# taz.de -- „Volksbad“ in Berlin: „Für die gesamte Stadt beschämend“
       
       > Nach der Absage einer Veranstaltung für Schwarze Menschen wegen rechter
       > Hetze betonen die Berliner Spitzenkandidaten von Grünen und SPD die
       > Bedeutung sicherer Orte.
       
 (IMG) Bild: Wegen Sicherheitsbedenken haben die Berliner Volksbühne und der Verein „Each One Teach One“ eine geplante Veranstaltung abgesagt
       
       Nach der [1][Absage der Veranstaltung des Vereins Each One Teach One
       (EOTO)] im „Volksbad“ an der Berliner Volksbühne gibt es heftige Kritik an
       der Kampagne rechter PolitikerInnen und Medien gegen die OrganisatorInnen.
       
       Dass die Veranstaltung für Schwarze Kinder, Jugendliche und Familien aus
       Sicherheitsgründen abgesagt werden musste, sei ein „Skandal“, sagte Werner
       Graf, Spitzenkandidat der Grünen für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus
       am 20. September. „Das ist für unsere gesamte Stadt beschämend und das
       Gegenteil dessen, wofür Berlin als Stadt der Freiheit steht.“
       
       Leider habe sich auch die in Berlin regierende CDU „dafür entschieden, bei
       diesem rechten Kulturkampf auf dem Rücken schwarzer Berlinerinnen und
       Berliner, die auch in ihrem Alltag starken Anfeindungen ausgesetzt sind,
       mitzuwirken“, so Graf.
       
       Am Donnerstag [2][hatten die Volksbühne und EOTO mitgeteilt], dass die für
       Freitag geplante Nutzung des temporären Schwimmbads vor dem Theater nach
       Drohungen und rassistischer Hetze abgesagt wird. „Der Schutz unserer Gäste,
       Partner und Mitarbeiter*innen hat für uns oberste Priorität“, so
       Volksbühnen-Intendant Matthias Lilienthal. „Wir solidarisieren uns – heute
       und an jedem Tag – mit allen, die Rassismus und rechten
       Feindbildmarkierungen ausgesetzt sind.“
       
       Dass die Einladung an EOTO, an einem Nachmittag ein Ferienprogramm für
       Schwarze Kinder und Jugendliche anzubieten, eine Welle von Anti-Schwarzem
       Rassismus auslösen würde, habe man, so Lilienthal, „unterschätzt“.
       
       ## Rassistische Droh-E-Mails
       
       EOTO verwies auf rassistische Droh-E-Mails und diskriminierende Kommentare
       in den sozialen Medien. „Wir können daher nicht ausschließen, dass die
       Kinder und Jugendlichen an dem Tag weiteren Gefahren ausgesetzt wären“,
       heißt es in einer Stellungnahme des Vereins.
       
       Die exponierte Lage des Schwimmbeckens lasse zudem befürchten, dass „die
       Wahrung von Persönlichkeitsrechten, der Schutz vor potenziellen
       diskriminierenden und diffamierenden Äußerungen gegenüber einzelnen
       Personen sowie eine schadlose An- und Abreise nicht garantiert“ werden
       könnten.
       
       Auch SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach hat sich in der Sache geäußert. Die
       Bild-Zeitung hatte ihn mit den Worten zitiert, man könne „über die
       Entscheidung der Volksbad-Organisatoren streiten, aber nicht auf dem Rücken
       von People of Color“. Auf Nachfrage der taz stellte Krach am Freitag klar,
       dass er das Angebot einer exklusiven Nutzung des Bads durch Schwarze
       Menschen für einen Nachmittag keinesfalls kritisiere.
       
