# taz.de -- Springer vs. Volksbad: „Bild“ will Becken
       
       > Die Schwarze Community reserviert das Berliner Volksbad für einen Mittag.
       > Die Springerpresse nennt das Diskriminierung von Weißen. Hetze ist das.
       
 (IMG) Bild: Nicht ganz diverser Eröffnungstag des „Volksbads“ an der Volksbühne
       
       Es ist der Aufreger der Stunde bei Bild, Welt, Nius und Co: Diskriminierung
       im Schwimmbad. Untypische Themensetzung, könnte man denken, aber nein,
       besagte Medien haben natürlich ihren eigenen Zugang gefunden. Sie werfen
       den Betreibern eines öffentlichen Schwimmbeckens in Berlin vor, Menschen
       aufgrund ihrer weißen Hautfarbe auszuschließen. Was dahinter steckt? Eine
       rechte Medienkampagne.
       
       Die wichtigsten Zutaten hierfür sind: eine große Portion vermeintliche
       Verschwendung von Steuergeldern, Schimpfen auf ein angebliches
       Elitenprojekt, die Verdrehung von linken Argumenten und zu guter Letzt eine
       kleine Prise Wahrheit. Dabei ist darauf zu achten, dass diese feinst
       säuberlich aus dem richtigen Kontext entfernt wird.
       
       Hintergrund der Kampagne ist das Projekt der Berliner Volksbühne.
       Anlässlich der [1][neuen Intendanz] von Matthias Lilienthal gibt es in der
       Sommerpause statt Bühne ein Becken. Das riesige Schwimmbecken ist von
       August bis Anfang Oktober mitten in Berlin vor der Volksbühne am
       Rosa-Luxemburg-Platz aufgebaut. Eintritt frei – nur Zeitslots müssen
       gebucht werden.
       
       An den meisten Tagen kann kommen, wer es schafft, einen dieser Slots zu
       buchen. An manchen Tagen sind allerdings einige Stunden für Vereine
       reserviert, die sich in der einen oder anderen Weise für ein offenes Berlin
       engagieren.
       
       ## Event für Menschen aus der Schwarzen Community
       
       Einer davon ist der [2][Verein Each One Teach One (Eoto)]. Am kommenden
       Freitag sind die Schwimmbahnen für einige Stunden nur für den Verein
       vorgesehen. Wer kommen will, muss sich über diesen anmelden. Theoretisch
       kann das jede:R machen, das Event ist aber speziell für Menschen aus der
       Schwarzen Community gedacht.
       
       Eoto setzt sich für die Interessen Schwarzer, afrikanischer und
       afrodiasporischer Menschen in Deutschland und Europa ein. Gestartet als
       Kiez-Bibliothek im Berliner Stadtteil Wedding bietet der Verein
       mittlerweile auch Workshops und Seminare an. Ein Ort, an dem Menschen der
       Schwarzen Community sich austauschen und unterstützen können.
       
       Der Verein wird unter anderem vom Bundesprogramm [3][Demokratie leben!]
       gefördert. Allein das dürfte die rechte Medienblase provoziert haben, an
       dem geplanten Badespaß Anstoß zu nehmen. Die AfD nimmt dankend an, was die
       Springerpresse ihnen so willig auf dem Tablett serviert. So postete die
       Partei in den sozialen Medien ein KI-generiertes Bild mit dem Titel
       „Rassentrennung auf Staatskosten“. Darauf Schwarze Menschen, die Spaß im
       Volksbad haben. Schlimmeres scheint sich die AfD nicht ausmalen zu können.
       
       ## CDU-Politikerin macht mit
       
       Nicht nur AfD, auch die CDU springt auf. Die Berliner CDU-Bezirksverordnete
       in Berlin-Pankow, Aileen Weibeler, postet [4][ein Reel dazu auf Instagram].
       Darin beschwert sie sich, dass sie ihre Pläne, am Freitag ins Volksbad zu
       gehen, ändern muss. Und das nur aufgrund ihrer Hautfarbe. Stimmung machen,
       egal wie – es ist schließlich Wahlkampf in Berlin.
       
       Bei der Aktion von Eoto geht es nicht darum, weiße Menschen auszuschließen,
       selbst, wenn sich diese offenbar kaum vorstellen können, dass es einmal
       nicht um sie geht. Sondern darum, einen sicheren Ort für Menschen der
       Schwarzen Community zu schaffen. Viel zu oft gehören öffentliche Orte, wie
       auch Schwimmbäder, nicht dazu.
       
