# taz.de -- Pflegereform und Einsparungen: Zeitenwende in der Sozialpolitik
> Die Pflegekassen sind im Defizit. Ein Finanzausgleich zwischen der gut
> ausgestatteten privaten und der sozialen Pflegeversicherung könnte die
> Situation verbessern.
(IMG) Bild: Wenn ein Elternteil ins Heim muss, sollen die erwachsenen Kinder wieder finanziell herangezogen werden
Der [1][Gesetzentwurf zur Pflegeversicherung], den Gesundheitsministerin
Nina Warken (CDU) vorgelegt hat, bedeutet eine Zeitenwende in der
Sozialpolitik, die in ihrer Bedeutung an die Einführung der
Hartz-IV-Gesetze erinnert. Denn vieles, was in den vergangenen Jahren
verbessert wurde, wird wieder zurückgefahren.
Pflegehaushalte sollten vor Armut bewahrt und Pflegekräfte vernünftig
bezahlt werden, außerdem sollten alte Menschen keine Angst mehr haben
müssen, dass die erwachsenen Kinder im Pflegefall für sie zahlen müssen –
all das waren Anliegen, die durch die Pflegeversicherung und andere Gesetze
in den vergangenen Jahrzehnten zumindest teilweise umgesetzt wurden. Und
die jetzt auf dem Prüfstand stehen.
Doch Empörung allein hilft nicht weiter, denn [2][die Milliarden fehlen
ja]. Wie kann man unter dem Einsparungsdruck also noch sozialpolitisch
navigieren?
Es braucht eine Diskussion über die Einnahmeseite. Denn ein Finanzausgleich
zwischen der gut ausgestatteten privaten Pflegeversicherung und der sehr
viel schlechter ausgestatteten sozialen Pflegeversicherung könnte die
Einnahmesituation der Letzteren verbessern.
Ja, [3][das Vermögen und damit das Erbe wird belastet], wenn ein alter
Mensch zum Pflegefall wird. Das wird so bleiben. Aber wenn – wie geplant –
auch die erwachsenen Kinder wieder finanziell herangezogen werden sollen,
wenn ein Elternteil ins Heim muss, sollten zumindest große Freibeträge
bleiben und die eigene Alterssicherung und Immobilie der Kinder nicht
angetastet werden.
Auch sollte die geplante Erschwernis bei der Einstufung in Pflegegrade
zumindest in den höheren Pflegegraden nicht erfolgen. Denn [4][hoch
belastete Pflegehaushalte] mit Schwersteingeschränkten und Heime würden
dadurch weniger Geld bekommen – und das kann nicht sein.
Das ist alles sehr unerfreulich und beängstigend, aber jetzt geht es darum,
wenigstens einen Rest Vertrauen zu retten, dass es auch in Zeiten des
Sparzwangs noch einen öffentlichen Verteilungsdiskurs gibt. Alles andere
ist ein politischer Offenbarungseid.
8 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Barbara Dribbusch
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