir nie mitentschieden
       haben.“ Die Kürzungen gingen auf Kosten der Jugend, „während
       Großunternehmen profitieren und Milliarden in Aufrüstung fließen“. Die
       Bundesschülerkonferenz hat zur Wehrpflicht keine einheitliche Position, wie
       ein Mitglied sagt. Dabei hat die junge Generation bei der Wehrpflicht ein
       Thema, was nur sie betrifft. Und mit den Halloween-Demos könnte der
       Anti-Wehrpflicht-Protest eine bisher nicht bekannte Breite erreichen.
       
       Und doch ist es seltsam, wenn nur von einer kleinen Gruppe im Netz eine
       [6][Massenbewegung organisiert] wird. In Hamburg, wo laut Website mehr als
       8.000 Teilnehmer ein Ticket buchten, findet laut Polizei keine eigene, der
       „Gen Z regelt“-Bewegung zuzurechnende Demo statt. Es sei unter dem Tenor
       „Gegen Wehrpflicht“ ein Aufzug mit 1.000 bis 2.000 Teilnehmern angemeldet
       worden, der vom Jungfernstieg in die Innenstadt ziehen soll, berichtet ein
       Polizeisprecher. Man rechne aber damit, dass sich potenzielle „Gen Z
       regelt“-Demoteilnehmer diesem Aufzug anschließen. Wie die Polizei am
       Freitag mitteilte, hat der Anmelder jener Demo inzwischen den Namen in
       „Gegen Wehrpflicht – GenZ regelt!“ geändert. Auch auf dem Instragramm
       Acount von [7][Gen-Z-regelt Hamburg] sagte ein Sprecher: „Die Demo wird
       laufen wie geplant und auch beworben“.
       
       ## Hamburgs Polizei droht
       
       Die Hamburger Polizei erklärte, sie rechne mit einem störungsfreien
       Verlauf, sei aber mit mehreren Hundertschaften präsent, auch in den
       Stadtteilen Harburg, Wilhelmsburg, Billstedt und Steilshoop.
       „Krawallmacher“ würden mit allen Mitteln aus ihrer vermeintlichen
       Anonymität geholt, so der Sprecher. Auch Drohnen würden dafür eingesetzt.
       Das klingt bedrohlich.
       
       Halloween, das ist in Hamburg eigentlich der Tag, an dem die Straße der
       Jugend gehört, wo auch mal Böller fliegen, einfach so. Dass nun die „Gen Z
       regelt“-Mobilisierung gerade so groß wird, ist auch Ergebnis der
       Berichterstattung. Es war die Presse, die nach den Unruhen von Paris und
       Mailand unablässig die Frage nach hiesigen Protesten stellte. Doch um eine
       Erwartungshaltung von wem auch immer zu erfüllen, sollte kein junger Mensch
       auf die Straße gehen.
       
       Anmerkung der Redaktion: Der Artikel wurde nach Erscheinen um den Hinweis
       auf den neuen Namen der Demonstration ergänzt.
       
       28 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [4] https://genz-regelt.de/
 (DIR) [5] /Proteste-gegen-Wehrpflicht/!6217192
 (DIR) [6] /Gen-Z-regelt-Berlin/!6225297
 (DIR) [7] https://genz-regelt.de/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kaija Kutter
       
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