# taz.de -- Volksbad sagt Termin ab: Deutschland sagt sich ab
       
       > War die Absage des Termins für die schwarze Community im Volksbad die
       > einzige Lösung oder macht Berlin, was es am besten kann: den Betrieb
       > einstellen?
       
 (IMG) Bild: Das geschlossene Volksbad ist eine Geste des neuen Volksbühnen-Intendanten, und es sollte Offenheit signalisieren
       
       Ich war am [1][Berliner Volksbad]. Es blockiert den Eingang der Volksbühne
       am Rosa-Luxemburg-Platz. Es verbarrikadiert ihn.
       
       Das Volksbad ist eckig. Man steht vor einem hohen Podest. Auf dem Podest
       steht ein Sicherheitsgeländer. Dahinter sitzen kräftige Männer in schwarzen
       T-Shirts. Wenn sie nicht sitzen, gehen sie auf und ab. Die Duschen sind
       kaputt, das Volksbad ist geschlossen, und es darf niemand zu den Männern in
       den schwarzen T-Shirts hinein.
       
       Das geschlossene Volksbad ist eine Geste des neuen Volksbühnen-Intendanten,
       und es sollte Offenheit signalisieren. Die Volksbühne ist angeblich ein
       wilder Ort der Gegenkultur. Das Volksbad war, als es kurz offen war, den
       Berichten zufolge ein Ort, an dem man schwimmen gehen kann, wenn man sich
       dabei gern fotografieren lässt.
       
       Das Theater ist ein ästhetischer Raum. Wenn es auf dem Vorplatz etwas
       macht, ist auch der Vorplatz ein ästhetischer Raum. Die Anmutung ist die
       Message. V[2][or der Volksbühne bestimmen die Absperrungen das Bild.] Die
       kräftigen Männer in den schwarzen T-Shirts gehen auf und ab. Deutsche
       Ordnung, unironisch bauvorschriftsmäßig. Eine Theaterintendanz mit so einer
       freudlosen Ruine anzufangen, ist vielleicht nicht ganz unproblematisch.
       
       In dieses Volksbad schießt jetzt die Krise nach den Bauvorschriften der
       Nazi-Diskurslandnahme: Die Volksbühne hat eine Gruppe schwarzer Kinder zum
       Baden eingeladen und ihnen die Badestelle reserviert. Und eine
       CDU-Bezirksverordnete tut den Nazis den Gefallen.
       
       Sie tut, wozu Sarrazin oder Martenstein das weiße Deutschland seit vielen
       Jahren ermutigen, und lässt ihrem Rassismus freien Lauf: Sie versteht
       nicht, warum sie als weiße Frau nicht jederzeit ungehindert ins Volksbad
       darf! Ein lustiger Nachmittag für rassismusbetroffene Menschen darf nicht
       sein, wenn sie nicht auch eingeladen wird! Und rund um sie herum kommt es
       zu heftiger rassistischer Hetze der üblichen Verdächtigen.
       
       Das ist für einen Ort der wilden Gegenkultur eigentlich ein schöner Moment
       zu zeigen, was wilde Gegenkultur kann. Stattdessen werden die Kinder mit
       ein paar müden Floskeln wieder ausgeladen. Sie möchten auch wieder
       ausgeladen werden, wie später bekannt wird. Beziehungsweise: Sie sagen ab.
       Wer möchte nicht aus diesem Deutschland ausgeladen werden? Wer möchte
       dieses Deutschland nicht absagen?
       
       Die wilde Gegenkultur hängt ein Transparent an die Volksbad-Außenwand, auf
       dem FICKT EUCH steht, sagt aber sicherheitshalber nicht, wen sie meint. Das
       ist das Bild, das bleibt. Das wird jetzt bewacht: Ein leeres Volksbad, das
       allen Vorschriften genüge tun und trotzdem rebellisch sein wollte. Eine
       Kapitulation aus Sicherheitsgründen. Der Intendant erklärt, dass er die
       Angst der Kinder versteht. Aber die Angst der Kinder zu verstehen ist auch
       keine Lösung.
       
       Berlin hat getan, was es am besten kann: Den Betrieb einstellen. Nicht nur
       die Duschen sind kaputt. Aber für Samstag ist Badebetrieb angesagt,
       vermutlich sogar für Menschen aller Hautfarben!
       
       Am Sonntag und Montag ist dann zum Glück gleich Ruhetag.
       
       14 Aug 2026
       
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