# taz.de -- CDU-Präsidiumsklausur: Wohin steuert die Union?
> Wahlniederlagen, schleppende Reformvorhaben, bröckelnde Brandmauer: Die
> CDU diskutiert zwei Tage über den Umgang mit der AfD – und sich selbst.
(IMG) Bild: Schießt aus Brüssel quer: Manfred Weber, der Chef der EVP-Fraktion im EU-Parlament, will die Brandmauer kippen
In einer zweitägigen Präsidiumsklausur will das CDU-Präsidium ab Sonntag
die katastrophalen Wahlergebnisse der vergangenen Landtagswahlen
aufarbeiten. Doch schon vor Beginn ist ein offener Richtungsstreit um den
Kurs der Partei gegenüber der AfD entbrannt. Manfred Weber, Fraktionschef
der Europäischen Volkspartei im Europaparlament, forderte am Freitag offen
das Ende der Brandmauer: „Die Brandmauer im Sinne von ‚die oder wir‘ muss
Geschichte sein“, sagte er in einem Interview mit der [1][Süddeutschen
Zeitung].
„Es ist dauerhaft für uns als Union eine Riesenbelastung, wenn wir in den
Landtagen, wo wir Minderheitenregierungen haben, Thüringen und Sachsen,
dauernd mit linken Parteien abstimmen und damit noch linkere Politik
machen“, sagte Weber im SZ-Interview. Die AfD bezeichnete er gleichzeitig
als „politischen Feind“. In Bezug auf Sachsen-Anhalt sagte Weber, die CDU
müsse raus aus einer reinen Ablehnungsdiskussion. „Wenn wir wirklich mal
über Inhalte reden, werden wir die [2][AfD entzaubern].“
Würde ein solches Entzaubern funktionieren, ist es bisher jedenfalls
erfolglos geblieben. Während die AfD in beiden Bundesländern stärkste Kraft
wurde, [3][flog die CDU in Mecklenburg-Vorpommern aus dem Landtag], in
Sachsen-Anhalt holte die vormalige Regierungspartei lediglich 17 Prozent.
Am vergangenen Dienstag stimmten dann [4][mutmaßliche
CDU-Landtagsabgeordnete in Sachsen-Anhalt] für den ersten
AfD-Landtagspräsidenten in Deutschland, Thomas Rausch, und für den
rechtsextremen Hans-Thomas Tillschneider als AfD‑Landtagsvizepräsidenten.
Hinzukommen sinkende Umfragewerte und schleppende Reformvorhaben im Bund.
Die Unzufriedenheit in der Partei ist groß. Im Ringen um den richtigen Kurs
aus der Krise sieht sich der [5][angeschlagene Parteichef und Bundeskanzler
Friedrich Merz] nun verschiedenen Lagern innerhalb der CDU gegenüber. Der
[6][christlich-soziale Flügel] beklagt seit Langem die Dominanz der
Wirtschaftsliberalen in der Merz-CDU. Er fordert ein Festhalten an der
Brandmauer und einen sozialeren Kurs der Union. Ein konservativer Teil der
Partei will stattdessen konservativere Politik und „rote Linien“ statt
Brandmauern. Eine Debatte mit dem Potenzial, die Partei zu zerreißen.
Davor warnte CDU-Vize und Bundesfamilienministerin Karin Prien vom
liberalen Flügel der Partei. Die CDU habe eine sehr klare Beschlusslage,
die eine Zusammenarbeit mit der AfD und der Linken kategorisch ausschließe,
und daran werden sich alle halten müssen, sagte sie gegenüber dem
Bayerischen Rundfunk. „Sonst wird es die CDU, wird es die Union in dieser
Form auf Dauer nicht mehr geben“, so Prien. Fraktionsvize Günther Krings
sagte der Welt am Sonntag, er halte die These für gewagt, dass die AfD ohne
Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU nicht gewachsen wäre.
## „Rote Linien“ statt Brandmauer
Anders Guido Heuer. Statt der Brandmauer will der Landtagsabgeordnete aus
Sachsen-Anhalt lieber rote Linien definieren: „Mit der Brandmauer haben wir
uns eingemauert, dahinter brennt es aber weiter“, sagte er der Welt am
Sonntag. Koalitionen mit der AfD oder Linken halte er aber für
ausgeschlossen.
Aus der CSU meldeten sich indes nicht nur Weber, sondern auch noch Horst
Seehofer zu Wort. Der frühere bayerische Ministerpräsident und
Bundesinnenminister übte scharfe Kritik an Bundesregierung und
Bundeskanzler. „Friedrich Merz hat durch den Bruch von Wahlversprechen
einen massiven Glaubwürdigkeitsverlust erlitten“, sagte Seehofer der Bild
am Sonntag. Bezüglich der Arbeitsweise der Regierung verlangte er eine
radikale Kehrtwende – statt neuen Kommissionen brauche es Haltung und
Tempo: „Ein Politiker, der in der Bundesliga spielt, muss selbst eine
Haltung haben – beispielsweise bei der Pflege – und auf dieser Basis
Lösungen in der Koalition durchsetzen“, so Seehofer weiter.
Dass Alltagsprobleme der Menschen und Fragen der Gerechtigkeit stärker in
den Fokus der Partei rücken sollen, hatten auch mehrere führende
Christdemokraten vor der Präsidiumssitzung gefordert. Angesichts der
zahlreichen Streitthemen bleibt abzuwarten, ob die CDU zum Abschluss der
Klausur am Montag einen gemeinsamen Kurs präsentieren kann.
Zum Auftakt des zweitägigen Treffens dämpfte CDU-Generalsekretärin
Franziska Hoppermann jedenfalls erst einmal die Erwartungen: „Die
Klausurtagung heute ist nicht die eine Wunderwaffe, sondern der Beginn
eines Prozesses“, sagte sie der Presse in einem kurzen Statement, bevor sie
im Konrad-Adenauer-Haus verschwand. (mit Agenturen)
11 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.sueddeutsche.de/politik/brandmauer-weber-evp-afd-interview-li.3559888
(DIR) [2] /Politologe-ueber-AfD-Erfolge/!6037222
(DIR) [3] /CDU-Aus-in-Mecklenburg-Vorpommern/!6215015
(DIR) [4] /CDU-luegt-ueber-Abstimmungsverhalten/!6216651
(DIR) [5] /CDU-nach-Sachsen-Anhalt/!6216625
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## AUTOREN
(DIR) Amelie Sittenauer
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