# taz.de -- CDU-Aus in Mecklenburg-Vorpommern: Fassungslosigkeit nach dem Super-GAU
       
       > Erstmals in ihrer Geschichte ist die CDU nun APO. Daran sei auch der
       > Landesverband schuld, heißt es aus Mecklenburg-Vorpommern. Landeschef
       > Daniel Peters tritt zurück.
       
 (IMG) Bild: Lief nicht so gut: Bei seiner Wahlkampf-Visite an der Ostsee musste sich der Kanzler von AfD-Leuten anbrüllen lassen
       
       „Jaaa“, sagt er gedehnt. Der Moderator der Landespressekonferenz von
       Mecklenburg-Vorpommern wirkt ratlos. „Warum die CDU nicht gekommen ist? Wir
       wissen es nicht.“ Die für eine Stellungnahme zum Wahlergebnis am
       Montagnachmittag im Schweriner Schloss angekündigte Generalsekretärin der
       Landes-CDU, Katy Hoffmeister, ist auf Tauchstation gegangen.
       
       Auch der Sprecher der Christdemokrat:innen hat auf taz-Nachfrage keine
       Idee, wo Hoffmeister abgeblieben sein könnte. Seine Erklärung: „Es war ja
       nicht unsere Veranstaltung, sondern eine Einladung. Manchmal folgt man
       Einladungen nicht.“
       
       Es ist der Tag nach dem Super-GAU. Die CDU in Mecklenburg-Vorpommern ist
       raus, erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik aus einem Landtag
       geflogen. Die im Nordosten viele Jahre das Land prägende und mitregierende
       Partei ist hier jetzt APO, außerparlamentarische Opposition.
       
       Schon auf der „Wahlparty“ genannten Trauerveranstaltung am Sonntagabend in
       einer Schweriner Tanzschule zeigt sich, dass manche im CDU-Landesverband
       vom Absturz ihrer Partei von den ohnehin dürftigen 13 Prozent vor fünf
       Jahren auf nun [1][richtig katastrophale 4,9 Prozent] offenkundig kalt
       erwischt worden sind. Andere sagen, sie hätten von Beginn an ein sehr
       ungutes Gefühl gehabt.
       
       ## Merz’ Visite als Anfang vom Ende
       
       Dirk Petersen gehört zu den frühen Skeptiker:innen. Der 66-Jährige war
       einst CDU-Kreisvorsitzender von Bad Doberan, nach wie vor engagiert er sich
       vor Ort als Mitgliederbeauftragter. Petersen war dabei, als Friedrich Merz
       am letzten Augusttag zur Unterstützung von CDU-Spitzenkandidat Daniel
       Peters [2][eine äußerst kurze Visite im nahen Kühlungsborn] machte. „Dieser
       Auftritt mit Merz – was sollte das denn? Das war doch nichts“, sagt
       Petersen zur taz.
       
       Erst hielt sich der Kanzler für die Medien ewig in einem Fischrestaurant
       auf, und als er sich endlich herauswagte auf die Kühlungsborner
       Strandpromenade, wurde er ausgebuht. „So bitter das ist: Da wusste ich, das
       ist der Anfang vom Ende“, sagt Petersen am Tag nach der Wahl.
       
       Auch die CDU-Kampagne mit ihren Fischbrötchen-Motiven habe nicht zu „diesem
       hochbrisanten Wahlkampf“ gepasst. Das Wahlprogramm sei nicht schlecht
       gewesen, findet der CDU-Mann. Aber mit ihren zentralen Forderungen –
       [3][einem Baukindergeld oder einem Zuschuss zur Fahrerlaubnis für
       Jugendliche] – wäre die CDU schlicht nicht durchgedrungen, so Petersen.
       
       „Die Kampagne hat jetzt nicht wahnsinnig mobilisiert“, meint auch Jascha
       Dopp, der als CDU-Direktkandidat in Schwerin vollkommen chancenlos
       ausgerechnet gegen SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und
       AfD-Herausforderer Leif-Erik Holm angetreten ist. Dopp, zugleich
       CDU-Kreischef in der Landeshauptstadt, sagt rückblickend: „Eigentlich hat
       so gar nichts gepasst.“
       
       ## Kehraus im Landtag
       
       Die Fischbrötchen-Nummer habe ihn am Anfang noch überzeugt. Hier links, da
       rechts, die CDU wie der Fisch in der Mitte, sagt Jascha Dopp zur taz: Das
       komme „vielleicht als Aufhänger peppig daher und bringt mir erst mal
       Aufmerksamkeit. Doch dann muss hinterher schon noch mehr kommen.“ Und das
       war nicht der Fall.
       
