# taz.de -- Migration zwischen Marokko und Ceuta: Die Ceuta-Krise geht leise weiter
       
       > Zwei Wochen nach dem Ansturm auf die spanische Exklave beruhigt sich die
       > Lage. Einige Marokkaner fühlen sich ausgenutzt von den unbekannten
       > Urhebern des Aufrufs.
       
 (IMG) Bild: Durfte nicht bleiben: Ein 12-Jähriger wird von einem spanischen Soldaten zur marokkanischen Grenze begleitet
       
       Zwei Wochen nach dem Ansturm auf die spanische Exklave Ceuta hat sich die
       Lage vor Ort weitgehend beruhigt. Spanische und marokkanische Grenzbeamte
       haben ihren Dienst wieder aufgenommen [1][und die Kontrollen verschärft].
       Zwischen dem 30. und 31. Juli hatten hier mehr als 70.000 Personen von
       Marokko aus die Grenze passiert, mindestens 96 starben. Viele waren
       Aufrufen von Unbekannten in den sozialen Medien gefolgt.
       
       Inzwischen hat ein politischer Streit darüber begonnen, was mit den
       verbliebenen Migranten in der 83.000 Einwohnerstadt geschehen soll. Schon
       ihre Zahl ist unklar. Während die spanische Regierung von wenigen Tausend
       ausgeht, spricht Territorialpräsident Juan Jesus Vivas von 11.000.
       
       Viele von ihnen sind minderjährig, aber auch Familien aus Senegal oder
       Bürgerkriegsflüchtlinge aus Sudan hoffen, bleiben zu dürfen. Der Norden
       Marokkos war in den letzten Monaten Ziel vieler Migranten aus
       Subsahara-Afrika, da die Behörden in Algerien und Tunesien – ebenfalls
       Hotspots – verstärkt in die Wüste abschieben und ihre Küstenwachen
       verstärkt haben.
       
       Weil Marokko offenbar nur eigene Staatsbürger aus Ceuta wieder einreisen
       lässt und minderjährige Marokkaner nur nach einer legalen Prozedur
       abgeschoben werden, entstehen am Strand regelrechte Zeltsiedlungen. Die
       Versorgungslage ist nach Angaben von Migranten, mit denen die taz am
       Telefon sprach, kritisch.
       
       Genaue Zahl der Toten weiterhin unklar 
       
       Mehrere allein reisende Frauen berichten, während des Ansturms vergewaltigt
       worden zu sein. Wie viele Menschenleben genau der Aufruf zum Sturm auf
       Ceuta gekostet hat, ist auch weiterhin unklar. Der staatlichen spanischen
       Rundfunkgesellschaft RTVE zufolge meldete Spanien 82 Tote auf seinem
       Staatsgebiet, Marokko 14. Menschenrechtler gehen von mehr als 140 Toten
       aus.
       
       Viele ertranken inmitten der Massen, als sie versuchten, die wenigen
       Hundert Meter vom Strand der marokkanischen Stadt Fnideq nach Ceuta zu
       schwimmen. Weitere wurden an Land zu Tode getrampelt. „Auch ein Freund von
       mir wird vermisst“, sagt Mohamed, ein Cafébesitzer aus Fnideq der taz.
       
       „Wir hatten alles stehen und liegen lassen, als wir Tausende Jugendliche an
       uns vorbei in Richtung Strand gehen sahen. Es war eine Kurzschlusshandlung,
       wir dachten tatsächlich am nächsten Tag in Madrid zu sein“, erklärt der
       25-Jährige, der nun wieder in seinem Café serviert. „In Ceuta prügelten uns
       die Einheimischen durch die Straßen.“
       
       In Fnideq hatten Jugendliche während des Sturms auf Ceuta Polizeifahrzeuge
       angezündet. Später war der Ort voller Menschen, die weder Geld für die
       Rückfahrt nach Casablanca noch für etwas zu essen hatten. Sicherheitskräfte
       versuchten, sie aus der Stadt zu treiben.
       
       ## Die Urheber des Aufrufs bleiben unbekannt
       
       Während viele Jugendliche zu ihren Familien zurückgekehrt sind, bleibt in
       Ceuta die Angst vor einer Wiederholung der Aktion. Entsprechende erneute
       Aufrufe tauchten in den sozialen Medien auf. In der Exklave ist man sich
       sicher, dass die Urheber den politischen Druck auf Spanien ausüben wollen.
       Ministerpräsident Pedro Sánchez ist aufgrund seiner liberalen
       Migrationspolitik Kritik von rechts ausgesetzt.
       
       „Einige der Migranten sind offensichtlich mit Lastwagen und Bussen nach
       Fnideq gefahren worden. Jemand steckte hinter der Aktion. Doch wer, das
       weiß niemand“, sagt ein Gast in dem Café Numidia im Zentrum des
       Urlaubsortes am Fuße des Riff-Gebirges.
       
       In Marokko hat der 30. Juli tiefe Spuren hinterlassen. Zuletzt hatten im
       Oktober letzten Jahres Jugendproteste die Sicherheitskräfte an ihr Grenzen
       gebracht. Nur durch die gezielte Verhaftung einiger Anführer der Gen Z 212
       genannten Demonstrationen gelang es, eine Massenbewegung zu verhindern.
       
       „Das Ganze war ein Trick“ 
       
       Marokkos Wirtschaft boomt. Zahlreichen Großprojekte wie der Bau der
       Fußballstadien für die [2][Weltmeisterschaft 2030] und die Investitionen
       europäischer Autozulieferer sorgen für Aufschwung. Doch viele junge
       Marokkaner, selbst jene mit Universitätsabschluss, suchen vergeblich nach
       einem Job. Viele von ihnen haben daher nur eine Zukunftsvision: auswandern.
       
       „Marokko ist ein schönes Land, ich würde gerne bleiben“, sagt Youssef in
       einem Überlandbus auf dem Rückweg nach Rabat. Der 22-Jährige arbeitet als
       „Transporteur“ in der Altstadt. „Aber ich würde gerne eine eigene Wohnung
       mieten und heiraten können. Mehr nicht. Wären Sie an meiner Stelle nicht
       auch nach Ceuta gegangen?“
       
       Mittlerweile glaubt Youssef, dass seine Hoffnung von den Urhebern der
       Ceuta-Kampagne [3][politisch ausgenutzt] wurde. „Alle die Behauptungen in
       den Videos über offene Grenzen nach Spanien stimmten nicht. Das Ganze war
       ein Trick, ein Verbrechen.“
       
       14 Aug 2026
       
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