# taz.de -- ARD-Sommerinterview mit Merz: Der Kanzler macht Wahlkampf für die AfD
       
       > Weder mit seiner Art noch mit seiner Wirtschaftspolitik kann Friedrich
       > Merz der rechten Konkurrenz etwas entgegensetzen. Im Gegenteil – er
       > stärkt sie.
       
 (IMG) Bild: Da helfen auch keine Pillen von Sandoz – Kanzler Merz in Sachsen-Anhalt
       
       Wem hilft der Kanzler eigentlich in Sachsen-Anhalt beim Wahlkampf? Dass es
       seine CDU oder irgendeine andere demokratische Partei ist, darf stark
       bezweifelt werden. Zu sehr wischte Friedrich Merz allein beim
       [1][ARD-Sommerinterview] die Sorgen, Bedürfnisse und Nöte der Menschen weg.
       
       In Deutschland könne ein Ölpreis von 100 US-Dollar nicht
       „wegsubventioniert“ werden, antwortete Merz, auf die hohen
       Tankstellenpreise angesprochen. Und auch das „schönste Elterngeld“ nütze
       nichts, wenn Freiheit und Frieden in Gefahr sind, verteidigte er hohe
       Rüstungsausgaben auf Kosten von Sozialem.
       
       Die AfD-Wahlkämpfer*innen werden sicherlich nicht nur die Aussagen des
       Kanzlers zum Spritpreis als Steilvorlage nutzen. Sie werden genüsslich
       darauf verweisen können, dass ihre rechtsextreme Partei ein landeseigenes
       Kindergeld im Wahlprogramm habe. Dass Elterngeld und Kindergeld nicht
       dasselbe und ein Extra-Kindergeld für Sachsen-Anhalt nicht finanzierbar
       ist, weil die AfD viel verspricht, wenn der Tag lang ist, steht natürlich
       auf einem anderen Blatt. Auch ihr Rassismus und all ihre anderen
       menschenverachtenden Ansichten.
       
       Doch wird dies am Ende des Tages beim kontrafaktischen Geraune am Wahlstand
       untergehen. Zu gut passen die Aussagen von Merz in die Erzählung der AfD,
       dass die Bundesregierung angeblich lieber Kriege im Ausland finanziert, als
       der eigenen Bevölkerung zu helfen.
       
       ## Merz hätte besser in Geschichte aufpassen sollen
       
       Mit seiner Wirtschaftspolitik hilft der Kanzler der AfD beim Wahlkampf.
       Dabei wollte er die Rechtsextremen einst halbieren. Doch dafür hätte er in
       Geschichte aufpassen müssen. Denn immer, wenn in Krisenzeiten gespart wird,
       stärkt das rechtsextreme Parteien.
       
       So hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung berechnet, wie die
       Sparmaßnahmen von [2][Hungerkanzler Heinrich Brüning] einst den Aufstieg
       der NSDAP begünstigten. Und auch die jüngere Geschichte sollte der Politik
       ein abschreckendes Beispiel sein: Als zum Beispiel die Troika Gläubiger
       Griechenland während der Eurokrise zu harten Sparmaßnahmen zwang, konnten
       auch die Faschisten der Goldenen Morgenröte große Wahlerfolge feiern.
       
       Was Merz nicht kapiert: Es geht den Menschen nicht in erster Linie ums
       Wirtschaftswachstum. Es geht ihnen darum, was bei ihnen ankommt, ob sie
       Angst haben müssen, etwas zu verlieren. Solange dies nicht durch eine
       [3][antifaschistische Wirtschaftspolitik] beherzigt wird, die den Menschen
       ihre Ängste vor der Zukunft nimmt, den Alltag bezahlbar macht und wieder
       Leben in strukturschwache Regionen bringt, werden es die rechten
       Rattenfänger einfach haben. Und deswegen wird Merz die Demokratie nicht
       retten. Das werden andere machen müssen.
       
       31 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.tagesschau.de/faktenfinder/sommerinterview-faktencheck-merz-100.html
 (DIR) [2] https://www.diw.de/de/diw_01.c.842792.de/90_jahre_bruening-ruecktritt__austeritaetspolitik_schadete_der_wirtschaft_schon_in_den_1930er_jahren.html
 (DIR) [3] /Buch-ueber-alternative-Wirtschaftspolitik/!6148950
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simon Poelchau
       
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