# taz.de -- Antisemitismus in den Parteien: Vor der eigenen Tür kehren
> Keine Partei sollte sich beim Thema Antisemitismus zur moralischen
> Instanz über andere erheben, denn alle haben eigene Fälle aufzuarbeiten.
(IMG) Bild: Nicht nur die Berliner Linken haben Probleme mit Antisemitismus in ihren Reihen
Den Sondierungen steht nichts mehr im Weg: Linke, Grüne und SPD haben sich
auf ein Papier zum Umgang mit Antisemitismus geeinigt, nachdem die Linke
bundesweit [1][in die Kritik geraten] war. Die Vorwürfe müssen ernst
genommen werden. Gleichzeitig sprechen viele, darunter auch jüdische
Menschen, von einer Kampagne.
Laut einer Infratest-dimap-Umfrage zur Berliner Abgeordnetenhauswahl 2026
finden 60 Prozent der Befragten es gut, dass die Linke deutliche Kritik an
Israel übt. Diese Kritik ist mit dem neuen Papier leiser geworden. Der 7.
Oktober 2023 wird zu Recht als „Massaker“ bezeichnet, Gewalt gegen die
palästinensische Zivilbevölkerung dagegen als „Handlungen der israelischen
Regierung“. Verstöße gegen das Völkerrecht sollen klar benannt werden.
Zugleich genießen bestehende Kooperationen zwischen Berliner und
israelischen Hochschulen Bestandsschutz – unabhängig davon, ob die
Partneruniversität auf besetztem Gebiet liegt.
Antisemitismus zu bekämpfen ist richtig. [2][Linken-Fraktionschefin Elif
Eralp steht vor der schwierigen Aufgabe], Haltung zu zeigen und
kompromissbereit zu bleiben. Die Linke könnte zugleich selbstbewusster
auftreten und die Gewalt der israelischen Regierung gegen
Palästinenser:innen klar benennen. Innerhalb der SPD und der Grünen
gibt es nur noch wenige Stimmen, die sich klar positionieren.
Bei den Grünen sprach sich ausgerechnet Ex-Außenministerin Annalena
Baerbock dafür aus, dass zivile Orte in Gaza ihren Schutzstatus verlieren
können, wenn Terroristen sie besetzen. Was würde eine solche Aussage
bedeuten, wenn sich ein Terrorist in einem deutschen Krankenhaus
verschanzt?
Die CDU soll [3][nach taz-Recherchen in Regierungsverantwortung Gelder zur
Antisemitismusbekämpfung zweckentfremdet und die Lobbyorganisation ELNET]
gefördert haben. Quellen dokumentieren Verbindungen zwischen ELNET, der
Siedlerbewegung, der israelischen Regierung und der Rüstungsindustrie.
Es sollte das Ziel aller Parteien sein, Menschenrechte zu verteidigen und
Jüd:innen in Berlin zu schützen – und nicht die israelische Regierung.
Jede Partei hat dabei wahrlich eigene Fälle aufzuarbeiten. Und keine sollte
sich zur moralischen Instanz über die anderen erklären.
12 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Geraldine Rauch
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