# taz.de -- Vor dem Start von Sondierungen: Jetzt warnen Ex-SPD-Größen vor der Linkspartei
       
       > Frühere Senatoren und Parteichefs der SPD melden sich zu Wort. Eine
       > Koalition mit der Elif-Eralp-Partei halten sie für unvereinbar mit „roten
       > Linien sozialdemokratischer Werte“.
       
 (IMG) Bild: In der SPD gibt es starken Gegenwind früherer Parteigrößen gegen eine Koalition mit der Linkspartei
       
       Nach [1][Mahnungen aus der CDU] lehnt nun auch ein breites Bündnis
       ehemaliger SPD-Größen Gespräche der Sozialdemokraten mit der Linkspartei
       über eine Koalition ab. Sie halten der Partei von Spitzenkandidaten Elif
       Eralp vor, sich nicht ausreichend von Antisemitismus auch in den eigenen
       Reihen abzugrenzen. Ab Montag stehen erste Sondierungen an, zu denen die
       Linkspartei als stärkste Kraft der Abgeordnetenhauswahl bereits
       vor-eingeladen hat – erforderlich ist dazu noch ein Beschluss eines für
       Freitag angesetzten Parteitags der Linkspartei.
       
       „Es gehört zu den roten Linien sozialdemokratischer Werte, nicht mit
       Antisemiten und Terroristen gemeinsame Sache zu machen“, heißt es in dem
       Papier. „Wir sehen deshalb derzeit keine Basis für Gespräche mit der
       Linkspartei.“ Unter diesen Zeilen stehen die Namen von acht früheren
       Senatsmitgliedern, vier Ex-SPD-Landesvorsitzenden, einem Dutzend ehemaliger
       Staatssekretäre und Stadträte sowie von früheren Abgeordneten, nicht aber
       von aktuellen Amtsträgern. Mit dabei sind auch die vormaligen Regierenden
       Bürgermeister Michael Müller und Walter Momper.
       
       Eralp selbst und ihre Landesvorsitzende Kerstin Wolter hatten zwar
       [2][antisemitische Töne bei dem Auftritt eines Rappers] bei der Neuköllner
       Linkpartei kritisiert. Das überzeugt die unterzeichnenden SPDler aber nach
       deren Worten nicht: „Die Distanzierung einzelner bei den Linken kann nicht
       darüber hinwegtäuschen, dass wesentliche Teile der Linkspartei dazu
       beitragen, dass jüdisches Leben in Berlin bedroht wird.“
       
       Die früheren SPD-Größen beziehen sich auch auf den Wahlparty-Besuch bei der
       Linkspartei [3][von Clan-Chef Issa Remmo und Ibrahim Ibrahim]. „Mit
       Entsetzen haben wir verfolgt, dass die Linke auf ihrer Wahlparty mit dem
       Anführer einer Organisation, die international als Unterstützer des
       Terrorismus der Hamas angesehen wird, sowie mit dem Boss eines kriminellen
       Clans gefeiert und getanzt hat“, so das Schreiben. Von der Linkspartei
       hatte es zum Remmo-Besuch geheißen, man habe ihn nicht eingeladen und zum
       Gehen aufgefordert, als seine Anwesenheit bekannt wurde. Von Ibrahim
       Ibrahim kursiert ein Foto, das ihn [4][auf der Wahlparty neben dem
       Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak] zeigt.
       
       ## Auch Ex-Parlamentspräsident Wieland warnt vor Linkspartei
       
       Verbreitet wurde das Schreiben zwar vom früheren SPD-Chef und Senator Peter
       Strieder, dem in linken Kreisen vorgehalten wird, er nutze als Lobbyist
       seine Parteikontakte als Türöffner für Investoren. Unterschrieben haben
       allerdings auch Politiker, die über jeden Verdacht erhaben sind, lediglich
       zündeln und die Backen aufblasen zu wollen. Das gilt vor allem für den
       früheren [5][über Parteigrenzen hinweg anerkannten Präsidenten] des
       Berliner Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland, und Ex-Bundestagspräsident
       Wolfgang Thierse.
       
       Die beteiligten Ex-Regierungschefs und Ex-Senatsmitglieder waren zwar teils
       zuletzt in früheren Jahrzehnten aktiv. Einer aber, der frühere
       Wirtschaftssenator und Handwerkskammerchef Stephan Schwarz, amtierte noch
       vor dreieinhalb Jahren. Zu den Unterzeichnern gehört auch [6][der aktuelle
       Co-Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Juristinnen und
       Juristen], Christian Oestmann.
       
       Die Unterzeichner firmieren unter dem Namen „SPD erneuern“. Im Juni 2025
       hatte es bereits [7][einen sogenannten „Weckruf“ mit ähnlichen
       Unterzeichnern] gegeben. Dieses Schreiben sprach von einem
       Vertrauensverlust der SPD und stellte sich unter anderem gegen
       Enteignungspläne. Es kritisierte auch, dass ein SPD-Landesparteitag vor der
       jüngsten Bundestagswahl nicht sicherstellte, dass ihr vormaliger
       Regierender Bürgermeister Michael Müller auch künftig im Bundesparlament
       vertreten sein würde.
       
       Die Delegierten hatten Müller [8][keinen sicheren Platz auf der
       SPD-Landesliste zugestehen wollen]. Weil Müller seinen Wahlkreis in
       Charlottenburg-Wilmersdorf nicht erneut gewinnen konnte, ist der frühere
       Regierungschef seit Frühjahr 2025 ohne Amt und Mandat.
       
       ## Michael Müller kritisierte Raed Saleh
       
       Am vergangenen Sonntag, dem Wahlabend, war Müller im Abgeordnetenhaus mit
       heftiger Kritik an Fraktionschef Raed Saleh zu hören, dem er Schuld am
       Niedergang der Berliner SPD zuschrieb. Saleh, seit 2011 im Amt und damit
       dienstältester Landtagsfraktionschef in Deutschland, kündigte zwei Tage
       später an, [9][nicht erneut für den Fraktionsvorsitz zu kandidieren].
       
       Die Gruppe „SPD erneuern“ wolle „den Diskurs in der Berliner SPD verändern
       und die SPD wieder zur Interessenvertreterin der abhängig Beschäftigten,
       also der Mehrheit, machen“, schreibt Strieder begleitend zu dem aktuellen
       Anti-Linksbündnis-Papier. Strieder war selbst Berliner
       SPD-Landesvorsitzender, als die Sozialdemokraten 2002 mit der
       Linkspartei-Vorläuferin PDS die zweite rot-rote Koalition vereinbarte.
       Premiere hatte ein solches Bündnis [10][schon vier Jahre zuvor in
       Mecklenburg-Vorpommern].
       
       24 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stefan Alberti
       
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       gegen eine rot-grün-rote Koalition. Und die Linke ebnet ihnen den Weg
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