# taz.de -- Fragen nach Ceuta: Die Grenzen der nächsten WM
       
       > Marokko, Spanien und Portugal tragen die Männerfußball-WM 2030 aus.
       > Werden afrikanische Fans ihre Teams in den europäischen Stadien supporten
       > dürfen?
       
 (IMG) Bild: Egal, was es kostet: der Stadionbau bei Casablanca
       
       Vor dem WM-Finale 2026 hielt Fifa-Präsident Gianni Infantino eine Rede, in
       der er eine eigenwillige Definition seiner Organisation (und auch seiner
       selbst) offenbarte. „Wir sind“, sagte er zwischen vielen anderen
       pathosgesättigten Sätzen, „seit 120 Jahren der offizielle Glückslieferant
       für die Menschheit.“ Und das sei die Fifa auch deswegen, weil sie die Welt
       in einer einzigartigen Art und Weise zu vereinen verstehe. Nicht der
       Fußball, wohlgemerkt, nein: die Fifa.
       
       Auf dieser Mission befindet sich Infantino auch nach der „[1][großartigsten
       WM aller Zeiten]“, und zu diesem Zweck war er Ende Juli auch in Marokko.
       Dort wird in vier Jahren gemeinsam mit Spanien und Portugal die nächste
       Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen.
       
       Anlass des jetzigen Besuches war der 27. Jahrestag der Thronbesteigung von
       Mohammed VI., und Gianni Infantino hatte viele warme Worte mitgebracht: In
       Marokko fühle er sich immer „ganz wie zu Hause“, und es werde auch wiederum
       die nächste großartigste WM aller Zeiten, schließlich fände sie in einem
       der schönsten Länder der Welt statt.
       
       Fast zeitgleich begann die Flucht [2][Tausender junger Menschen nach
       Ceuta], der spanischen Exklave an der marokkanischen Küste. Spanien
       reagierte ganz und gar nicht im Sinne einer miteinander verbundenen Welt,
       sondern schickte Militär, um die Grenze zu sichern.
       
       ## Afrikanische Fans bei der WM
       
       Natürlich wird es als Antworten nur hohle Phrasen geben, aber trotzdem
       stellen sich der Fifa und gerade auch Infantino unter anderem eine ganz
       konkrete Frage: Werden afrikanische Fußballfans nach Europa einreisen
       dürfen, um ihre Mannschaften zu supporten, sollten die in einem Stadion der
       Iberischen Halbinsel antreten? Wird sich die Fifa gegen die [3][europäische
       Abschirmungspolitik] stellen?
       
       Dass Infantino sich in Marokko ganz wie zu Hause fühlt, wird wohl erheblich
       damit zu tun haben, welche Orte er dort gesehen hat; vermutlich die
       Baustelle des Stade Hassan II, östlich von Casablanca. 115.000 Menschen
       sollen dort dann Platz finden, die Kosten werden auf 500 Millionen Euro
       geschätzt. Insgesamt investiert [4][Marokko mindestens 1,7 Milliarden Euro]
       in die Infrastruktur.
       
       ## Riesige Stadien – gähnende Leere
       
       Ob sich das rentiert, ist fraglich. In der Vergangenheit haben sich
       megalomane Bauprojekte im Zuge einer Weltmeistermannschaft nur in
       wirtschaftsstarken Ländern gerechnet. In Südafrika, wo 2010 die WM
       stattfand, schrieben zehn Jahre nach der Austragung die beiden größten
       Neubauten nach wie vor Verluste.
       
       Russland baute als Gastgeber 2018 sechs Stadien neu, unter anderem das
       Fischt-Stadion in Sotschi mit 46.000 Plätzen. Um es überhaupt bespielen zu
       können, wurde just im Jahr der WM eigens ein Fußballclub gegründet, der FK
       Sotschi. Er spielt in der zweiten russischen Liga, zum letzten Match kamen
       2.702 Zuschauer. Auch in Katar sind die völlig überdimensionierten Stadien
       gähnend leer, obwohl die Fifa ständig neue Turniere dorthin vergibt.
       Mutmaßlich mehrere [5][Tausend Arbeiter verloren bei den Baumaßnahmen] ihr
       Leben.
       
       ## Sinnvollere Investitionen als Stadien
       
       In Marokko selbst ist die WM entsprechend nicht unumstritten. Das Geld
       hätte durchaus auch in nachhaltigere Konjunkturpakete fließen können, die
       Jugendarbeitslosenquote in Marokko beträgt um die 38 Prozent.
       
       Unter Umständen muss Gianni Infantino demnächst nicht mehr um all diese
       Fragen herumlavieren: Nach seinem Versuch, die WM teilzuprivatisieren,
       wächst der Druck auf ihn, viele Verbände verlangen seinen Rücktritt.
       Vielleicht geht er tatsächlich von selbst: Donald Trump soll Gianni
       Infantino als nächsten UN-Generalsekretär vorgeschlagen haben, berichtete
       die (nicht immer seriöse) New York Post. Das Motto der nächsten WM steht
       bereits fest. Es lautet „YallaVamos“.
       
       5 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
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