       Einmal einen Nachmittag Schwimmspaß einer von strukturellem Rassismus und
       ständiger Diskriminierung betroffenen Community zu überlassen, ist nicht zu
       viel verlangt. Die rechten Medien sehen darin aber einen Angriff auf die
       freie Gesellschaft. Es wird argumentiert, dass damit das „Volks“-bad seinen
       Zweck verfehle, da nicht das ganze Volk baden könne. Ausdruck einer freien
       und offenen Gesellschaft ist aber gerade das: Die Gruppen zu unterstützen,
       die benachteiligt sind.
       
       Zumal weitere Termine exklusiv für andere Vereine und Gruppen reserviert
       sind. Beispielsweise für den Streetworkerverein Gangway, der sich um
       obdachlose Jugendliche und Erwachsene kümmert. Da erkennt allerdings
       niemand eine Diskriminierung von Nicht-Streetworker:innen. Einmal bleibt
       das Bad auch ganz zu, um den Verein Flussbadberlin zu unterstützen, der
       sich für den Spreekanal einsetzt. Das erwähnen aber weder Bild, Welt noch
       Nius in ihrer Berichterstattung. Es eignet sich wohl schlechter als
       Kampagne.
       
       12 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Neue-Indendanz-an-Berliner-Volksbuehne/!6184038
 (DIR) [2] /Berlin-bekommt-Black-Communitys-Zentrum/!6176134
 (DIR) [3] /Umbau-von-Demokratie-leben/!6179364
 (DIR) [4] https://www.instagram.com/reels/Db5EN_gCX54/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Clara Dünkler
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Nius
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) talkshow
 (DIR) Schwerpunkt Rassismus
 (DIR) Kampagne
 (DIR) Bild-Zeitung
 (DIR) Berliner Volksbühne
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) „Volksbad“
 (DIR) Berliner Volksbühne
 (DIR) Kolumne Diskurspogo
 (DIR) Berliner Volksbühne
 (DIR) Schwerpunkt Rassismus
 (DIR) Initiative Schwarze Menschen in Deutschland
 (DIR) Berliner Volksbühne
 (DIR) Berliner Volksbühne
 (DIR) Berliner Volksbühne
 (DIR) Berliner Volksbühne
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Kundgebung nach Volksbad-Eklat: Demonstrant*innen fordern Schutz vor Rassismus
       
       Vor dem Berliner Volksbad protestieren Hunderte für sichere Räume von
       schwarzen Personen. Rechte Streamer versuchen, die Demo zu stören.
       
 (DIR) Eklat ums Volksbühnen-Schwimmbad: Wer hier provoziert
       
       Der Umgang des CDU-Bürgermeisterkandidaten mit der Hetze rund um die
       Volksbühnenaktion ist verheerend. Aber es gibt auch eine gute Nachricht.
       
 (DIR) „Volksbad“ der Berliner Volksbühne: Abtauchen in Mitte
       
       Das „Volksbad“ vor der Berliner Volksbühne sorgte schon vor seiner
       Eröffnung für Debatten. Nun musste eine Veranstaltung für Schwarze
       Jugendliche abgesagt werden. Ein Ortsbesuch.
       
 (DIR) Volksbad sagt Termin ab: Deutschland sagt sich ab
       
       War die Absage des Termins für die schwarze Community im Volksbad die
       einzige Lösung oder macht Berlin, was es am besten kann: den Betrieb
       einstellen?
       
 (DIR) „Volksbad“ in Berlin: „Für die gesamte Stadt beschämend“
       
       Nach der Absage einer Veranstaltung für Schwarze Menschen wegen rechter
       Hetze betonen die Berliner Spitzenkandidaten von Grünen und SPD die
       Bedeutung sicherer Orte.
       
 (DIR) Volksbad in Berlin: Veranstaltung wegen Sicherheitsbedenken abgesagt
       
       Das Freibad vor der Volksbühne sollte Schwarzen Kindern und Jugendlichen
       für einige Stunden exklusiv zur Verfügung stehen. Nach Gewaltandrohungen
       wurde das Event abgesagt.
       
 (DIR) „Volksbad“ in Berlin: Tauchen vorm Theater
       
       Seit Freitagmittag ist das „Volksbad“ an der Berliner Volksbühne geöffnet.
       Es gibt queere Kraulkurse, Fritten und eine Einladung zum Nichtstun.
       
 (DIR) „Volksbad“ vor der Volksbühne: Planschen statt Premierenparty
       
       Der neue Volksbühnen-Intendant, Matthias Lilienthal, lässt ein
       Pop-up-Freibad vor das Theater bauen. Es ist eine Protestaktion gegen den
       Verfall öffentlicher Infrastruktur.
       
 (DIR) Neue Intendanz an Berliner Volksbühne: Grenzen, für die er sich eh nicht interessiert
       
       An der Volksbühne wird künftig nicht nur Florentina Holzinger nass: Der
       designierte Intendant Matthias Lilienthal gibt einen Ausblick auf die neue
       Spielzeit.