# taz.de -- Antisemitismus bei der Linken: Ansagen von der Bundesebene
> Die Bundesspitzen von Grünen und SPD äußern sich noch ein Stück
> kritischer als ihre Berliner Spitzenkandidaten zu einer Koalition mit der
> Linkspartei.
(IMG) Bild: Die Linkspartei ist für die SPD-Bundesvorsitzende Bärbel Bas „in Teilen oder in großen Teilen antisemitisch unterwegs“
Die Debatte um Antisemitismus bei der Linkspartei und ein mögliches
Linksbündnis hat eine völlig ungewohnte Dynamik bekommen. Denn anders als
sonst üblich nach einer Landtagswahl gibt es deutliche Worte der
Bundesvorsitzenden von Grünen und SPD als mögliche Koalitionspartner.
Während sich die Bundesebene sonst zurückhält, kommen nun Einschätzungen,
die zugespitzter als die Äußerungen der örtlichen Spitzenkandidaten wirken
– und wie eine Ansage an die Berliner Parteifreunde.
Von SPD-Bundeschefin Bärbel Bas ist über die Linkspartei zu hören: „Ich
finde, das ist eine ganz schwierige Situation, mit einer Partei
zusammenzuarbeiten, die in Teilen oder auch in großen Teilen antisemitisch
unterwegs ist.“ In großen Teilen antisemitisch unterwegs – das steht in
klarem Gegensatz zu einer Zusicherung [1][von Linkspartei-Spitzenkandidatin
Elif Eralp elf Tage vor dem Wahlsonntag]. „Die ganz große Mehrheit in
meiner Partei steht für den Schutz jüdischen Lebens“, sagte Eralp damals in
der wiederaufgebauten früheren Synagoge in der Oranienburgerstraße, die die
Nazis 1938 abgefackelt hatten.
Von Spitzenkandidat Steffen Krach war dort zu hören gewesen, dass er keine
konkreten Konsequenzen etwa auf antisemitische Äußerungen eines Rappers bei
einer Veranstaltung der Neuköllner Linkspartei sehe. Zwar hatte Krach
[2][kurz vor der Wahl] die Linkspartei „nicht regierungsfähig“ genannt. „In
großen Teilen“ wie Bas schrieb er ihr Antisemitismus – zumindest nach
taz-Wahrnehmung – aber nicht zu.
Nun könnte man sagen: Das hat Bas einfach so gesagt, das ist nicht auf die
Goldwaage zu legen. Aber sagt eine Parteivorsitzende und Bundesministerin
bei einem offiziellen Pressestatement einfach so etwas? Hoffentlich nicht.
Also steckt eine Botschaft dahinter, und die scheint nicht zu lauten: Macht
mal mit der Linkspartei, auf dem Trip sind wir auf Bundesebene auch bald.
## Eine Mahnung an die Berliner Parteifreunde
Bei den Grünen thematisierte deren Bundesvorsitzender Felix Banaszak von
sich aus, dass bei der Wahlparty der Linkspartei der Clan-Chef Issa Remmo
auftauchte sowie Ibrahim Ibrahim, ein Unterstützer der Organisation PFLP,
[3][die auf der EU-Terrorliste steht]. Dieser Besuch war für den
Grünen-Chef offenbar kein Zufall. „Wie kommt Herr Remmo darauf, dort den
Wahlabend zu verbringen? Wie kommt Herr Ibrahim darauf?“, warf der
Grünen-Chef vor Journalisten als Fragen auf. So etwas war in dieser Schärfe
nicht von seinem Berliner Spitzenkandidaten Werner Graf zu hören.
Der sagte zwar wie Banaszaks Co-Vorsitzende Franziska Brantner, die
Linkspartei müsse antisemitische Stimmen in die Schranken weisen, und
beschränkte das auch nicht wie zuvor auf deren Neuköllner Bezirksverband.
Brantners Nachsatz aber klang wie eine sehr deutliche Mahnung an die
Berliner Grünen: „Sonst kann man sich doch hier gar keine Regierung
vorstellen.“
22 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Antisemitismus-Debatte-im-Wahlkampf/!6211645
(DIR) [2] /Abgeordnetenhauswahl-am-20-September/!6211308
(DIR) [3] https://www.verfassungsschutz.de/SharedDocs/hintergruende/DE/auslandsbezogener-extremismus/saekularer-propalaestinensischer-extremismus.html#doc2263334bodyText2
## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
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