# taz.de -- „Volksbad“ in Berlin: Tauchen vorm Theater
       
       > Seit Freitagmittag ist das „Volksbad“ an der Berliner Volksbühne
       > geöffnet. Es gibt queere Kraulkurse, Fritten und eine Einladung zum
       > Nichtstun.
       
 (IMG) Bild: Sich-treiben-Lassen für lau: das „Volksbad“ in Berlin-Mitte
       
       „Entschuldigung, haben Sie schon geduscht?“ Volksbad-Bademeisterin Donate
       Altenburger fragt freundlich und schickt den Mann in Badehose und Hut zu
       den Sanitäranlagen, bevor er in [1][das 25-Meter-Becken vor der Berliner
       Volksbühne] steigen darf. Später sieht man ihn seine Bahnen ziehen, immer
       noch mit Hut. Berlin halt.
       
       Altenburger sitzt am Beckenrand, der nicht gekachelt, sondern aus
       Terrassendielen gebaut ist – das Becken selbst ruht in einer riesigen
       Wanne, die mit blauer Kunststofffolie ausgekleidet ist. Ein paarmal habe
       sie schon Leute bitten müssen, nicht ins Wasser zu springen, sagt sie, aber
       sie freut sich über den Job im ungewöhnlichen Setting: In den kommenden
       acht Wochen darf auf dem Rosa-Luxemburg-Platz gekrault und getaucht werden,
       da, wo sonst Menschen auf die nächste Vorstellung warten oder im Anschluss
       ihr Flaschenbier trinken.
       
       Vom Platz aus sieht man herzlich wenig vom Schwimmbetrieb – die Beckenkante
       liegt ca. 1,70 Meter über dem Boden, und die Schaulustigen auf dem Rasen
       rund um die Volksbühnen-Rad-Skulptur sehen vor allem Sperrholzwände,
       Container und ein schwarzes Geländer. Nur wer ein Ticket ergattert hat,
       kann die Schönheit der Szene in Gänze erleben. „Toll“, meint ein Badegast,
       „und irgendwie surreal.“
       
       Während die tanzenden Steinfiguren weit oben an der Fassade im veränderten
       Kontext auf einmal wie SchwimmerInnen aussehen, schickt sich am Beckenende
       eine kleine Gruppe an, beim ersten offiziellen Programmpunkt im Volksbad
       dabeizusein: Zwei TrainerInnen des queeren Sportvereins „Vorspiel“ wollen
       sie per Crashkurs ans Kraulschwimmen heranführen – „für alle mit
       Seepferdchen und steifem Nacken, die es leid sind, beim Bahnenziehen von
       rechts überholt zu werden“, wie es in der Ankündigung heißt.
       
       ## Strampeln, wie im Theater geklatscht wird
       
       Queeres und straightes Schwimmen sind in der Praxis dann allerdings gar
       nicht so unterschiedlich, es geht um die richtige Wasserlage, die korrekte
       Atmung und die optimale Beinhaltung. Immerhin fließt die eine oder andere
       ortsbezogene Assoziation ein: Trainerin Elisa demonstriert, wie schnell die
       Füße sich bewegen sollten, indem sie in die Hände klatscht: „Wir sind ja
       hier am Theater.“
       
       Der reguläre Badebetrieb, für den sich jedeR einen kostenlosen Slot [2][auf
       der Volksbühnen-Website buchen] kann (keine Ausweispflicht bei Eintritt!),
       wird laut Programmvorschau immer wieder durch Kurse oder DJ-Sets ergänzt.
       An einigen Tagen wird das Bad ausschließlich der Schwarzen Community zur
       Verfügung stehen.
       
       Was das Ganze sein soll, sagt die Volksbühne [3][unter ihrem neuen
       Intendanten Matthias Lilienthal] selbst: ein offener Ort für alle, die sich
       „im heißer werdenden Berliner Sommer nach Abkühlung sehnen oder mit der
       Nachbarschaft zusammenkommen und nichts tun“ wollen, heißt es auf der
       Website. „In einer Stadt, in der in den letzten Jahrzehnten systematisch
       Infrastruktur abgebaut wurde und öffentliche Orte zunehmend
       kommerzialisiert und kontrolliert werden, ist das Volksbad eine erste
       urbane Intervention der neuen Intendanz und eine sommerliche Einladung an
       die Hauptstadt.“
       
       Lilienthal selbst ist natürlich auch da. Zur Eröffnung ist er am Mittag
       höchstpersönlich ins Wasser gestiegen (nebst Linken-Spitzenkandidatin Elif
       Eralp im knallroten Badeanzug), jetzt schlurft er barfuß zu der im Pavillon
       neben dem Theatergebäude eingerichteten Frittenbude. „Alles ganz entspannt
       angelaufen“, findet er und bietet eine Pommes an. „Bei Gewitter müssen wir
       natürlich das Becken räumen.“ Was um ihn herum gerade blitzt, sind dann
       aber doch nur die Pressekameras.
       
       7 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Volksbad-vor-der-Volksbuehne/!6201595
 (DIR) [2] https://www.volksbuehne-berlin.de/produktionen/volksbad/
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Claudius Prößer
       
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