# taz.de -- CDU bespricht Wahlniederlagen: Alter Wein in neuen Schläuchen
> Zwei Tage nahm sich das CDU-Präsidium, um Schlüsse aus den
> Wahlniederlagen zu ziehen. Neue Erkenntnisse? Kaum. Aber eine neue
> Steuersenkung
(IMG) Bild: Generalsekretärin Franziska Hoppermannund Kanzler Friedrich Merz nach der Klausurtagung
Franziska Hoppermann hatte die Erwartungen schon zu Beginn tief gehängt.
Als „Wunderwaffe“ sei die [1][zweitägige Klausur des CDU-Präsidiums] nicht
zu verstehen, eher als Auftakt eines Prozesses. Und auch [2][Friedrich
Merz] dämpfte nach Ende der Beratungen am Montag: „Man kann eine Partei
über ein Wochenende nicht einfach neu erfinden.“ Es gelte nun, sich aus der
Vertrauenskrise herauszuarbeiten.
In der Tat brachte das vertiefte Nachdenken über sich selbst die
Christdemokraten kaum voran. In einem fünfseitigen Beschlusspapier,
überschrieben mit dem forschen Titel „Was jetzt passieren muss“, listete
die Partei lauter altbekannte Forderungen unter neuen Überschriften auf:
Bezahlbarkeit, Gerechtigkeit und Sicherheit. Soziale Verpackung,
neoliberale Inhalte, mit denen man, so Merz und [3][Hoppermann], die
„Menschen besser erreichen und ihre Lebenswirklichkeit in den Blick nehmen
will.“
Unternehmen von Steuern und Berichtspflichten zu entlasten, wird jetzt
verkauft als Maßnahme „für ein bezahlbares Leben“. Die Wohnkosten will die
CDU senken, indem sie Baustandards absenkt – anstatt zu enteignen. Und
außerdem sollen Inlandsflüge billiger werden, indem Gebühren und Steuern
kurz- und mittelfristig sinken. Ob das der Krankenschwester oder dem
Altenpfleger, die zur Arbeit pendeln, wirklich hilft? Oder ist das die
Vorstellung der CDU von öffentlichem Nahverkehr?
Merz kündigte zudem an, dass man jetzt Haushaltsspielräume nutzen wolle, um
die Stromsteuer auch für Verbraucher:innen zu senken. Aktuell gibt es
solche Spielräume im Haushalt zwar nicht, aber Merz zeigte sich
zuversichtlich, dass die Wirtschaft wie zuletzt prognostiziert im kommenden
Jahr um 1 Prozent wächst. Von den 10 Milliarden Euro Mehreinnahmen, die
sich Bund und Länder teilen, ließe sich die 5 Milliarden Euro teure
Steuersenkung bezahlen.
## Rechtsextremismus wird nicht erwähnt
Auch für mehr Gerechtigkeit will die CDU streiten – und legt den Evergreen
vom faulen Grundsicherungsempfänger auf. Grundsicherungsempfänger sollen
verpflichtet werden, sich einzubringen – wer Arbeitsangebote verweigere,
werde sanktioniert. Mit dem neuen Grundsicherungsgesetz hat die
schwarz-rote Koalition eigentlich bereits beschlossen, dass bei Ablehnung
zumutbarer Arbeit die Leistungen gestrichen werden, aber es ging bei der
Klausur auch und vor allem um Selbstvergewisserung.
Als Zugewinn für Sicherheit verkauft die CDU den entschlossenen Kampf gegen
den „Missbrauch von Sozialleistungen“, die Abschiebung von Straftätern und
Gefährdern und den Kampf gegen „Clankriminelle, Extremisten, Islamisten und
Antisemiten“. Man dulde keine No-Go-Areas in unseren Städten, sagte
Hoppermann.
Die Bedrohungen durch Rechtsextremismus werden nicht explizit erwähnt. Aus
Teilnehmerkreisen hieß es, man habe natürlich auch über das Verhältnis zur
AfD gesprochen. Und auch Merz sagte, dass „uns [4][die Ereignisse von
Magdeburg] nicht ruhen lassen“. Dort war vergangenen Dienstag ein
rechtsextremer Landtagspräsident mutmaßlich auch mit Stimmen aus der CDU
gewählt worden. Zum ersten Mal räumte auch Merz diese Möglichkeit ein.
„Abgeordnete, die die Hand reichen für eine solche Wahl, haben in der CDU
keinen Platz“, so der CDU-Vorsitzende.
## Machtwort an SPD und Grüne
Das war’s dann aber auch schon mit kritischer Selbstreflexion. Lieber
kritisierte Merz den „breit verbreiteten Antisemitismus“ in der Berliner
Linken, der sich mit einem Papier nicht wegdiskutieren lasse, und
wiederholte seine Aufforderung an SPD und Grüne, „die Gespräche mit dieser
linksradikalen Partei sofort zu beenden“.
Merz nutzte aber auch die Gelegenheit, die Politik des US-amerikanischen
Präsidenten Donald Trump ungewohnt scharf zu kritisieren. Dieser will
wieder [5][russische Diesellieferungen für die USA] und den Weltmarkt
erlauben. Ein solcher Schritt komme für Deutschland und die EU nicht
infrage, sagte Merz. Es gelte jetzt, den Druck auf Russland zu verschärfen.
Denn der Ukraine-Konflikt sei leider, anders als Trump sich das vorgenommen
habe, nicht beendet.
Wie geht es nun weiter in Sachsen mit der CDU? Schon in drei Wochen sollen
die Kreisvorsitzenden im Konrad-Adenauer-Haus zusammenkommen, im nächsten
Jahr sind Mitglieder- und Regionalkonferenzen im ganzen Land geplant.
12 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Anna Lehmann
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