# taz.de -- Eklat ums Volksbühnen-Schwimmbad: Wer hier provoziert
> Der Umgang des CDU-Bürgermeisterkandidaten mit der Hetze rund um die
> Volksbühnenaktion ist verheerend. Aber es gibt auch eine gute Nachricht.
(IMG) Bild: Für Stefan Evers Kultursenator und Bürgermeisterkandidat der CDU ist ein geplanter Schwimmbadausflug für Schwarze Kids provokante Kunst
Wer sieht was als Provokation? Wenn jemand ein Tiktok beginnt mit den
unwahren, aber eindringlichen Worten „Ich darf nicht ins Schwimmbad, weil
ich weiß bin“, kann man das als Provokation bezeichnen.
Eine [1][Berliner CDU-Politkerin] erzählt in ihrem Video, dass sie –
oopsie, Zufall – genau dann im Volksbad planschen will, wenn das Becken vor
der Volksbühne für einen Verein aus der Schwarzen Community reserviert ist.
Um das zu wissen, muss sie das Programm des Volksbads gesehen haben. Das
heißt: Sie weiß, dass dort auch andere geschlossene Veranstaltungen
stattfinden. Darüber spricht sie nicht. Sie nutzt die Möglichkeit, einen
Aufreger gegen einen Event der Schwarzen Community zu produzieren und geht
– das war vorhersehbar – damit viral.
Mit ihrem Video stachelt die Konservative einen rassistischen Mob auf, der
schließlich eine Bedrohungslage verursacht, die zur [2][Absage] eines
Schwimmbadnachmittags für Schwarze Kinder und Jugendliche führte. Die
Provokation ist gelungen.
## Was zum Auftrag gehört
Kultursenator und Bürgermeisterkandidat [3][Stefan Evers] ignoriert das und
sucht die Provokation an anderer Stelle. Zunächst muss festgehalten werden,
dass Evers in seiner Funktion als Kultursenator darüber hätte aufklären
müssen, dass die Inklusion von Gruppen, die vom bisherigen Theaterprogramm
noch nicht gut erreicht werden und Maßnahmen zur Erschließung neuen
Publikums zum Auftrag der Berliner Bühnen gehören.
Evers erwähnte auch nicht, dass solche Communityveranstaltungen durch das
Landesantidiskriminierungsgesetz gedeckt sind. Stattdessen entscheidet er
sich, darüber zu sprechen, dass Kunst provozieren dürfe.
Einen Schwimmbadausflug für Schwarze Kids als provokante Kunst
hinzustellen, ist klassische Täter-Opfer-Umkehr und gleichzeitig ein
fieses, aber geschicktes Ablenkungsmanöver.
Wer provoziert, hat sich mitschuldig gemacht. So spielt die
Provokationserzählung rechte Gewalt herunter. Es wird suggeriert, die
Volksbühne hätte den Hass bewusst miteinkalkuliert, ihn vielleicht sogar
absichtlich heraufbeschworen.
## Alles nicht so rassistisch
So wird dem Theater die Verantwortung gegeben und man muss sich nicht mit
der Hetzkampagne beschäftigen, die von einem rechten Onlineportal ausging
und an der sich die eigene Partei beteiligt hat. Man nimmt auch all
diejenigen in Schutz, die gepöbelt und mit Gewalt gedroht haben: Die Leute
sind ja gar nicht so rassistisch, sie haben sich einfach nur etwas schnell
provozieren lassen.
Eine Auseinandersetzung damit, wie einfach sich immer mehr Menschen gegen
Minderheiten mobilisieren lassen und welche verheerenden Auswirkungen
solche rassistischen Kampagnen haben, bleibt dadurch aus.
Man geht auch der Diskussion aus dem Weg, wie Kultureinrichtungen und
marginalisierte Gruppen zukünftig vor solchen Hasswellen geschützt werden
können. Die Botschaft lautet: Provoziert einfach nicht, also zieht euch
zurück. Erst mal aus der Kultur und sicherheitshalber vielleicht ganz aus
dem Stadtbild.
Als Künstlerin bin ich enttäuscht von einem Kultursenator, der Kulturorte
nicht aktiv schützt. Als Berlinerin möchte ich nicht von jemandem regiert
werden, für den ein Badenachmittag für Schwarze Kids eine Provokation
darstellt. Am 20. September können die Berliner*innen die CDU abwählen.
Diese gute Nachricht hätte am Anfang stehen sollen.
20 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.instagram.com/aileen.weibeler/
(DIR) [2] /Volksbad-sagt-Termin-ab/!6204394
(DIR) [3] /Finanzsenator-wird-auch-Kultursenator/!6175078
## AUTOREN
(DIR) Simone Dede Ayivi
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