# taz.de -- Organisierte Kriminalität und Politik: Ungebetene Gäste
       
       > Mafia-Bosse und Großkriminelle suchen gerne die Nähe zu Politikern.
       > Darüber könnte der Berliner Linken-Politiker Ferat Koçak jetzt
       > straucheln.
       
 (IMG) Bild: Pate und Oberhaupt einer Großfamilie: Issa Remmo, hier bei der Beerdigung des Intensivtäters Nidal R. im Jahr 2018 in Berlin
       
       Das Foto wirft Fragen auf. Es zeigt den Berliner CDU-Politiker Kai Wegner
       kurz nach seinem Wahlsieg bei den Abgeordnetenhauswahlen im Februar 2023 in
       einem Grill-Lokal in Berlin-Kreuzberg. Neben ihm: Mehmet Kaplankıran, ein
       mehrfach verurteilter und vorbestrafter Mafiaboss. „Warum sitzen Sie mit
       diesem Verbrecher zusammen, Herr Wegner?“, fragte die Bild-Zeitung deshalb
       im April 2023 – eine Woche, [1][bevor Wegner zum Regierenden Bürgermeister
       Berlins gewählt wurde].
       
       Mehmet Kaplankıran, in Berlin als „Kürt Mehmet“ oder „Kurden-Mehmet“
       bekannt, war eine der bekanntesten Größen der [2][Berliner Unter- und
       Halbwelt]. Er soll als eine Art „Pate“ im Hintergrund Streitigkeiten
       geschlichtet, in Berlin mehrere Spielhallen besessen haben und Sponsor
       mehrerer Sportteams gewesen sein. Im Januar 2026 starb er im Alter von 62
       Jahren an den Folgen einer schweren Krebserkrankung. Zu seiner Beerdigung
       kamen zwischen 1.000 und 2.000 Menschen. Die Berliner Polizei begleitete
       die Trauerfeier mit einem Großeinsatz und sprach von einem „Schaulaufen der
       organisierten Kriminalität“, bei dem führende Mitglieder bekannter
       arabischer Großfamilien vor Ort gewesen sein sollen.
       
       Aber zurück zu seinem Foto mit Kai Wegner drei Jahre zuvor: An jenem Tag
       soll das traditionelle Fastenbrechen der Berliner CDU-Fraktion
       stattgefunden haben, erklärte die Berliner CDU auf Anfrage und betonte:
       „Herr Wegner war an der Organisation dieser Veranstaltung nicht beteiligt“,
       sondern sei dort „von Tisch zu Tisch gegangen“ – dabei sei das Foto mit dem
       Berliner Mafiaboss entstanden. „Er war nicht eingeladen, stand auch auf
       keiner Gästeliste“, sagte die CDU über den Berliner Mafiaboss. In den
       Medien schlug die Begegnung damals keine großen Wellen.
       
       Seit Issa Remmo, das Oberhaupt einer als „Remmo-Clan“ bekannten Berliner
       Großfamilie kurdisch-arabischer Herkunft, überraschend bei der Wahlparty
       der Linken in Berlin-Neukölln auftauchte, sorgt das Thema für Schlagzeilen
       und wirft die Frage auf: Was verbindet die Linke mit ihm? Dass sein Sohn
       Firas Remmo noch in derselben Nacht auf Instagram [3][einen Chat-Verlauf
       veröffentlichte, in dem er sich mit dem Linken-Abgeordneten Ferat Koçak
       austauschte] und der ihn mit „Bruder“ ansprach, heizt die Empörung weiter
       an.
       
       ## Was sich Kriminelle von der Politik erhoffen
       
       Mafia-Bosse und andere Großkriminelle suchen immer wieder die Nähe zur
       Politik und zu Prominenten, in der Hoffnung auf gesellschaftliche
       Anerkennung und Einflussnahme. Sie möchten als normale Geschäftsmänner
       erscheinen, indem sie sich auf legale Geschäftszweige verlegen, gern im
       Immobilienbereich, um aus dem Visier der Sicherheitsbehörden
       herauszurücken. Von Politikern erhoffen sie sich, ihnen dabei zu helfen. Im
       Gegenzug haben sie etwas anzubieten: Geld, in Form von Parteispenden. Oder
       Unterstützung im Wahlkampf – etwa indem sie versprechen, ihre Anhänger für
       einen Politiker zu mobilisieren.
       
       Auch wenn der 58-jährige Issa Remmo selbst bisher noch nie verurteilt
       wurde: Seine Familie wird mit schweren Straftaten in Verbindung gebracht.
       Zwei seiner Neffen wurden im Jahr 2020 für den Diebstahl einer Goldmünze
       mit Millionenwert aus dem Berliner Bode-Museum zu mehrjährigen Haftstrafen
       verurteilt, fünf weitere seiner Neffen 2023 für ihren Einbruch in das
       „Grüne Gewölbe“ in Dresden. Hinzu kommen Gewalttaten und andere Verbrechen.
       
