# taz.de -- SPD droht mit Blockade: Intensive Verhandlungen um die Pflege
> Die Pflegereform steht auf der Kippe: Die SPD warnt vor einem
> Kürzungspaket. Das Gesundheitsministerium hält am Kabinettsbeschluss am
> Mittwoch fest.
(IMG) Bild: Mittagessen in einer Pflegeeinrichtung: Ein Platz im Pflegeheim kostet im bundesweiten Durchschnitt derzeit rund 3.400 Euro im Monat
Kommt nun die Pflegereform oder kommt sie nicht? Über die Ausgestaltung der
sozialen Pflegeversicherung rangen Union und SPD am Montag weiter heftig.
Schon am Wochenende hatte sich in der SPD Widerstand formiert. Prominente
Sozialdemokrat:innen kündigten an, den für Mittwoch geplanten
Kabinettsbeschluss notfalls zu blockieren.
Der Beschluss am Mittwoch sei weiterhin vorgesehen, sagte ein Sprecher des
Gesundheitsministeriums am Montag in Berlin. Die Reform zur Stabilisierung
der klammen Pflegekassen liegt beim CDU-geführten Ministerium. Einen
ersten, vielfach kritisierten [1][Referentenentwurf] hatte noch
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken vorgelegt; seit zwei Monaten
verantwortet ihr Nachfolger Carsten Linnemann das Projekt.
Dieser muss nun eine komplizierte, aber dringend erwartete Reform umsetzen
– die Pflegeversicherungen stecken in milliardenschweren Defiziten. Von
einem umstrittenen Vorschlag ist der neue CDU-Minister bereits abgerückt:
Die Kürzung der Rentenpunkte für pflegende Angehörige nahm er nach
[2][anhaltender Kritik] zurück. Doch weitere Kürzungen sieht der
Referentenentwurf vor. Es gebe laufende Gespräche, so der
Ministeriumssprecher. „Da wird intensiv verhandelt. “
Bei der SPD [3][befürchtet man ein „reines Kürzungspaket“], so
Fraktionschef Matthias Miersch in der Bild. Ähnliche Kritik brachten
SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf, Fraktionsvize Dagmar Schmidt sowie die
SPD-Ministerpräsident:innen Anke Rehlinger aus dem Saarland, Manuela
Schwesig aus Mecklenburg-Vorpommern und Olaf Lies aus Niedersachsen an.
„Die Pflegeversicherung braucht nicht nur eine finanzielle Überbrückung,
sondern eine strukturell nachhaltige und gerechte Finanzierung“, sagte auch
der SPD-Gesundheitspolitiker Christos Pantazis.
Die SPD fordert zwei Dinge: einen „Pflegedeckel“ und einen [4][finanziellen
Ausgleich zwischen sozialer und privater Pflegeversicherung]. Das
gemeinsame Lebensrisiko Pflege sei ungleich zwischen gesetzlichen und
privaten Systemen verteilt, so Pantazis im Deutschlandfunk. Thomas Brahm
vom Verband der privaten Kranken- und Pflegeversicherungen (PKV) wies das
am Montag zurück. Ein Finanzausgleich oder die Übertragung von
Alterungsrückstellungen sei „verfassungsrechtlich nicht haltbar“. Und das
ist nicht einmal das Endziel der SPD: Langfristig strebt sie eine
Bürgerversicherung für die Pflege an.
Mit dem „Pflegedeckel“ will die SPD die steigenden Eigenanteile bei den
Pflegekosten begrenzen. Diese sind stark gestiegen; ein Platz im Pflegeheim
kostet im bundesweiten Schnitt derzeit rund 3.400 Euro im Monat. Im
ARD-Bericht aus Berlin wies Linnemann einen solchen „Pflegedeckel“ als
wirkungslos zurück. Er würde lediglich 300 Euro einsparen, so Linnemann.
Nicht nur in der SPD, auch in Linnemanns eigener Partei gibt es Vorbehalte:
Die Pflegereform dürfe „nicht einfach nur wieder ein Spargesetz werden“,
sagte der Chef des Arbeitnehmerflügels (CDA), Dennis Radtke, dem
Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er fordert, die versicherungsfremden
Leistungen zu prüfen. Dazu zählen etwa die Rentenversicherungsbeiträge
pflegender Angehöriger oder fünf Milliarden Euro an Corona-Hilfen, die die
Pflegeversicherungen dem Staat geliehen haben.
Der Reformdruck wurde am Montag auch bei Verbänden und Opposition deutlich.
Es sei überfällig, sagte Joachim Rock vom Paritätischen Gesamtverband, dass
die Koalition jetzt über Nachbesserungen am Pflegeneuordnungsgesetz
streite. „Immer mehr Kosten auf Versicherte und Pflegebedürftige zu
verlagern, Leistungen zu kürzen und sich mit Darlehen nur Zeit zu kaufen“,
werde den Herausforderungen nicht gerecht.
Kurzfristig forderte Rock die Rückzahlung der Corona-Hilfen. Auch die
Grünen-Abgeordnete Simone Fischer verlangte das. Sie nannte die
Streitereien „verantwortungslos“. Pflegebedürftige und ihre Angehörigen
bräuchten Sicherheit und Verlässlichkeit, so Fischer. Ob sich die
Koalitionspartner am Montag auf einen Fahrplan einigen konnten, blieb bis
Redaktionsschluss offen.
28 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Amelie Sittenauer
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