# taz.de -- Regierungskrise wegen Zucker: Es geht nicht wirklich um Gesundheit
> Beim Streit um die Zuckersteuer entlädt sich der Grundkonflikt zwischen
> Union und SPD. Letztlich geht es darum, wie das Land aus der Krise kommt.
(IMG) Bild: Unterzuckert: Kanzler Merz und sein Vize Lars Klingbeil
Eigentlich sind 650 Millionen Euro Peanuts. Bei Budget-Verhandlungen lassen
sie keine*n Haushaltspolitiker*in schlecht schlafen, irgendwo lassen
sich solche Summen immer auftreiben. Dennoch streitet sich die
Bundesregierung derzeit über diese Summe.
Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat staatliche
Einnahmen in der Höhe aus der vereinbarten [1][Zuckersteuer] für nächstes
Jahr bereits eingeplant. Laut Medienberichten blockierte Kanzler Friedrich
Friedrich Merz (CDU) die Abgabe auf zuckerhaltige Getränke aber, weil ihre
Ausgestaltung von Klingbeil der Union und der Zuckerlobby zu weit geht.
Zwar hat ein Regierungssprecher das am Freitag dementiert und sprach
lediglich von normalen Abstimmungen. Trotzdem bleibt der Eindruck: Glatt
läuft es nicht bei der Zuckersteuer.
Letztlich geht es bei dem Koalitionsstreit nicht um die Zuckersteuer an
sich. Ob ungesunde Getränke nun zwei- oder dreistufig besteuert werden,
sollte eigentlich nicht zum offenen Streit zwischen Kanzler und Vizekanzler
führen. Stattdessen entlädt sich bei der Zuckersteuer mal wieder, dass
Union und SPD beim Umgang mit der Wirtschaftskrise immer weiter
auseinanderdriften.
In der Union hält man neue oder höhere Steuern für Teufelszeug, stattdessen
will man mit Ausgabenkürzungen und Mehrarbeit aus der Krise kommen. Die SPD
hingegen hat [2][die Gewerkschaften] im Nacken, die mobil machen gegen die
geplanten Kürzungsreformen. Deren Ökonomenszene diskutiert gerade, wie das
Land mit einer offensiveren Industriepolitik und Eingriffen in den Markt
bis hin zu Vergesellschaftungen die wirtschaftliche, politische und soziale
Krise überwinden kann.
Die Bundesregierung kann deswegen eigentlich nur hoffen, dass die
Wirtschaft wieder anspringt. Diese Hoffnung besteht nach den letzten
Prognosen tatsächlich. Ein echter Aufschwung könnte den gefühlten
Reformdruck verringern und auch die Budgetstreitigkeiten lösen, weil er
zusätzliche Steuereinnahmen in den [3][Staatshaushalt] spült. Dabei ist das
Festhalten der Union an den Kürzungen kontraproduktiv. Nicht nur, weil sie
damit die SPD unter Druck setzt. Sie verunsichert vor allem auch die
Menschen im Land. Und das ist Gift für die Konjunktur, weil dann Geld für
unsichere Zeiten gespart statt ausgegeben wird.
2 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Simon Poelchau
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