# taz.de -- Kundgebung nach Volksbad-Eklat: Demonstrant*innen fordern Schutz vor Rassismus
> Vor dem Berliner Volksbad protestieren Hunderte für sichere Räume von
> schwarzen Personen. Rechte Streamer versuchen, die Demo zu stören.
(IMG) Bild: Protestschilder vor der Volksbühne in Berlin prangern die peinliche rechte Hetze an
Vor der Berliner Volksbühne demonstrieren am Freitag über 300 Menschen
gegen die Absage eines Schwimmnachmittags nur für Schwarze. Rosalina Koch,
eine der Organisatorinnen, sagt mit klarer Stimme ins Mikrofon, sie sei
wütend auf jene, die immer noch Erklärungen erwarteten, warum Schwarze
sichere Räume brauchten. Daneben, vor den Stufen des Hauses, das Volksbad –
ein temporär aufgebautes Schwimmbecken, 25 Meter lang, fünf Meter breit.
Eine Woche zuvor war dort aus Sicherheitsgründen ein Badenachmittag für
schwarze Kinder und Jugendliche abgesagt worden.
Während sie spricht, führen hinter ihr mehrere Polizisten einen jungen Mann
in gelber Warnweste aus dem Awareness-Team der Veranstalter ab. Sofort
rennen Demonstrierende hinterher. Die Beamten bringen den Mann an einem
Polizeiwagen vorbei auf den Gehweg zwischen einem Café und einem
Baustellenzaun.
Die Menge folgt ihnen, bis weitere Polizisten vor den Demonstrierenden eine
Mauer bilden. Insgesamt sind etwa 17 Beamtinnen und Beamte bei dieser
Maßnahme involviert. Aus der anwachsenden Menge, die sich vor der Kette der
Polizei sammelt, branden Sprechchöre: „You are not alone, you are not
alone!“
Der Mann in der gelben Warnweste heißt Castroya Nara. Er ist mit seinen
Eltern Anfang der Neunziger aus Eritrea nach Deutschland gekommen. Nachdem
Veranstalter und Polizei die Situation friedlich beendet – und die Beamten
Naras Personalien aufgenommen – haben, sitzt er auf der Wiese vor der
Volksbühne. Sein gefleckter Hund Canu springt um ihn herum, im Hintergrund
läuft die Kundgebung.
## Fünf Polizisten für einen Mittelfinger
Nara nimmt einen Zug an seiner Zigarette. Einer der „Fascho-Streamer“, die
die Kundgebung belagerten, habe Porträtaufnahmen von ihm gemacht, erzählt
er. Deshalb habe er dem Streamer den Mittelfinger gezeigt und dabei sein
Gesicht verdeckt. Daraufhin habe der Streamer angekündigt, ihn anzuzeigen.
Nara habe erwidert, er werde dasselbe tun.
Nach wenigen Minuten seien fünf Polizisten gekommen, hätten ihn umringt und
seine Personalien abseits der Kundgebung aufnehmen wollen. Er habe gesagt,
er wolle mit ihnen nicht allein sein, erklärt der 30-jährige: „Für mich ist
das eine Bedrohung als schwarze Person, da fühle ich mich nicht sicher.“
Dann, so Nara, hätten die Beamten ihn geschubst und gedrängt, sich von der
Kundgebung zu entfernen. Er habe daraufhin auf sich aufmerksam gemacht. Am
Ende hätten ihn fast 20 Polizistinnen und Polizisten zwischen einem Café
und einem Bauzaun eingekesselt. Sie schirmten Nara von mehr als hundert
Demonstrierenden ab, die ihm zu Hilfe kommen wollten.
Der Einsatzleiter, Polizeihauptkommissar Wolf, bestätigt gegenüber der taz
Naras Schilderung der Auseinandersetzung mit dem rechten Streamer. Die
Polizei habe dessen Identität festgestellt und die Anzeige gegen Nara
aufgenommen. Naras Identität habe man in einem Polizeiauto nahe dem Café
feststellen wollen, weil er seinen Ausweis vergessen habe. Das sei nicht
möglich gewesen, weil die Menge auf die Polizisten zugekommen sei.
Rosalina Koch, die eben noch ihre Rede halten wollte, sagt der taz,
bezeichnend sei, dass von den 40 Menschen im Awareness-Team ausgerechnet
die einzige schwarze Person festgenommen worden sei – obwohl alle anderen
das Gleiche getan hätten. Die Polizei wurde erst durch die Anzeige des
rechten Streamers tätig, der sie möglicherweise gezielt an Castroya Nara –
als schwarze Person –gestellt hat. Koch hatte mit einem Instagram-Post die
Kundgebung ins Rollen gebracht. „Ich bin verdammt wütend auf weiße,
deutsche Linke“, schrieb sie dort und kritisierte, Linke in Berlin
inszenierten sich gern gegen Rassismus, blieben aber nach dem
Volksbad-Eklat stumm.
## Polizei hält rechte Streamer von Demo fern
Direkt neben der Demonstration schwimmen am Freitag fast nur Weiße im
Volksbad. Am Freitagnachmittag eine Woche zuvor sollte das Becken
eigentlich für den Verein Each One Teach One (EOTO) reserviert sein, der
sich für Menschen afrikanischer Herkunft einsetzt. Sechs Stunden lang
sollte das Volksbad nur für schwarze Kinder und Jugendliche geöffnet sein.
Doch dazu kam es nicht: Rechte Medien, die AfD und die
CDU-Bezirksverordnete für Berlin-Pankow, Aileen Weibeler, schossen sich auf
das Volksbad ein. Die Volksbühne sagte die Veranstaltung schließlich aus
Sicherheitsgründen ab: Man habe nicht gedacht, dass ein exklusives
Schwimmangebot für bestimmte Gruppen wie Seniorinnen und Senioren oder
Nichtschwimmerinnen und -schwimmer – im Fall des Vereins EOTO für Schwarze
– eine Welle an Rassismus auslösen würde.
EOTO teilte mit, es sei zu befürchten, dass weder eine sichere An- und
Abreise noch der Schutz der Persönlichkeitsrechte der Teilnehmenden
gewährleistet werden könne. Die Sorge war wohl nicht unbegründet: Nur mit
Mühe verstellen die Demonstrierenden am Freitag den rechten Streamern mit
Transparenten und Regenschirmen die Sicht auf die Kundgebung. Die Polizei
sorgt dafür, dass die Streamer der Demo nicht zu nahe kommen.
Shain, eine Frau mit türkisfarbenem Dutt, sagt, sie sei als schwarze
Person, seit sie denken könne, mit Rassismus konfrontiert. Als Kind hätte
sie sich einen Schutzraum gewünscht, wie er hier am Volksbad geplant war.
„Ich bin einfach nur sprachlos und wütend“, sagt Shain zum rechten
Medienecho, das letztlich zur Absage der Schwimmveranstaltung am Volksbad
geführt hat.
22 Aug 2026
## AUTOREN
(DIR) Pascal Maier
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