# taz.de -- Razzien gegen Clankriminalität: Hoher Aufwand, wenig Ertrag
> Berlins Polizei geht immer seltener mit Razzien gegen „Clankriminalität“
> vor. Eine Abkehr von der umstrittenen Strategie bedeutet das allerdings
> nicht.
(IMG) Bild: Bei einer Razzia in Berlin-Neukölln haben Zollbeamte Shishatabak beschlagnahmt
Berlins schwarz-rote Koalition hat sich den Kampf gegen [1][sogenannte
Clankriminalität] auf die Fahnen geschrieben. Gleichzeitig sinkt die Zahl
der umstrittenen Razzien in dem Bereich seit Jahren deutlich. Fanden 2020
noch 240 sogenannte Schwerpunkt- und Kontrolleinsätze statt, waren es im
vergangenen Jahr nur noch 71. Das geht aus einer [2][aktuellen Antwort der
Innenverwaltung] auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Niklas Schrader
hervor.
Einen Großteil der Einsätze führte die Polizei demnach gemeinsam mit
anderen Behörden durch, vor allem dem Zoll und dem Ordnungsamt. Sie
überprüften etwa, ob der Jugendschutz eingehalten wird, und gingen dem
Verdacht auf Schwarzarbeit nach. Teilweise waren Dutzende
Polizist*innen beteiligt.
Für diese groß angelegten sogenannten Verbundeinsätze brauchen die Behörden
meistens keinen Durchsuchungsbeschluss. Nicht nur wegen der rechtlichen
Unsicherheit stehen die Razzien [3][seit Langem in der Kritik]. „Das
Konzept leistet Pauschalisierung und Stigmatisierung Vorschub“, sagt etwa
der Linken-Abgeordnete Schrader. „Der Schaden für betroffene Betriebe ist
hoch und kann schnell existenziell werden.“
Die Polizei hingegen verteidigt ihre Strategie: „Stadtweit koordinierte
Verbundeinsätze mit anderen Behörden gewährleisten seit Jahren die
fortlaufende Bekämpfung der organisierten Kriminalität“, sagte ein Sprecher
auf taz-Anfrage.
## Verändertes Konzept
Dass deutlich weniger Einsätze stattgefunden haben, liege an einem
veränderten Konzept, das die Behörde 2022 eingeführt habe, so der Sprecher.
Zudem sei die Polizei im Jahr 2024 mit der Fußball-Europameisterschaft und
Nahost-Demonstrationen beschäftigt gewesen. „Es erfolgte die Bündelung der
Ressourcen in anderen Phänomenbereichen, sodass die Bekämpfung der
organisierten Kriminalität mit einem angepassten Kräfteeinsatz fortgeführt
wurde“, erläuterte er.
Die aktuellen Zahlen nähren trotzdem Zweifel, ob der Ertrag der
Verbundeinsätze den weiterhin hohen Aufwand rechtfertigt. Bei den rund 100
Razzien seit Spätsommer 2024, die in der Antwort der Senatsinnenverwaltung
gelistet sind, wurden knapp 500 Geschäfte und 2.800 Personen kontrolliert.
Das Ergebnis: etwa 190 Strafanzeigen und gut 400 Ordnungswidrigkeiten.
Dabei sei unklar, ob die festgestellten Straftaten und Ordnungswidrigkeiten
überhaupt einen Bezug zur organisierten Kriminalität haben, räumt die
Verwaltung in dem Schreiben ein. Tatsächlich handelt es sich bei
„Clankriminalität“ – anders als oft dargestellt – nicht unbedingt um
organisierte Kriminalität.
Die Definition von organisierter Kriminalität verlangt, dass sich mehrere
Personen über eine längere Zeit zusammentun, um Straftaten „von erheblicher
Bedeutung“ zu begehen. Unter „Clankriminalität“ hingegen werden alle
möglichen Straftaten und Ordnungswidrigkeiten gefasst, die von Menschen
begangen werden, die ein „gemeinsames Abstammungsverhältnis“ – vermeintlich
– verbindet.
Gleichzeitig rechnet die Polizei immer mehr Menschen dem Milieu der
„Clankriminalität“ zu. Im März 2026 waren es knapp 600 Einträge – das sind
rund 60 Einträge mehr als 2024, obwohl in der Zwischenzeit auch Dutzende
Personen aus der Datenbank gelöscht wurden. Zusätzlich dazu [4][führt die
Polizei eine weitere Datei] mit dem Titel „Gruppierungen aus dem arabischen
Sprachraum“, in der die Daten von tausenden Personen gespeichert sind.
Darin sind wohl auch Personen enthalten, die sich nichts zuschulden kommen
lassen, aber einen vorbelasteten Familiennamen tragen.
Von den rund 600 Personen mit dem Vermerk „Clankriminalität“ sind seit
Sommer 2024 lediglich 90 mit Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten in
Erscheinung getreten. Ihre häufigsten Delikte waren laut der Senatsantwort
Beleidigungen, einfacher Ladendiebstahl oder Fahren ohne Autoversicherung.
Die am häufigsten registrierte Ordnungswidrigkeit war das Parken nicht
angemeldeter Fahrzeuge auf öffentlichen Parkplätzen.
6 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Was-ist-Clankriminalitaet/!5972037
(DIR) [2] https://pardok.parlament-berlin.de/starweb/adis/citat/VT/19/SchrAnfr/S19-25375.pdf
(DIR) [3] https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/verbundeinsaetze-polizei-ordnungsamt-razzien-neukoelln-rechtmaessig-effektiv-verhaeltnismaessig
(DIR) [4] /Polizei-und-Clankriminalitaet/!6064993
## AUTOREN
(DIR) Hanno Fleckenstein
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