       ## Firas Remmos Instagram-Aktivitäten
       
       Auch Issa Remmos Sohn Firas ist kein unbeschriebenes Blatt: Im Januar 2026
       soll er mit drei weiteren Mitgliedern seiner Familie von der Polizei bei
       dem Versuch ertappt worden sein, beim Stromausfall im Berliner Südwesten
       einen Geldautomaten aufzubrechen. Das Verfahren wurde laut Berliner
       Morgenpost eingestellt, für andere Straftaten wurde er schon als
       Jugendlicher verurteilt. Der 30-Jährige ist auf Instagram sehr aktiv: In
       der Vergangenheit postete er mal Selfies mit einem SEK-Beamten, mal mit
       Michael Müller, Berlins ehemaligem SPD-Bürgermeister, und brachte beide
       damit jeweils in Erklärungsnot.
       
       Im Januar 2025 postete er außerdem Aufnahmen von seinem Vater, wie dieser
       fröhlich durch das Berliner Abgeordnetenhaus spazierte, und brachte damit
       den Berliner CDU-Politiker Christian Zander in Verlegenheit. Der hatte Issa
       Remmo nämlich als Teil einer Besuchergruppe zu Gast. „Hätte ich von der
       Teilnahme eines Mitgliedes des Remmo-Clans gewusst, dann wäre diese Gruppe
       von mir ausgeladen worden“, verteidigte sich Zander damals.
       
       Nun rätselt alle Welt: Was verleitete Issa Remmo dazu, [4][am Wahlabend die
       Feiern der Linken in Neukölln und Kreuzberg aufzusuchen]? Freute er sich
       einfach über den Wahlerfolg von Elif Eralp und suchte er deshalb die Nähe
       zur möglichen nächsten Regierungspartei? Und was trieb seinen Sohn dazu, am
       nächsten Tag Ferat Koçak mit einem Instagram-Post öffentlich bloßzustellen?
       Wollte sich der Sohn dafür rächen, dass sein Vater bei der Wahlfeier
       abgewiesen wurde? Wollten beide der Linken absichtlich schaden? Oder
       wollten sie damit eine Botschaft senden – und wenn ja, welche?
       
       ## Wie geht es mit Ferat Koçak weiter?
       
       Die Linke distanzierte sich jedenfalls umgehend vom ungebetenen Gast. Und
       Ferat Koçak [5][entschuldigte sich dafür], sich mit dessen Sohn
       ausgetauscht zu haben, zog sich aus der Öffentlichkeit zurück und [6][legte
       seine Arbeit im Innenausschuss vorübergehend nieder]. Nun muss die Linke
       aufklären, ob es noch weitere Verfehlungen gibt – eine dubiose Parteispende
       etwa oder weitergehende Kontakte.
       
       Der vertrauliche Austausch auf Social Media wiegt schwerer als
       Schnappschüsse mit Größen der Unterwelt. Bisher gibt es aber keine Belege
       dafür, dass die Verbindung zwischen Ferat Koçak und dem Remmo-Sohn über die
       bekannt gewordenen Zeilen in einem Social-Media-Chat hinausgeht. Und noch
       steht die Parteispitze der Linken hinter ihm. Dennoch ist der politische
       Druck auf ihn so groß, dass Ferat Koçak darüber straucheln könnte. Er
       könnte ein Bauernopfer im Koalitionspoker zwischen Berliner SPD, Grünen und
       Linken werden.
       
       24 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Wahl-im-Berliner-Abgeordnetenhaus/!5930934
 (DIR) [2] /Razzien-gegen-Clankriminalitaet/!6167827
 (DIR) [3] /Chat-mit-Mitglied-des-Remmo-Clans/!6215212
 (DIR) [4] /Berliner-Linke/!6214991
 (DIR) [5] /Affaere-um-Ferat-Kocak/!6215297
 (DIR) [6] /Wegen-Clan-Kontakten/!6215405
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniel Bax
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Die Linke
 (DIR) Ferat Koçak 
 (DIR) Organisierte Kriminalität
 (DIR) Berlin
 (DIR) Die Linke Berlin
 (DIR) Remmo-Clan
 (DIR) Schwerpunkt Wahlen in Berlin
 (DIR) CDU Berlin
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Social-Auswahl
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Affäre um Ferat Koçak: „Grüße mit Respekt an deinen Vater“
       
       Die dubiosen Kontakte des Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak werfen Fragen
       auf. Doch kann man deshalb ein Urteil über eine ganze Partei fällen?
       
 (DIR) Linken-Politiker Ferat Koçak: Neuköllner Anliegen im Bundestag
       
       Nach seinem ersten Jahr im Bundestag lädt der linke Wahlkreisgewinner von
       Berlin-Neukölln zum Austausch. Dabei inszeniert er sich als
       Anti-Abgeordneter.
       
 (DIR) Razzien gegen Clankriminalität: Hoher Aufwand, wenig Ertrag
       
       Berlins Polizei geht immer seltener mit Razzien gegen „Clankriminalität“
       vor. Eine Abkehr von der umstrittenen Strategie bedeutet das allerdings
       nicht.