# taz.de -- Konjunkturumfrage der Wirtschaft: „Das ist pures Gift für den Wirtschaftsstandort“
       
       > Handwerkskammer und IHK wettern gegen Enteignung. Sie erkennen zwar
       > Positives im Sondierungspapier von Rot-Grün-Rot, schreiben das aber
       > Wirtschaftssenatorin Giffey zu.
       
 (IMG) Bild: Auch das vor gar nicht Langem noch florierende Handwerk blickt laut einer neuen Konjunkturumfrage pessimistisch in die Zukunft
       
       Die Kritik an Enteignungsplänen einer von Linkspartei, Grünen und SPD
       angestrebten Koalition reißt in der Berliner Wirtschaft nicht ab. Am
       Donnerstag ist sie vom Chef der Handwerkskammer zu hören, Jürgen Wittke.
       Der drückt das noch zugespitzter aus als andere Verbandsvertreter und
       Unternehmer vor ihm. „Enteignung ist pures Gift für den Wirtschaftsstandort
       Berlin“, sagt er bei der Vorstellung der jüngsten Konjunkturumfrage von
       Handwerkskammer und Industrie- und Handelskammer (IHK).
       
       In der Umfrage äußern sich die Berliner Unternehmen trotz gegenüber Herbst
       2025 leicht verbesserter Wirtschaftslage deutlich pessimistischer. „Die
       Erwartungen für das Winterhalbjahr sind düster“, sagt Wittke, der dahinter
       Unsicherheit über die künftige Wirtschaftspolitik sieht. Befragt wurden die
       Betriebe laut Handwerkskammer größtenteils nach der Berlin-Wahl vom 20.
       September, bei der die Linkspartei stärkste Fraktion wurde.
       
       Am Dienstag schon sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) [1][bei einem
       Besuch bei der IHK], Enteignungen in Deutschland hätten „Auswirkungen bis
       hin auf die Kapitalmärkte nach London, Paris und New York“. Tags zuvor
       hatten die Verhandlungen über eine rot-grün-rote Koalition begonnen. In
       vorangehenden Sondierungen hatten sich Linkspartei, Grüne und SPD auf einen
       Enteignungsmechanismus verständigt, der 160.000 Berliner Wohnungen
       betreffen würde.
       
       Wittke und die IHK-Hauptgeschäftsführerin Manja Schreiner, bis April 2024
       noch CDU-Verkehrssenatorin, sahen zwar auch positive Punkte für die
       Wirtschaft im rot-grün-roten Sondierungspapier. Der Handwerkskammerchef hob
       dabei einen vorgesehenen „Bürokratie-TÜV“ hervor, der Vorschriften und
       Genehmigungen vereinfachen soll. Schreiner sprach von „richtigen Akzenten
       in Einzelpunkten“.
       
       ## „Man sieht die Handschrift der Wirtschaftssenatorin“
       
       Dafür sei vorrangig aber nicht rot-grün-rote Wirtschaftsfreundlichkeit
       verantwortlich, sondern eine konkrete Person, die jetzt gar nicht mehr mit
       verhandelt. „Man sieht die Handschrift der Wirtschaftssenatorin“, sagt
       Schreiner. Gemeint ist SPD-Politikerin Franziska Giffey. Sie saß zum Start
       der Sondierungen am 8. Oktober für den Bereich Wirtschaft noch mit am
       Tisch.
       
       Doch als der SPD-Landesvorstand sie danach einlud, diesen Bereich nun in
       den Koalitionsverhandlungen zu leiten, lehnte Giffey ab. Es wäre nach ihrer
       Darstellung mit der Bedingung verbunden gewesen, sich nicht ablehnend zu
       einem Linksbündnis zu äußern. Giffey aber hatte [2][schon während der
       Sondierung via Instagram] klar gemacht: „Eine Koalition mit der Linkspartei
       einzugehen und mit diesen radikalen Positionen in der Regierung
       zusammenzuarbeiten, halte ich für nicht vertretbar“.
       
       Am späten Mittwochabend ging Giffey noch weiter auf Distanz. [3][In der]
       [4][][5][Talksendung] [6][„Maischberger“] äußerte sie sich über Elif Eralp,
       die ihre Nachnachfolgerin als Regierende Bürgermeisterin Berlins werden
       will: „An sich ist sie eine ganz nette, freundliche Person, und sie ist
       bestimmt auch von einer guten Motivation getrieben, wirklich in der Stadt
       was Gutes zu bewegen.“ Die Frage sei aber, wer hinter ihr stehe.
       
       Giffey forderte, „dass wir eine Grenze ziehen“, solange das Verhältnis
       möglicher Koalitionspartner zu Antisemitismus, organisierter Kriminalität,
       Polizei und Verfassungsschutz nicht geklärt sei. Sie arbeitet merklich
       darauf hin, dass ein SPD-Mitgliederentscheid einen Koalitionsvertrag mit
       der Linkspartei ablehnen wird. Vorsichtig wirbt sie inzwischen für ein
       Bündnis mit CDU und Grünen, das im Abgeordnetenhaus eine
       Drei-Stimmen-Mehrheit hätte. „Schwarz-Grün-Rot muss zumindest eine
       Diskussion finden“, [7][sagte sie jüngst in der ARD].
       
       5 Nov 2026
       
       ## LINKS
       
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