# taz.de -- Infantino räumt Fehler ein: Uefa bleibt beim Boykott
       
       > Für Gianni Infantino ist ein Rücktritt nach seinen krachend gescheiterten
       > WM-Umbau-Plänen keine Option. Die Antwort aus Europa kommt prompt – und
       > ist deutlich.
       
 (IMG) Bild: Für Fehler einstehen? Nicht in meiner Gehaltsklasse!
       
       dpa/taz | Auch mit dem [1][Eingeständnis eines Fehlers beim gescheiterten
       Investorendeal] hat Gianni Infantino seine Opposition aus Europa nicht von
       ihrer Androhung eines WM-Boykotts abbringen können. Das Krisentreffen der
       Fifa, bei dem der angeschlagene Präsident des Weltverbands die
       Unterstützung seines Führungszirkels erhielt, habe nichts an ihrer Position
       geändert, teilte die Europäische Fußball-Union Uefa mit.
       
       Die Drohung, vorerst nicht mehr an Fifa-Wettbewerben teilzunehmen, bleibt
       damit bestehen. Es seien nicht die Voraussetzungen erfüllt, um sie
       zurückzunehmen, hieß es vom Kontinentalverband auf Anfrage der Deutschen
       Presse-Agentur. „Erstens mussten die Vorschläge zum Verkauf der großen
       Wettbewerbe zurückgezogen werden. Zweitens mussten Zusicherungen gegeben
       werden, dass solche Versuche, den Fußball auf diese Weise zu entstellen,
       nie wieder unternommen werden.“
       
       ## Uefa: Vertrauen in Infantino ist verloren
       
       Darüber hinaus bekräftigte die Uefa, dass das Vertrauen in Infantino
       verloren gegangen sei. An dieser Haltung halte man fest, stellte der
       Verband klar. „Die gestrige Bekanntgabe, dass einige Angestellte des
       Fifa-Präsidenten (deren Karriere von seiner Gunst abhängt) ihm zustimmen,
       ändert nichts daran.“
       
       Inmitten seiner schwersten Krise als Fifa-Präsident hatte Infantino zuvor
       aus dem kleinen Al-Medina-Stadion von Rabat ein klares Signal in die
       aufgeregte Fußballwelt gesendet. Der 56-Jährige verbreitete via Instagram
       ein Foto mit seinem in der vergangenen Woche [2][noch abtrünnig wirkenden
       Generalsekretär Mattias Grafström].
       
       Beide grinsen und recken demonstrativ einen Daumen nach oben. Es sollte
       beim Besuch des Afrika-Cups der Frauen unterstreichen, was der Weltverband
       nach einer Krisensitzung in der marokkanischen Hauptstadt mitgeteilt hatte:
       Die Fifa-Führung steht geschlossen hinter Infantino. Und der Verbandsboss
       aus der Schweiz denkt gar nicht daran, [3][von sich aus seinen Rücktritt zu
       erkläre]n.
       
       ## Fifa will „keinerlei Angriffe mehr dulden“
       
       Stattdessen schaltete Infantino nur viereinhalb Tage nach dem krachenden
       Scheitern des Investorendeals, mit dem er die Fußballszene zuvor schockiert
       und empört hatte, wieder in den Angriffsmodus. In einem Schreiben, das an
       die Fifa-Vizepräsidenten und Councilmitglieder der Fifa adressiert ist und
       von Sky News in voller Länge veröffentlicht wurde, gestehen die beiden
       Unterzeichner Infantino und Grafström zwar Fehler ein. Doch nicht nur das.
       
       Sie drohen auch mit Konsequenzen. „Nach der Rücknahme des Projekts wird die
       Fifa keinerlei Angriffe auf ihre Integrität, ihre gute Unternehmensführung
       und die Einhaltung ordnungsgemäßer Verfahren mehr dulden und alle
       erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um ihren Namen und ihren Ruf zu
       schützen und zu wahren“, heißt es wörtlich.
       
