# taz.de -- Wahl des Unionsfraktionsvorsitzenden: Union rauft sich erst mal zusammen
> Die Unionsfraktion stimmt mit 91,9 Prozent für Thorsten Frei als
> Nachfolger von Jens Spahn. Der Denkzettel für Merz fällt damit aus.
(IMG) Bild: Bundeskanzler Friedrich Merz steht voll hinter Thorsten Frei
Die Union hat den Plenarsaal weitläufig abgeschirmt. Dort, wo man sich im
Reichstagsgebäude außerhalb der Sitzungswochen als Journalist relativ frei
bewegen kann, ist am Mittwoch kein Durchkommen. So soll zumindest für eine
Stunde nichts von dem Abgrund zu sehen sein, der sich bei der CDU aufgetan
hat.
Die Sitzung, die ursprünglich mal einberufen wurde, um den bisherigen
Kanzleramtschef Thorsten Frei zum neuen Vorsitzenden der Unionsfraktion zu
wählen, ist längst zu einem Krisentreffen geworden – in dem die CDU das
Verhältnis zu Parteichef und Bundeskanzler Friedrich Merz klären muss.
Nur zu bereitwillig hatten CDU-Politiker*innen [1][in den vergangenen Tagen
die Autorität und Integrität von Merz infrage gestellt.] Grund der teils
vernichtenden Kritik gegen den Kanzler war, dass dieser es bei seiner
Regierungsumbildung vollbracht hatte, quer durch die Partei
Befindlichkeiten zu verletzen und dazu mit ruppiger Rhetorik sogar Freunde
gegen sich aufzubringen.
In einer denkwürdigen CDU-Vorstandssitzung warf ihm der Bremer
CDU-Landesvorsitzende am Montag vor, die Partei wie ein Unternehmen zu
führen. Nicht nur soll sich im Anschluss niemand wirklich vor Merz gestellt
haben – aus der eigentlich vertraulichen Sitzung wurden die harten Vorwürfe
gegen den Kanzler munter an die Presse durchgestochen.
## Besser als Spahn
So geriet die Wahl zum Fraktionsvorsitzenden zu einer Art Prüfstein für den
Merz’schen Personalumbau und seine Kanzlerschaft, schließlich hatte er Frei
für den Posten vorgeschlagen. Zunächst wirkte es dann tatsächlich so, als
würde die Union, nachdem sie einmal mächtig Dampf abgelassen hat, sich
wieder zusammenraffen: Mit 91,9 Prozent wählten 185 anwesende
Unionsabgeordnete den als Hardliner bei Migrationsthemen bekannt gewordenen
Politiker zum neuen Fraktionschef. Damit schnitt Frei besser ab als sein
[2][Vorgänger Jens Spahn], für den im Mai 86,5 Prozent mit Ja gestimmt
hatten.
Spahns Rücktritt als Fraktionsvorsitzender wegen seiner Vaterschaft
[3][durch eine Leihmutter], mit der er gegen CDU-Leitlinien verstieß, die
er eigentlich selbst vertrat, hatte das Domino erst ausgelöst. Bei der
Personalrochade in Regierung, Fraktion und im CDU-Vorstand konnte man
zwischenzeitlich das Gefühl bekommen, [4][Merz drehe hier wirklich jeden
Stein um.] Inzwischen gibt es mit Nina Warken eine neue
Kanzleramtsministerin, zum Kabinett stoßen auch Carsten Linnemann als neuer
Gesundheitsminister und Steffen Bilger als Verkehrsminister (alle CDU).
Sie alle erhielten kurz vor der Sonderfraktionssitzung der Union von
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) ihre Ernennungsurkunden. Die
neuen Minister*innen sollen jedoch ihren Amtseid im Bundestag erst nach
der parlamentarischen Sommerpause ablegen – [5][ein Vorgang, den es so noch
nicht gab und der das derzeitige Chaos-Gefühl bei der Union bestärkt]. Auch
Verfassungsrechtler*innen melden Bedenken darüber an, ob dieses
Prozedere überhaupt konform mit dem Grundgesetz ist.
Das sind die Diskussionen, die in der Union am Mittwoch im Bundestag hinter
verschlossenen Türen geführt werden. Thorsten Frei führte durch die
Aussprache, die im Anschluss an seine Wahl als Fraktionsvorsitzender
folgte. Laut Informationen aus Teilnehmer*innenkreisen eröffnete Merz
die Debatte mit einer Ansprache, in der er erklärte, die entstandenen
Wunden heilen zu wollen und dass der Wunsch nach einer größeren Beteiligung
angekommen sei. Inwieweit die Abgeordneten dabei wieder mit Merz hart ins
Gericht gingen, war zunächst nicht bekannt. Ein Politiker soll in der
ganzen Debatte im Bundestag jedenfalls prominent gefehlt haben: Jens Spahn.
29 Jul 2026
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