# taz.de -- Rot-Rot-Grün in Mecklenburg-Vorpommern: Muss ja
> Rot-Rot-Grün hat in Mecklenburg-Vorpommern eine Mehrheit. Trotz
> Animositäten sind SPD, Linke und Grüne bereit, miteinander zu koalieren.
(IMG) Bild: Hopp, hopp: Mecklenburg-Vorpommerns bisherige und wohl auch künftige SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig
Manuela Schwesig will nichts anbrennen lassen. Bereits in der kommenden
Woche sollen in Schwerin Gespräche zur Bildung einer rot-rot-grünen
Koalition starten. Sie wolle kein „Regierungschaos wie in Sachsen-Anhalt“,
sagt die bisherige und wohl auch künftige SPD-Ministerpräsidentin von
Mecklenburg-Vorpommern. Die Einladungen an die Linke und die Grünen sind
längst raus.
Es gehe darum, „eine stabile Regierung zu bilden und Mecklenburg-Vorpommern
weiter voranzubringen“, so Schwesig unmittelbar nach der Landtagswahl am
20. September. Sie folgt damit auch ihrem Wahlkampfcredo: [1][Alles ist
gut, alles wird besser.] Weiter so dank Schwesig. Also: hopp, hopp.
Stärkste Kraft wurde zwar mit 38 Prozent die rechtsextreme AfD. Knapp
dahinter folgt mit 35 Prozent allerdings schon die SPD. Zusammen mit Linker
und Grünen, die sich jeweils knapp über 5 Prozent schleppten, kommt
Schwesig auf eine Mehrheit der Sitze. Es ist gleichwohl auch die einzige
demokratische Mehrheitsoption, [2][nachdem die CDU aus dem Landtag geflogen
ist].
Anders als in Berlin, wo SPD, Grüne und Linke nach der Wahl zum
Abgeordnetenhaus allerorten rote Linien gegen eine Zusammenarbeit suchen
und finden, geht es in Mecklenburg-Vorpommern deutlich geräuschärmer zu.
Nahost ist in Nordost jedenfalls kein Thema. „Ruhe und Konzentration sind
schon auch gut und wichtig gerade“, sagt der Linke-Landesvorsitzende Hennis
Herbst zur taz. Er gehe „zuversichtlich“ in die Gespräche mit SPD und
Grünen.
## Geschrumpfte Linkspartei muskelt auf
Absehbar ist trotzdem, dass das Regieren für Schwesig ungemütlicher wird.
Hatte sich die Linke als bisher alleiniger Koalitionspartner [3][in den
vergangenen fünf Jahren eher konfliktscheu gezeigt], muskelt die seit
Sonntag arg geschrumpfte Partei nun umso mehr auf.
Mit Blick auf das AfD-Ergebnis dürfe es eben kein Weiter-so geben, sagt
Hennis Herbst. Da müsse „sich jede und jeder selbst hinterfragen“. Denn:
„Wenn es so weiterläuft wie bisher, haben wir in fünf Jahren ein großes
Problem, dann sieht es düster aus.“
Der Linke-Chef zielt damit zwar zuvorderst auf die Politik der
Bundesregierung, die der AfD die Wähler regelrecht zutreibe. Die
Landesregierung ist aber mitgemeint. Ob Sozialkürzungen oder Aufrüstung:
„Wir brauchen eine Landespolitik, die sich dem entgegenstellt.“
Gut möglich, dass die Linke Schwesig an ihrer Seite hat, was die
Sozialkürzungen betrifft. „Ich lasse mich von Sachzwängen nicht mehr
einfangen“, soll sie laut Table Media am Tag nach der Wahl im Präsidium der
Bundes-SPD auf den Tisch gehauen haben. Auch im Wahlkampf stellte sie sich
vehement gegen die ungeliebten Reformen der Bundesregierung.
## Knackpunkte Aufrüstung und Klimaschutz
Kniffliger wird es beim Thema Militär. Aufrüstungsgegner Herbst sagt: „Wir
werden hier unsere Positionen sehr deutlich machen.“ Ob Schwesig das
interessiert, bleibt dahingestellt. Bislang hat sie noch jeden
Bundeswehrauftrag für eine Werft im Land als ultimativen Jobbringer
gefeiert. Mehr noch: Auch [4][Grünen-Spitzenfrau Claudia Müller] steht
hinter dem sogenannten grauen Schiffsbau.