       Weder Petersen noch Dopp wollen das Ergebnis ausschließlich auf die
       Bundes-CDU schieben. „Klar“, sagt Dopp, „von der Bundesebene kam kein
       Rückenwind“. Aber das erkläre nicht alles. „Auf der Landesebene kam hinzu,
       dass diese Polarisierung zwischen Rot-Rot und AfD wirklich krasse
       Auswirkungen hatte, und zwar für alle kleinen Parteien.“
       
       CDU-Urgestein Dirk Petersen nimmt auch das Auftreten des Landesverbands
       nicht von seiner Kritik aus. „Nach den 13 Prozent vor fünf Jahren kam in
       den Umfragen noch mal ein kleines Zwischenhoch, da haben die sich schon
       wieder drauf ausgeruht. Oder haben Sie die CDU real seither groß
       wahrgenommen?“, fragt er rhetorisch.
       
       Für die Abgeordneten und Mitarbeiter:innen der Partei, die im
       Landtagsgebäude von Mecklenburg-Vorpommern, so Petersen, bislang „die
       schönsten Räume“ belegten, ist in den kommenden Tagen Kehraus angesagt.
       „Schon Wahnsinn. Das ist jetzt alles vorbei.“
       
       ## Amthor im Gespräch für Peters-Nachfolge
       
       Und leichter wird es nun erst recht nicht. „Das werden ganz, ganz
       schwierige Jahre“, befürchtet jedenfalls Oliver Kaiser. Der ehemalige
       stellvertretende Regierungssprecher warnt im Gespräch mit der taz schon vor
       einem Teufelskreis. „Wenn die Abgeordneten wegfallen, wenn die
       Wahlkreisbüros wegfallen, wenn die Mitarbeiter wegfallen, ist Präsenz in
       der Fläche schwer herstellbar. Zugleich ist das unser einziger Weg: dass
       wir mehr in die Fläche gehen und dort präsent sind.“
       
       Was es derzeit nicht brauche, seien Personaldebatten. In diesem Fall wäre
       es doch „einigermaßen unbestritten, dass wir mit einem sehr schlechten
       Bundestrend zu kämpfen hatten“, sagt Kaiser. Er ist sich daher sicher, dass
       die Partei „die Hauptschuld“ nicht beim Landesvorsitzenden suchen wird,
       Spitzenkandidat Daniel Peters.
       
       Ähnlich sieht es Schwerins Kreischef Dopp. Die Landesverband hatte in den
       vergangenen sechs Jahren fünf Wechsel an der Parteispitze, erst 2024
       übernahm Peters. „Dass man das Ergebnis gerade dem anlastet, der ganz zum
       Schluss die Verantwortung übernommen hat und sich nach vorn gestellt hat,
       wäre deutlich zu einfach“, sagt Dopp.
       
       Dabei sind am Montag die Debatten längst im Gange. In der Nordost-CDU wurde
       in dem Zusammenhang vor allem auf Philipp Amthor verwiesen. Der 34-Jährige
       aus Vorpommern, der trotz seines Alters schon etliche Skandale hingelegt
       hat und jüngst zum Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit im
       Kanzleramt befördert wurde, war bis Mai vergangenen Jahres schon
       Generalsekretär der Landes-CDU.
       
       ## Ein-Prozent-Partei bei jungen Menschen
       
       Dirk Petersen sieht es so: „Nichts gegen Daniel Peters. Das ist ein guter
       Typ.“ Aber leider sei Peters im Wahlkampf zwischen Rechts und Links
       zerrieben worden – und natürlich sollte sich die Partei überlegen, wie sie
       sich nach diesem „traurigen Tag“ neu aufstellt.
       
       „Wir müssen uns doch jetzt um die Wähler von 2031 kümmern – und das heißt
       auch: um die jungen Wähler.“ Am Sonntag holte die CDU in der Altersgruppe
       der 16- bis 24-Jährigen gerade mal ein Prozent. Doch die seien die Zukunft.
       Philipp Amthor wäre ein Versuch, hier wieder Tritt zu fassen, so der
       Altvordere aus Bad Doberan.
       
       Daniel Peters ist am Montag übrigens so gesprächig wie seine
       Generalsekretärin Katy Hoffmeister. Ursprünglich sollte er bei der in
       Berlin veranstalteten Nachwahl-Pressekonferenz von Kanzler Merz antanzen
       und irgendetwas sagen. Allein, auch Peters sei bedauerlicherweise
       verhindert, erklärt Merz. Er sei in Schwerin geblieben, „weil er dort die
       Landtagsfraktion zusammengerufen hat, die sich jetzt auflösen wird“.
       
       Immerhin eines lässt Peters dann aber später doch noch mitteilen: „Wir
       haben ja nichts mehr zu sagen.“ Vize-Parteichefin Ann Christin von
       Allwörden hat bereits ihren Rücktritt angekündigt.
       
       Wie sich später zeigt, geht sie nicht allein. Am Montagabend folgt der
       Rücktritt von Daniel Peters. Kommissarisch übernehmen soll sein Amt:
       Philipp Amthor. Damit hat die CDU Mecklenburg-Vorpommern wenigstens das
       vorherige schräge Zahlenverhältnis ausgeglichen und bringt es jetzt auf
       sechs Wechsel in sechs Jahren.
       
       Anm. d. Red.: Der Beitrag wurde am Montagabend mit Blick auf den Rücktritt
       von Daniel Peters aktualisiert.
       
       21 Sep 2026
       
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