# taz.de -- Koalitionsbildung in Berlin: Giffey will nicht mit der Linkspartei
> Die Wirtschaftssenatorin lehnt als erstes Berliner SPD-Regierungsmitglied
> ein Linksbündnis offen ab.
(IMG) Bild: Nach dem Linken-Protest gegen jüngste Vereinbarungen mag sie nicht mehr: Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD)
Franziska Giffey (SPD), die amtierende Wirtschaftssenatorin, lehnt ein
Linksbündnis ab. „Eine Koalition mit der LInkspartei einzugehen und mit
diesen radikalen Positionen in der Regierung zusammen zu arbeiten, halte
ich für nicht vertretbar“, schrieb die frühere Regierende Bürgermeisterin
[1][am Sonntagmorgen auf Instagram]. Auf die Möglichkeit [2][einer
Kenia-Koalition im Abgeordnetenhaus] unter CDU-Führung ging sie nicht ein.
Ein Sprecher von SPD-Landeschef Steffen Krach mochte sich dazu gegenüber
der taz mit Verweis auf laufende Sondierungsgespräche nicht äußern.
Giffey kritisiert unter anderem, dass sich 120 Linken-Politiker öffentlich
gegen eine erst Donnerstag vorgestellte Einigung mit SPD und Grünen zum
Umgang mit Antisemitismus und organisierter Kriminalität stellte. „Das ist
nicht zu akzeptieren“, schreibt sie. Noch am Donnerstag hatte Giffey [3][an
der ersten Sondierungsrunde] mit Linkspartei und Grünen teilgenommen. Sie
hatte im Frühjahr 2023 darauf verzichtet, weiter Regierungschefin eines
rot-grün-roten Bündnisses zu sein und ihre Partei in die aktuelle
schwarz-rote Koalition unter Führung von Kai Wegner (CDU) geführt.
Giffey ist damit das erste SPD-Senatsmitglied, das sich offen gegen ein
Linksbündnis stellt. Auch aus der 21-köpfigen Fraktion im Abgeordnetenhaus
heraus gab es bislang öffentlich kein Nein. Gewarnt hat hingegen
[4][bereits Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel], der vor 11
Monaten noch Landesvorsitzender der SPD war. „Das wird das Land Berlin in
den Ruin treiben“, hatte er der Süddeutschen Zeitung gesagt. Weitere
prominente Kritik aus der SPD kam zuvor nur von früheren
Landesvorsitzenden, ehemaligen Senatoren und anderen Parteigrößen.
Außerhalb der Berliner Landespolitik warnten am Wochenende trotz der
Einigung vom Donnerstag führende Politiker von SPD und auch Grünen ihre
Parteifreunde davor, mit der Linkspartei zu koalieren. „Ich bleibe
weiterhin sehr skeptisch“, sagte Brandenburgs SPD-Generalsekretär Kurt der
Deutschen Presse-Agentur. Es komme am Ende nicht nur auf schriftliche
Vereinbarungen an, sondern vor allem auf die handelnden Akteure. „Und wenn
wir dann sehen müssen, dass relevante Teile der Berliner Linke kurze Zeit
nach Vorstellung der Vereinbarung diese direkt wieder infrage stellen,
sorgt das für erheblichen Zweifel bei mir“, sagte Fischer der Deutschen
Presse-Agentur.
## Jusos gegen Mitgliederentscheid über Koalition
Ähnlich äußerte sich Ex-Grünen-Chef Omid Nouripour, Vizepräsident des
Deutsches Bundestages. „Eine Partei, die hier die regierende Mehrheit
stellen will und an dieser Stelle eine offene Flanke hat, ist ein
Sicherheitsrisiko – nicht nur für Berlin“, zitiert ihn die Bild-Zeitung.
Ganz anders beurteilen die Jusos als SPD-Nachwuchsverband die Lage: „Wir
sind überzeugt: Mit einer rot-grün-roten Regierung können wir durch linke
Mehrheiten das Beste für unsere Stadt herausholen“, hieß es in einem
Antragsentwurf des Landesvorstands für eine Delegiertenkonferenz am
Wochenende.
In dem Antrag lehnt es der Juso-Landesvorstand auch ab, alle rund 17.500
Mitglieder über eine künftige Koalition entscheiden zu lassen, und verweist
auf das Delegiertensystem der Parteitage: „Es muss aufhören, dass davon
abgewichen wird, nur weil Mehrheiten an anderen Orten günstiger für die
Antragstellenden sind.“ Mitgliederentscheide könnten ein wirksames
Instrument sein, „sind es in der aktuellen Lage aber nicht“.
Als Argument führt die Juso-Spitze den wiederholten Wechsel an der
SPD-Spitze an. Über die entschied im Mai 2024 ein Mitgliedervotum. Die
Parteibasis hatte bei einer Befragung 2023 zudem der aktuellen Koalition
mit der CDU zugestimmt. Dieses Bündnis war für die Jusos mit Blick auf das
jetzige historisch schlechte Wahlergebnis „der Kardinalfehler der SPD
Berlin“.
11 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.instagram.com/franziskagiffey/
(DIR) [2] /Koalitionsbildung-in-Berlin/!6219597
(DIR) [3] https://www.facebook.com/franziska.giffey/posts/linke-gr%C3%BCne-und-spd-in-berlin-haben-sich-darauf-verst%C3%A4ndigt-in-sondierungsgespr%C3%A4/1768563937962870/
(DIR) [4] /Vorgespraech-ueber-ein-Linksbuendnis/!6218409
## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Rot-Grün-Rot in Berlin
(DIR) Franziska Giffey
(DIR) Die Linke
(DIR) GNS
(DIR) Reden wir darüber
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Rot-grün-rote Sondierungen in Berlin: Palästinasolidarische Linke sollten Ja sagen
Der Kompromiss zum Thema Antisemitismus schmeckt einem Teil der Berliner
Linkspartei nicht. Dabei ermöglicht er Kritik an Israel und bietet eine
riesige Chance.
(DIR) Rot-Grün-Rot fürs Rote Rathaus?: Es bleibt schwierig
In Berlin haben sich Linke, SPD und Grüne zum Thema Antisemitismus
geeinigt. Doch auf dem Weg zu einer Regierungskoalition gibt es noch ganz
andere Hürden.
(DIR) Einigung von Linken, Grünen und SPD: Ein erster Schritt zum linken Bündnis
Linke, Grüne und SPD haben sich auf eine Vereinbarung zum Schutz jüdischen
Lebens und zum Antisemitismus geeinigt. Nun beginnen die Sondierungen.