Müller könnte in den Verhandlungen für Schwesig als Ausgleich ganz andere
Zumutungen bereithalten. So warfen die Grünen zuletzt immer lauter SPD und
Linken [5][Untätigkeit und Unfähigkeit beim Klimaschutz] vor. Zu Recht: Das
Ziel der Klimaneutralität wurde unter Rot-Rot in diesem Jahr mal locker
nebenbei von 2040 auf 2045 verschoben.
Die Grünen dürfte darauf drängen, dass das rückgängig gemacht wird. Sehr
sicher wird die Partei im Kabinett auch den Bereich Klimaschutz für sich
beanspruchen. Überhaupt die Posten: Medienberichten zufolge beanspruchen
sowohl Linke als auch Grüne – ihren Wahlergebnissen zum Trotz – jeweils
zwei Ministerinnenposten im achtköpfigen Kabinett für sich. Der SPD blieben
dann nur vier.
Gerüchte kommentieren wir nicht, sagt Hennis Herbst: „Uns geht es jetzt
erst mal um die inhaltliche Ausrichtung der Koalition, nicht um Posten.“
Auch Grünen-Verhandlungsführerin Claudia Müller hält sich bedeckt: „Zu den
Inhalten und zur künftigen Struktur einer möglichen Landesregierung suchen
wir zunächst das Gespräch mit den übrigen demokratischen Parteien.“
Im Klartext: Es wird nichts über die Medien gespielt. So viel dann aber
doch: „Für unsere Kernanliegen werden wir in den Verhandlungen klar
eintreten“, sagt Müller zur taz.
## Giftige Stimmung auf den letzten Wahlkampfmetern
Die Verhandlungen versprechen, spannend zu werden. Zumal es unter den
Koalitionären in spe auf den letzten Metern vor der Wahl durchaus giftig
zuging. Aus Linken-Kreisen war sinngemäß zu hören: Am besten wäre, die
Grünen ziehen erst gar nicht ein ins Parlament, dann reicht es auch für
Rot-Rot. Die Grünen selbst hatten sich ihrerseits vor allem auf die SPD
eingeschossen.
So sagte Grünen-Parteichef Felix Banaszak wenige Tage vor der Wahl zur taz,
er halte Schwesigs Wahlkampfstrategie „Ich oder die AfD“ für „absolut
unverantwortlich“. Es gehe ja „am Ende nicht um einen schönen Wahlabend für
Manuela Schwesig, sondern um fünf Jahre für Mecklenburg-Vorpommern“.
Rot-Rot – das präferierte Bündnis auch der Ministerpräsidentin – nannte er
eine „Pseudoperspektive“.
SPD-Generalsekretär Julian Barlen keilte zurück. Die Vorwürfe seien „absurd
und falsch“. Wer die AfD verhindern wolle, müsse SPD wählen. „Auch die
Grünen sollten als Demokraten ein Interesse daran haben“, so Barlen.
Letztlich kam es sowieso anders. Die Grünen gaben zwar Stimmen an Schwesig
ab, sammelten dafür aber in gleichem Maße ehemalige Nichtwähler, CDU- und
FDP-Anhänger ein. Erwischt hat es dafür die Linke, die ausschließlich
verlor, auch und vor allem an die SPD.
Angesichts fehlender Alternativen lautet die Parole bei SPD, Linken und
Grünen nun aber: Muss ja. Es wird auch so kompliziert genug. Schließlich
[6][verfügt die extreme Rechte seit der Wahl über eine Sperrminorität] im
Landtag. Die AfD kann damit alle Entscheidungen blockieren, für die eine
Zweidrittelmehrheit vonnöten ist. Umso wichtiger sei es jetzt, so Claudia
Müller, „dass die demokratischen Parteien konstruktiv zusammenarbeiten und
verlässlich regieren“.
25 Sep 2026
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## AUTOREN
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