# taz.de -- Koalition diskutiert über Pflegereform: CDU-Sozialpolitiker kritisiert „teure Wünsche“ der SPD
> Karl-Josef Laumann drängt auf das Sparpaket für die Pflegeversicherung.
> Es soll das drohende Milliardendefizit der gesetzlichen
> Pflegeversicherung und steigende Beiträge verhindern.
(IMG) Bild: Kann die Koalition den Weg zu Reformen gemeinsam gehen? Karl-Josef Laumann in Düsseldorf
Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Karl-Josef Laumann hat kein
Verständnis für die derzeitigen Forderungen der SPD im Pflegestreit.
„Soweit ich die Wünsche der SPD kenne, kosten sie alle sehr viel Geld“,
sagte Laumann, der in Nordrhein-Westfalen Minister für Arbeit, Gesundheit
und Soziales ist, im Deutschlandfunk. „Und es ist eben das Geld überhaupt
nicht da, im Gegenteil, wir müssen gucken, wo können wir in der
Pflegeversicherung auch noch Geld einsparen.“
[1][Es gehe hier um Spargesetze,] die notwendig seien, um die
Gesamtbelastung beim Sozialversicherungsbeitrag nicht noch weiter steigen
zu lassen. Sparen bedeute immer, dass sich etwas nicht zum Positiven
verändere, das liege in der Natur der Sache, sagte Laumann. Die Alternative
bestehe in weiteren Beitragserhöhungen.
Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) will an diesem Mittwoch
einen Gesetzentwurf im Kabinett vorlegen, um ein drohendes
Milliardendefizit der gesetzlichen Pflegeversicherung und höhere Beiträge
zu verhindern. Die Pflegekassen hatten vor einem Minus von 4,4 Milliarden
Euro bis Jahresende gewarnt. Die SPD hatte am Wochenende mit Blockade eines
reinen Spargesetzes gedroht. Konkret verlangen die Sozialdemokraten eine
Deckelung der Pflegekosten für im Heim Gepflegte sowie eine
Kostenbeteiligung der privaten an der gesetzlichen Pflegeversicherung.
Laumann stellte sich hinter Linnemanns Forderung, wonach das
Bundesfinanzministerium mehr als fünf Milliarden Euro Corona-Hilfen an die
Pflegeversicherung zurückzahlen soll. „Ich bin hier auch ganz entschieden
der Meinung, dass die sogenannten Corona-Hilfen – das sind zwischen fünf
und sechs Milliarden Euro – die müssen jetzt wieder in den Topf rein, um
natürlich dann eben auch damit einen Teil der Einsparungen zu erreichen.“
## Auch Privatpatienten sollen laut Laumann weniger zum Arzt
Zur Frage einer Kostenbeteiligung der privaten an der gesetzlichen
Pflegeversicherung sagte Laumann, man müsse sich dann die Grundsatzfrage
stellen, ob man das duale System von gesetzlicher und privater Versicherung
abschaffen wolle. „Soweit ich das beurteilen kann, ist dieses
In-die-Kasse-Greifen der privaten Pflegeversicherung auch rechtlich sehr
schwierig.“ Ob das die Sache nun rette, wisse er nicht. Bisher habe auch
immer ein großer Konsens geherrscht, dass man das duale System nicht
kaputtmachen wolle.
Zum Thema Bevorzugung von Privatpatienten bei der ärztlichen Terminvergabe
sagte Laumann, Deutschland brauche insgesamt eine bessere
Patientensteuerung. Das sehe man schon daran, dass es in Deutschland eine
Milliarde Arzt-Patienten-Kontakte im Jahr gebe. „Das gibt's in keinem
anderen Land, auch vergleichbaren Land.“ Diese bessere Patientensteuerung
müsse dann aber auch für Privatpatienten gelten.
29 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /SPD-droht-mit-Blockade/!6217015
## TAGS
(DIR) Pflege
(DIR) Gesundheitspolitik
(DIR) SPD CDU Koalition
(DIR) Carsten Linnemann
(DIR) GNS
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) SPD droht mit Blockade: Intensive Verhandlungen um die Pflege
Die Pflegereform steht auf der Kippe: Die SPD warnt vor einem
Kürzungspaket. Das Gesundheitsministerium hält am Kabinettsbeschluss am
Mittwoch fest.
(DIR) Umbau des Sozialstaats: Kommen jetzt gerechte Reformen?
Die SPD will einen „Gerechtigkeitscheck“ bei der Pflege- und Rentenreform,
selbst der Kanzler redet von Gerechtigkeit. Fraglich, ob seine Union
mitzieht.
(DIR) Sozialkürzungen: Einzelfallhilfen für Menschen mit Behinderung sind bedroht
Gleich mehrere Gesetze plant die schwarz-rote Bundesregierung, die
Einsparungen bei Menschen mit Behinderungen bedeuten würden. Am Freitag
wird eines davon beraten.