       ## Rückendeckung von Grafström
       
       In den vergangenen Tagen hatte es eine beispiellose Welle der [4][Kritik
       und viele Rücktrittsforderungen] an Infantino wegen des geplanten
       Investorendeals gegeben. Die Uefa hatte geschlossen mit allen 55
       Mitgliedern gedroht, die WM und alle weiteren Fifa-Wettbewerbe zu
       boykottieren. Auch aus Nord- und Mittelamerika und Asien gab es deutliche
       Kritik, damit war klar, dass das Projekt keinerlei Mehrheit haben würde. In
       der Nacht zu Samstag gab Infantino den Plan auf.
       
       In Marokko versammelte Infantino nun das Top-Management der Fifa um sich
       und bekam in Rabat das, was er sich erhofft hatte: die volle interne
       Rückendeckung, die in der vergangenen Woche zu bröckeln drohte. Der Schwede
       Grafström hatte zuletzt angesichts des gescheiterten Plans zum Verkauf von
       WM-Rechten an Investoren in einer internen Mail an Fifa-Mitarbeiter noch
       eine „traurige und tadelnswerte Reihe von Ereignissen“ sowie „Aufruhr“
       beklagt.
       
       ## Was macht die Uefa?
       
       Nun unterzeichnete Grafström einen Brief, der eine Entschuldigung zu einem
       Vorgang enthielt, der dem Generalsekretär offenbar gar nicht bekannt war.
       „Zur Vermeidung jeglicher Missverständnisse bekräftigen der
       Fifa-Generalsekretär und das anwesende Management Board ihre
       uneingeschränkte Unterstützung für Fifa-Präsident Gianni Infantino als den
       einzigen offiziellen Repräsentanten, der von den 211
       Fifa-Mitgliedsverbänden gewählt wurde“, hieß es von der Fifa.
       
       Im Spiel der machtpolitischen Winkelzüge reagierte die Uefa umgehend. Trotz
       der Rücknahme der Investorenpläne [5][bleibt der Kontinentalverband seiner
       Linie treu].
       
       ## Infantino teilt Unterstützung von Verbänden
       
       Die Fifa räumte ein, kommunikativ Fehler gemacht zu haben. Es herrsche
       Einigkeit darüber, dass es nicht beabsichtigt gewesen sei, dem Fifa-Council
       und den Fifa-Mitgliedsverbänden „das Gefühl zu geben, vom Prozess
       ausgeschlossen zu sein, und dass der Prozess anders hätte gehandhabt werden
       sollen“, teilte der Weltverband mit.
       
       Doch dieses Eingeständnis ist aus Sicht der Fifa und vor allem aus Sicht
       von Infantino längst kein Grund, zur Seite zu treten. Im Gegenteil:
       Infantino will sich im März 2027 in Marokko für eine weitere Amtszeit bis
       2031 wählen lassen und informiert aktuell über jeden Verband, der ihn
       unterstützt. In der Nacht nach dem Krisengipfel postete Infantino die
       Unterstützungsschreiben aus der Mongolei sowie von den Philippinen.
       
       Insgesamt acht asiatische Verbände unterstützen Infantino demnach bislang.
       Dazu zählt auch der ehemalige WM-Gastgeber Katar. Noch nicht positioniert
       hat sich dagegen Saudi-Arabien, das 2034 erstmals Ausrichter der WM sein
       soll und im Nahen Osten als sportpolitisch immer wichtigerer Akteur
       wahrgenommen wird.
       
       ## Wie wahrscheinlich ist ein Sturz?
       
       Auf der anderen Seite haben erste europäische Verbände wie Wales oder
       Serbien angekündigt, Infantino nicht mehr offiziell zu unterstützen.
       [6][Offiziell gibt es aber noch keinen Herausforderer für Infantino].
       
       Um den Mann aus dem Wallis zu stürzen, gibt es mehrere Optionen: das aus 37
       Mitgliedern bestehenden Fifa-Council, bei dem eine Mehrheit eine
       Krisensitzung einberufen könnte. Oder eine außerordentliche Sitzung des
       Fifa-Kongresses, für die 43 von 211 Stimmen nötig wären.
       
       6 Aug 2026
       
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