       „Für einen weißen 47-jährigen Hetero-Mann wie mich ist Berlin so gut wie
       immer und überall ein Safe Space, aber für People of Color eben nicht“,
       sagte Krach, „und solange wir das als Stadt nicht hinbekommen, ist es
       unsere Pflicht, sie vor Rassismus und Hass zu schützen.“
       
       ## „Es braucht mehr Stimmen“
       
       Tahir Della vom Vorstand der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland
       (ISD) sagte der taz, die Härte und Intensität der Kampagne gegen die
       Veranstaltung sowie die inhaltliche Verlinkung mit Apartheid und
       „Rassentrennung“ habe auch ihn als langjährigen Aktivisten überrascht.
       Nicht wirklich gewundert hätten ihn [3][die Auslassungen von AfD-Chefin
       Alice Weidel] – dass CDU-PolitikerInnen ins selbe Horn stießen, aber schon.
       
       „Wir sind der Auffassung, dass die Mehrheitsgesellschaft und die Medien
       sich hier stärker positionieren müssen“, sagte Della, „da braucht es mehr
       Stimmen, und nicht nur von Betroffenen.“
       
       Die Pankower CDU-Bezirkspolitikerin Aileen Weibeler, die in einem viel
       geklickten Instagram-Post am Mittwoch ein „super seltsames
       diskriminierendes Gefühl“ beklagt hatte, weil sie am Freitag nicht ins
       „Volksbad“ dürfe, ruderte am Donnerstag mit einem weiteren Post ein wenig
       zurück (oder auch nicht): „Rassismus existiert, und deshalb brauchen wir
       Schutzräume“, schrieb Weibeler. Sie wolle aber nicht, dass „öffentlich
       finanzierter Raum nach Sexualität, Hautfarbe, Herkunft oder Religion
       unterscheidet“.
       
       In den vielen Reaktionen auf ihr erstes Video sehe sie, „wie schief die
       Debatte läuft: Die einen geben rassistischen Unsinn von sich, und die
       anderen sagen, ich dürfe mich gar nicht äußern, weil ich weiß bin“,
       beklagte sich Weibeler.
       
       Auf Nachfrage äußerte sich am Freitag auch CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers
       gegenüber der taz. Der amtierende Finanz- und Kultursenator sagte, Kunst
       dürfe provozieren und solle Debatten anregen. Man könne und dürfe
       künstlerische Aktionen unterschiedlich bewerten, entscheidend sei, „wie wir
       die Debatten darüber führen“. Kritik und auch harte Auseinandersetzungen in
       der Sache gehörten zu einer freien Gesellschaft. „Was nicht dazugehört,
       sind Drohungen, Einschüchterung oder Gewalt. Dagegen wende ich mich
       ausdrücklich: Gewaltandrohungen gegen ein Kunstprojekt sind genauso
       inakzeptabel wie die Bedrohung kritischer Stimmen.“
       
       ## Kein Verstoß gegen Antidiskriminierungsgesetz
       
       Dass die temporäre Öffnung des Bades nur für Schwarze Personen rein formal
       einen Verstoß gegen das Berliner Landesantidiskriminierungsgesetz bedeute,
       hat die Leiterin der vom Land Berlin eingerichteten Ombudsstelle, Doris
       Liebscher, im Übrigen bereits verneint.
       
       Die Volksbühne zitierte Liebscher mit der Aussage, dass laut dem Gesetz
       „eine unterschiedliche Behandlung zulässig“ sei, „wenn durch geeignete und
       angemessene Maßnahmen bestehende Nachteile strukturell benachteiligter
       Personen verhindert oder ausgeglichen werden sollen“.
       
       Besondere und zudem zeitlich begrenzte „Angebote für strukturell
       benachteiligte Gruppen wie Frauen, queere Personen, ältere Menschen,
       Migrant*innen, sozial schwache Jugendliche oder Schwarze Menschen sind vor
       diesem Hintergrund keine Diskriminierung.“
       
       14 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Schwimmbecken-vor-der-Volksbuehne-Bild-und-AfD-hetzen-gegen-schwarze-Community/!6203768
 (DIR) [2] https://www.volksbuehne-berlin.de/produktionen/volksbad/stellungnahme-zur-absage-der-veranstaltung-volksbad-x-eoto/
 (DIR) [3] /Schwimmbecken-vor-der-Volksbuehne-Bild-und-AfD-hetzen-gegen-schwarze-Community/!6203768
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Claudius Prößer
       
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