# taz.de -- Kampagne gegen die Linkspartei: Keinen Fußbreit dem Antisemitismus!
       
       > Mit aller Macht kämpfen CDU sowie Teile der Berliner SPD und einige Grüne
       > gegen eine rot-grün-rote Koalition. Und die Linke ebnet ihnen den Weg
       > dafür.
       
 (IMG) Bild: Bei Antisemitismus muss gelten: keinen Fußbreit! Es bräuchte eine linke Brandmauer gegen Antisemitismus, aber keine Kamppagne gegen die Linkspartei
       
       Es besteht kein Zweifel. Was gerade in Berlin geschieht, ist [1][eine
       Kampagne gegen die Linkspartei.] Zum Teil haltlose, zum Teil durchsichtige
       Argumente werden abgefeuert gegen eine mögliche rot-grün-rote Regierung.
       Die ganz große Koalition der Verlierer:innen aus CDU, SPD und
       T[2][eilen der Grünen] versucht, den Einzug der Wahlsiegerin Elif Eralp ins
       Rote Rathaus zu verhindern – mit allen Mitteln. Weil das so schön einfach
       ist, brandmarkt sie die Linke auch als antisemitisch. Und die Linkspartei
       rollt ihr für diese Kampagne [3][den roten Teppich] aus.
       
       Es besteht kein Zweifel – auch das muss klar gesagt werden: Die Linkspartei
       ist nicht antisemitisch, jedenfalls nicht mehr als andere auch, vielleicht
       sogar weniger. Aber es nutzt nichts, mit dem Finger auf andere zu zeigen,
       wenn man selbst nicht ganz klar ist. Das fällt zugegebenermaßen bei allen
       Debatten um Nahost nicht ganz leicht. Da geht viel durcheinander.
       Einerseits wird die berechtigt scharfe Kritik an der israelischen Regierung
       fälschlicherweise als Antisemitismus verunglimpft. Andererseits wird
       Antisemitismus als angebliche Israelkritik entschuldigt – was gar nicht
       geht. Denn auch bei Antisemitismus muss gelten: keinen Fußbreit!
       
       Wer aber [4][Rapper auf der Parteibühne von Intifada] und vom Tod der
       israelischen Armee schwärmen lässt, muss sich nicht wundern, wenn andere
       hier mehr als einen Fußbreit Antisemitismus sehen. Da hilft kein „War nicht
       so gemeint“, selbst wenn es stimmen sollte. Und es hilft erst recht nicht,
       wenn dann noch der Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak [5][Kontakt zu
       gewaltaffinen Typen zugeben] muss. Hat zwar nichts mit Antisemitismus zu
       tun, lässt sich aber schlecht verkaufen.
       
       Eine innerparteiliche Diskussion war lange überfällig. Die Distanzierung
       von Elif Eralp ist ein Schritt in die richtige Richtung, wird jedoch kaum
       noch reichen. Es bräuchte eine linke Brandmauer gegen Antisemitismus. Und
       personelle Konsequenzen, solange auch nur der Hauch eines Zweifels bleibt,
       auf welcher Seite dieser Mauer jemand steht.
       
       Es geht um Humanismus. Um die Selbstverständlichkeit, dass niemand wegen
       Herkunft oder Glauben um sein Wohlergehen in der Stadt fürchten muss. Und
       um noch viel mehr. Denn wenn die Wahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und
       Mecklenburg-Vorpommern etwas gemeinsam haben, dann dass ein Großteil der
       Wähler:innen tatsächlich eines will: Veränderung. Sie finden sie nicht
       mehr in der bis zur Unkenntlichkeit ausgewogenen Mitte. Die Alternative
       heißt daher gerade: Linke Politik oder Faschismus. Das darf vor allem die
       Linkspartei selbst jetzt nicht versemmeln.
       
       23 Sep 2026
       
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