# taz.de -- Trotz Chaos im Finanzministerium: Die Zuckersteuer für Erfrischungsgetränke muss kommen
> Die Abgabe kann Diabetes verhindern und Übergewicht bremsen. Dafür
> braucht es keinen Streit über Süßstoffe, sondern endlich einen
> Gesetzentwurf.
(IMG) Bild: Gerade Minderjährige konsumieren über Erfrischungsgetränke schnell große Mengen Zucker
Die Zuckersteuer auf gesüßte Erfrischungsgetränke muss kommen. Daran hat
auch das Chaos nichts geändert, das SPD-Chef Lars Klingbeils
Finanzministerium kürzlich produziert hat: Erst forderte es, die Abgabe
auch auf Getränke mit künstlichem Süßstoff zu erheben, dann [1][kassierte
Klingbeil] das wieder. Zu Recht: Dieser Vorschlag ging über den
Grundsatzbeschluss des Kabinetts zu der Steuer hinaus, und er lässt sich
wissenschaftlich nicht so gut begründen.
Es gibt aber hinreichend Modellrechnungen, dass eine Steuer auf
zuckergesüßte Erfrischungsgetränke zum Beispiel [2][mehrere tausend neue
Fälle von Typ-2-Diabetes] pro Jahr verhindern könnte. Cola und Co stehen im
Fokus, weil sie viel Zucker und Energie, aber kaum essenzielle Nährstoffe
liefern. Anders als etwa Milch oder Fruchtsäfte haben sie
ernährungsphysiologisch wenig zu bieten.
Von zugesetztem Zucker nehmen die Menschen im Schnitt mehr zu sich, als es
der Gesundheit guttut. Gerade Minderjährige konsumieren über
Erfrischungsgetränke aber leicht große Mengen Zucker. Limonaden werden oft
als unproblematischer „Durstlöscher“ wahrgenommen, obwohl schon eine
Flasche ein Vielfaches der empfohlenen Tageshöchstmenge Zucker enthalten
kann. So nehmen viele Menschen unbewusst zu viel des sehr kalorienreichen
Stoffes auf. Solche Produkte sättigen schlecht, und sie sind schnell zu
konsumieren.
## Höhere Preise, niedrigere Nachfrage
[3][Immer mehr Studien] zeigen, dass solche Steuern den Anstieg von
Übergewicht in der Bevölkerung bremsen. Mehr als 100 Länder haben diesen
Weg bereits eingeschlagen.
Wenn mit Zucker gesüßte Limonaden teurer werden, dann werden sie auch
weniger gekauft. Wenn der Staat wie in Großbritannien von den Herstellern
auf höhere Zuckergehalte höhere Steuern verlangt, dann senkt die Industrie
den Zuckeranteil. Die Konsumenten müssen dann auch kaum mehr bezahlen.
Aus diesen Gründen sollte die schwarz-rote Koalition endlich einen
gemeinsamen Entwurf für eine Zuckersteuer auf Erfrischungsgetränke
vorlegen.
29 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Nach-Kritik-von-allen-Seiten-Klingbeil-nimmt-Steuer-fuer-zuckerfreie-Getraenke-zurueck/!6207265
(DIR) [2] https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/F/FinanzKommission_Gesundheit/FinanzKommissionGesundheit_Erster_Bericht_20260330.pdf
(DIR) [3] https://zenodo.org/records/19648685
## AUTOREN
(DIR) Jost Maurin
## TAGS
(DIR) Zuckersteuer
(DIR) Ernährung
(DIR) Lars Klingbeil
(DIR) GNS
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Carsten Linnemann
(DIR) Zucker
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Pläne zur Zuckersteuer auf Getränke: Steilvorlage für die Zuckerlobby
Auch wenn Finanzminister Klingbeil teilweise zurückrudert: Die wohl
geplante Ausdehnung der Zuckersteuer auf mehr Getränke würde nach hinten
losgehen.
(DIR) Streit über Zuckersteuer: Klingbeil kassiert Steuer für zuckerfreie Getränke
Nach Kritik von allen Seiten ruft der Finanzminister die Abgabe auf
Light-Getränke zurück. Verbraucherschützer:innen fordern
Zuckersteuer.
(DIR) Zuckersteuer auf Getränke: Wie das Agrarministerium Zuckerfortschritte schönrechnete
Das CSU-Ministerium stellte die Bemühungen der Industrie für weniger Zucker
wissentlich positiver dar, als sie waren. Eine entsprechende Steuer will es
verhindern.